Vetle Sjaastad Christiansen, Tiril Eckhoff, Marte Olsbu Roeiseland und Johannes Thingnes Boe

Olympia | Bilanz

Norwegen erlebt "Traumspiele" - China katapultiert sich nach oben

Stand: 20.02.2022, 14:33 Uhr

Die Norweger haben in Peking 16 Goldmedaillen gewonnen - so viele wie noch kein anderes Land bei Winterspielen. China verdrängte im Medaillenspiegel arrivierte Wintersportnationen. Auch Neuseeland feierte erstmals Winter-Olympiasieger.

Von Ines Bellinger und Dirk Hofmeister

Dass Norwegen bei Olympischen Winterspielen reihenweise Medaillen abräumt, daran haben sich Konkurrenten und Sportfans längst gewöhnt. Eine Dominanz wie bei den Spielen in Peking haben aber auch die erfolgsverwöhnten Skandinavier noch nie erlebt. Mit 15 Olympiasiegen feierten sie ein wahres "Gullfest" (Goldfest) im Reich der Mitte. "Es ist schön, ein Norweger in China zu sein", schrieb die Zeitung "Dagbladet" im Überschwang des sportlichen Hochgefühls.

Mit 16 Olympiasiegen übertrafen die Norweger die bisherige Bestmarke von 14 Gold-Plaketten, die sie ebenso wie das deutsche Team 2018 erreicht hatten. Kanada hatte bei den Heimspielen 2010 in Vancouver ebenfalls 14 Mal Gold gescheffelt. Ihre Gesamt-Medaillenausbeute von Pyeongchang (39) erreichten die Norweger dieses Mal zwar nicht. Ihr selbst gestecktes Ziel von 32 Plaketten übertrafen sie mit 37 Medaillen aber locker.

Biathlon-König Bö: Olympia extrem gut gelaufen

Johannes Thingnes Boe jubelt bei der Blumenzeremonie

Vor allem die Überlegenheit der Biathleten um Johannes Thingnes Bö ist erdrückend. In zehn der elf Wettbewerbe in Zhangjiakou holten Norwegens Skijäger Medaillen, nur die Frauen-Staffel ging leer aus, insgesamt sammelte "Norge" 14 von 27 möglichen Plaketten. Allein Bö gewann viermal Gold und einmal Bronze - ein Rekord. Marte Olsbu Röiseland stand ihm mit drei Olympiasiegen und zweimal Bronze kaum nach. "Das waren Traum-Spiele", sagte Bö und sprach stellvertretend für die ganze Nation: "Dass es so gut laufen würde, hätte ich nie gedacht, extrem."

Olympiasieger sind in Norwegen noch Volkshelden

Norweger werden "mit Skiern an den Füßen geboren", heißt es, in China gewannen sie aber auch auf Snowboards und mit Schlittschuhen Gold. Ihr Geheimnis? "Es gibt keines", sagte Biathlon-Chef Per Arne Botnan, "wir haben gute Athleten und ein funktionierendes Team drumherum." Ein Erfolgsrezept dürfte sicher die herausragende Nachwuchsförderung sein. So waren im Jahr 2018 93 Prozent der Kinder sportlich aktiv. Zudem verfügt die Öl-Nation über die nötigen finanziellen Mittel. Viele Wintersportarten haben in Norwegen ihren Ursprung oder große Tradition, Olympiasieger steigen zu Volkshelden und Top-Verdienern auf.

Norge-Langläufer nicht auf dem Höhepunkt

Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Im Lager der erfolgsverwöhnten Langläufer gab es durchaus Unmut, gleich mehrere Athleten warfen der Teamleitung Fehler in der Vorbereitung und mangelnde Rückendeckung vor. Tiril Udnes Weng schluchzte nach Rang fünf im Teamsprint, sie fühle sich "wie eine Landesverräterin". Allein Therese Johaug wurde den Erwartungen vollends gerecht. Am Schlusstag holte sie mit Gold über 30 Kilometer ihre dritte Goldmedaille in Peking.

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China lernt rasend schnell - Superstar Gu

Bemerkenswert ist das Abschneiden von China. Mit neun Goldmedaillen und insgesamt 15 Plaketten positionierten sich die Olympia-Gastgeber im Medaillenspiegel hinter Norwegen und Deutschland (12-10-5) und ließen Wintersportnationen wie die USA, Schweden, Österreich und die Schweiz hinter sich. Vor vier Jahren hatten die Chinesen nur den Olympiasieg von Shorttracker Dajing Wu gefeiert. In Sotschi hatte es in Shorttrack und Eisschnelllauf dreimal Gold für China gegeben.

Maßgeblich für das starke Abschneiden in Peking waren die Athleten im Ski-Freestyle und Snowboard sowie im Shorttrack. Zum Superstar stieg Eileen Ailing Gu auf. Die Tochter einer Chinesin und eines Amerikaners startet seit 2019 für China und erfüllte mit zweimal Gold und einmal Silber im Freestyle die hochgesteckten Erwartungen an das "Poster-Girl" der Spiele. Der Snowboarder Yiming Su stand ihr mit Gold und Silber kaum nach.

Björndalen glaubt an Biathlon-Zukunft in China

Bemerkenswert in Chinas Medaillenbilanz ist zudem die Bronzemedaille von Skeletonfahrer Wengang Yan, die etwas unter dem Radar lief, jedoch zeigt, dass die Chinesen auch in den bei ihren Fans weniger populären Sportarten Anschluss gewinnen. Häufig haben sie sich dafür am Know-how ausländischer Experten bedient. Im Biathlon (Ole-Einar Björndalen) und Bob (André Lange) zahlte sich das Engagement hochdekorierter Entwicklungshelfer (noch) nicht aus. Dennoch: "Biathlon ist die Zukunft in China", sagte Björndalen der "Financial Times". Die von ihm entwickelten Athleten bräuchten einen weiteren olympischen Zyklus. "Alles ist möglich in diesem Land." Fangming Cheng hatte als Zwölfter im Oberhof-Sprint in dieser Saison schon für ein kleines Ausrufezeichen gesorgt. Seine Qualifikation für den Olympia-Massenstart war ein weiterer Erfolg, auch wenn er hier nur den letzten Platz belegte.

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Bob-Trainer Lange: "China will Förderprogramm ausbauen"

An eine Zukunft seiner Sportart in China glaubt auch Ex-Bobfahrer André Lange: Er hat in den vergangenen Jahren das chinesische Bobteam mit aufgebaut. Kritisch äußert er sich zur überdimensionalen Bobbahn in einem Naturschutzgebiet im Norden von Peking: "Das ist too much", sagt er im Sportschau-Gespräch. Dem chinesischen Bob-Team, das während der Winterspiele zumeist jenseits der Top 10 ins Ziel kam, prophezeit er aber eine Zukunft in der Weltspitze: "China will sein Förderprogramm auf- und ausbauen".

Rocket Man, Tränen und grüne Hänge - die Bilder der Olympischen Spiele

Die Olympischen Winterspiele in Peking hatten einiges zu bieten: Sensationen, Drama, Emotionen - und dazu kam noch die Corona-Pandemie.

Dinigeer Yilamujiang (l) und Jiawen Zhao bei der Eröffnungsfeier

Der Auftritt der Uigurin Dinigeer Yilamujiang, die bei der Eröffnungsfeier der Winterspiele gemeinsam mit dem nordischen Kombinierer Zhao Jiawen das olympische Feuer entzündete, sorgte weltweit für Diskussionen und Kritik, da China international Vorwürfen über eine Unterdrückung der muslimischen Minderheit ausgesetzt ist. Von "Symbolpolitik" war die Rede und davon, dass ein falsches Bild vom Leben der Uiguren in der Nordwestregion Xinjiang gezeichnet werde. Denn dort sind Menschenrechtlern zufolge Hunderttausende in Umerziehungslager gesteckt worden.

Der Auftritt der Uigurin Dinigeer Yilamujiang, die bei der Eröffnungsfeier der Winterspiele gemeinsam mit dem nordischen Kombinierer Zhao Jiawen das olympische Feuer entzündete, sorgte weltweit für Diskussionen und Kritik, da China international Vorwürfen über eine Unterdrückung der muslimischen Minderheit ausgesetzt ist. Von "Symbolpolitik" war die Rede und davon, dass ein falsches Bild vom Leben der Uiguren in der Nordwestregion Xinjiang gezeichnet werde. Denn dort sind Menschenrechtlern zufolge Hunderttausende in Umerziehungslager gesteckt worden.

Der Nordische Kombinierer Vinzenz Geiger flog förmlich zur Goldmedaille von der Normalschanze. In atemberaubender Manier zündete er noch einmal den Turbo und passierte im Finish des abschließenden Laufs erst seinen lange führenden Teamkollegen Johannes Rydzek, dann auch den Rest der Konkurrenz und sicherte sich den Olympiasieg.

Er ist der "Raketenmann": Nathan Chen flog mit gleich fünf vierfachen Sprüngen zum Olympiasieg im Eiskunstlaufen. Und das zu den Klängen des "Rocket Man"-Evergreens von Elton John. Der erst 22-jährige US-Amerikaner profitierte bei seinem Triumph auch vom Absturz des japanischen Favoriten Yuzuru Hanyu.

Es waren nicht die Olympischen Spiele von Ski-Superstar Mikaela Shiffrin. Die US-Amerikanerin schied im Riesenslalom, Slalom und im Kombi-Slalom jeweils früh aus und zeigte dabei Schwächen, die bei ihr sonst nicht zu sehen sind. Shiffrin offenbarte in Peking auch Emotionen, konnte Frust und Enttäuschung nicht mehr unterdrücken. "Ich fühle mich wie eine Witzfigur. Wahrscheinlich wäre es das Beste, wenn ich einfach meine Karriere beenden würde", lautete ihr trauriges, ganz persönliches Olympiafazit.

Nach dem letzten Wettkampf seiner Fabelkarriere konnte Shaun White seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Der Snowboard-Superstar aus den USA weinte hemmungslos. "Vielen Dank, Snowboarding. Du warst die Liebe meines Lebens", sagte der 35-Jährige. "Ich wollte doch nicht weinen. Doch das ist einfach super emotional für mich." Es war ein Abgang ohne Medaille: White wurde im Halfpipe-Finale Vierter.

Curling war bei den Olympischen Spielen 2022 von Anfang bis Ende präsent. Ein heimlicher Star der Sportart: Matt Hamilton, sogenannter "Second" im Team von US-Skip John Shuster. Der 33-Jährige drehte mit seiner wallenden Mähne und seinem ausgefallenen Outfit ordentlich den SWAG auf.

Biathletin Denise Herrmann überraschte nach einer durchwachsenen Saison mit der Goldmedaille im Einzel über 15 Kilometer. Für sie war es nach Olympia-Bronze mit der Langlauf-Staffel 2014 nun die erste Einzelmedaille im Biathlon - das war zuvor noch keiner Deutschen gelungen. "Am Ende auch ganz oben zu stehen, ist natürlich einfach unglaublich. Es war das perfekte Rennen", sagte Herrmann, die Geschichte schrieb.

Dass Peking eigentlich kein Ort für Wintersport ist, war vor und nun auch während der Wettbewerbe Gegenstand der Kritik an den Olympischen Spielen. Weiße Pisten, aufwändig mit Schneekanonen präpariert, drumherum graue Landschaften - so sahen die Bilder aus China aus. In Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit waren die Winterspiele nicht medaillenverdächtig. Wind und Wetter wirbelten den Wettbewerbskalender zudem teilweise gehörig durcheinander.

Die Angst vor Corona war bei den Olympischen Winterspielen in Peking allgegenwärtig. Die Veranstalter taten alles, um das Risiko einer Infektion zu minimieren. Die Mitarbeiter waren angewiesen, alle und alles zu desinfizieren. Und das taten sie mit großem Eifer - in futuristisch aussehenden Ganzkörperanzügen.

Die russische Eiskunstläuferin Kamila Walijewa war vielleicht das Gesicht der Spiele. Einen Tag nach der Entscheidung im Teamwettbewerb, in dem die 15-Jährige mit dem Team des Russischen Olympischen Komitees Gold gewonnen hatte, wurde ein positiver Dopingtest bei den russischen Meisterschaften im Dezember publik. Nach anschließendem tagelangem Wirbel verpasste Walijewa mit einer fehlerhaften Kür als Vierte eine Medaille im Einzel. Wie ein Häufchen Elend ging sie vom Eis, ihre Trainerin bestrafte sie zusätzlich mit einer kühlen und unempathischen Reaktion. Ob das Russische Olympische Komitee Gold behalten darf, entscheidet sich erst nach den Spielen, wenn abschließend im Dopingfall geurteilt wird.

Nach Walijewas Auftritt im Einzel konnte Katharina Witt im Sportschau-Studio die Tränen nicht zurückhalten. "Das ist eigentlich nicht zu ertragen", sagte die aufgelöste frühere Weltklasse-Eiskunstläuferin im Gespräch mit Moderatorin Jessy Wellmer. Doch Witt fand dann rasch die angemessen deutlichen Worte: "Das, was jetzt passiert ist, ist das Allerschlimmste. Sie ist daran zerbrochen. Sie ist ein 15-jähriges Kind, das man der Welt zum Fraß vorgeworfen hat."

Der Ausdruck "Quarantäne-Hotel" prägte die Spiele in Peking. Sportler wie Kombinierer Eric Frenzel und sein Teamkollege Terence Weber, aber auch Journalisten wie Sportschau-Moderator Claus Lufen mussten dort unfreiwillig Station machen. Während für die Sportler in der dortigen Isolation Trainieren fast unmöglich war, war für Lufen und Co. zumindest etwas Arbeit drin.

Vom Flughafen direkt ins Quarantäne-Hotel - lange Zeit war Olympia für Eric Frenzel eine Katastrophe. Elf Tage lang war der Nordische Kombinierer in seinem Zimmer gefangen. Schließlich konnte er sich freitesten und wurde für die abschließende Staffel nominiert. Doch auch hier ging es nicht ohne Drama. An Position drei laufend brach der Sachse ein und lag anschließend komplett entkräftet im Schnee. Er durfte sich bei Schlussläufer Vinzenz Geiger bedanken, dass es zu Silber reichte. Es war das Happy End einer absurden Geschichte.

Er war einer der Hingucker bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Peking: Nathan Crumpton aus Amerikanisch-Samoa. Der Skeleton-Fahrer präsentierte sich bei Eiseskälte halbnackt und eingeölt und sorgte somit für viele Reaktionen in den sozialen Netzwerken. Die Bilder des Athleten gingen viral.

Es ist ein echtes Märchen: Im Dezember 2018 erhielt Max Parrot die Schockdiagnose Lymphdrüsenkrebs. Doch der kanadische Snowboarder überwand die Krankheit nach zwölf Chemotherapien. Etwas mehr als drei Jahre später sprang er in Peking zu Olympia-Gold im Slopestyle. "Ich lag in einem Krankenhaus, hatte keine Energie, keine Muskeln", sagte Parrot anschließend sichtlich bewegt: "Jetzt bei Olympia den besten Lauf meines Lebens hinzulegen und Gold zu gewinnen - das ist Wahnsinn."

Ob Rodeln , Bob oder Skeleton: Auf die deutschen Sportler und Sportlerinnen war im Eiskanal einmal mehr Verlass. In neun Rennen holten sie neun Siege und insgesamt 16 Medaillen. In den Medien war vom "Goldrausch im Eiskanal" die Rede. Nur im Monobob-Rennen der Frauen ging das Team Deutschland leer aus.

Katherine Sauerbrey, Katharina Hennig, Victoria Carl und Sofie Krehl holten Silber in einem denkwürdigen Staffel-Rennen über 4 x 5 Kilometer. Krehl rettete auf den letzten Metern im Skistadion von Zhangjiakou den zweiten Platz ins Ziel, danach gab es für die deutschen Läuferinnen kein Halten mehr. Der Rest waren Jubel und Tränen.

Katharina Hennig und Victoria Carl setzten wenige Tage später sogar noch einen drauf und holten völlig überraschend Gold im Teamsprint. Den Sieg sicherte Carl mit einem überragenden Schlusssprint, bei dem selbst Sportschau-Reporter Jens-Jörg Rieck um Worte rang. "Ja, hast denn du die Pfanne heiß", rief dieser ungläubig aus, als Gold feststand.

Das Warten schien kein Ende zu nehmen. Eine gefühlte Ewigkeit harrte Daniela Maier im Zielbereich des Genting Snow Parks aus - als knapp geschlagene Vierte im packenden Skicross-Finale. Sie umarmte ihre Konkurrentinnen und beglückwünschte sie als faire Verliererin zur Medaille. Doch die Jury entschied nach zehn Minuten: Olympia-Bronze für Maier! Es war die erste Skicross-Medaille überhaupt für Deutschland.

Eklat beim Eishockey: Aus Angst vor einer Corona-Infektion hatten sich die Rekord-Olympiasiegerinnen aus Kanada zunächst geweigert, gegen das Russische Olympische Komitee anzutreten, weil die Gegnerinnen keine negativen Corona-Testergebnisse vorgelegt hatten. Das Match ging erst los, als beide Mannschaften unter ihren Gittern Mund- und Nasenschutz angelegt hatten - der "Maskenball auf dem Eis" konnte beginnen.

Mit dem schwierigsten Sprung ihrer Ski-Freestyle-Karriere sicherte sich Eileen Gu Gold bei der Premiere des Big-Air-Wettbewerbs in Peking. Zudem holte die in San Francisco aufgewachsene 18-Jährige Gold in der Halfpipe und Silber im Slopestyle. Gu ist der neue Liebling im Land des Olympia-Gastgebers. Die Tochter eines Amerikaners und einer Mutter mit chinesischen Wurzeln startet seit 2019 für China und hat im Reich der Mitte beste Chancen, zu einem absoluten Superstar aufzusteigen.

Beim Mixed-Wettbewerb der Skispringer waren fünf Springerinnen wegen nicht regelkonformer Anzüge von den Kontrolleuren disqualifiziert worden. Darunter war auch die deutsche Starterin Katharina Althaus. Das deutsche Team verpasste somit die erhoffte Medaille. Der Weltverband sowie die Materialkontrolleure ernteten danach harsche Kritik, von einer "Farce" war die Rede.

Maskottchen Bing Dwen Dwen war der heimliche Star der Olympischen Spiele. Die knuffige Pandabärin auf Schlittschuhen war nachgefragter als viele Sportler. "Lieferprobleme wegen des Frühlingsfestes", hieß es in China vielerorts auf Nachfrage.

Nico Porteous staunte nicht schlecht. Während der Halfpipe-Olympiasieger im Zielraum des Genting Snow Parks die ersten Glückwünsche in Empfang nahm, standen die Mitglieder des neuseeländischen Teams ganz in Schwarz gekleidet schon in Formation: Bei minus 25 Grad führten sie ihm zu Ehren den legendären Haka auf.

Rodlerin Natalie Geisenberger gewann bei den Winterspielen in Peking Gold in Einzel und Team. Damit baute sie ihre olympische Bilanz auf sechs Gold- und eine Bronzemedaille aus. Somit löste die neunmalige Weltmeisterin die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein als erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin ab.

Russisches Team wieder im Kommen

Welche Auswirkungen die Sanktionen gegen die russische Mannschaft nach den skandalumwitterten Winterspielen von Sotschi hatten, lässt sich ebenfalls an den Medaillenspiegeln ablesen. Bei seinen Heimspielen 2014 lag Russland trotz der nachträglichen Aberkennung von zwei Gold- und zwei Silbermedaillen in der Endabrechnung (11-9-9) vor Norwegen (11-5-10) und Kanada (10-10-5) vorn. Vier Jahre später in Pyeongchang, wo alle nicht gesperrten russischen Teammitglieder als Olympische Athleten aus Russland unter der olympischen Flagge antraten, gab es als Quittung Rang 13 (2-6-9). Die Eishockey-Spieler und die Eiskunstläuferin Alina Sagitowa brachten die einzigen Olympiasiege zurück nach Moskau - das schlechteste Ergebnis in der russischen Wintersport-Geschichte.

In Peking rüstete das Russische Olympische Komitee (ROC) bereits wieder auf. Zwar bedeuteten sechs Olympiasiege nur Rang neun im Medaillenspiegel, doch mit insgesamt 32 Plaketten waren die Russen noch erfolgreicher als in Sotschi (29). Herausragend die Dominanz im Skilanglauf, wo Team ROC viermal Gold einheimste.

Im Eiskunstlauf steht der Erfolg im Teamwettbewerb nach dem Dopingfall von Kamila Walijewa noch unter Vorbehalt. Medaillen wurden vorerst nicht vergeben. Die 15-Jährige hätte wohl auch die Frauen-Konkurrenz gewonnen, doch nach dem Doping-Wirbel versagten ihr in der Kür die Nerven. Aus dem schier unerschöpflichen Reservoir der russischen Eiskunstlaufschule standen jedoch zwei andere Läuferinnen bereit, die Gold und Silber sicherten: Weltmeisterin Anna Schtscherbakowa und Alexandra Trusowa.

Der Fall Walijewa: Ein Kind wird zum Politikum

Sportschau 18.02.2022 02:48 Min. Verfügbar bis 09.03.2023 Das Erste

Team Neuseeland nimmt die ersten Goldmedaillen mit nach Hause

109 Entscheidungen gab es in Peking - sechs mehr als 2018 in Pyeongchang und zehn mehr als 2014 in Sotschi. Dass sich auch kleinere Länder zunehmend etwas vom Medaillenkuchen abschneiden, zeigen Ungarn und Belgien mit je einmal Gold, aber auch das Beispiel Neuseelands. Ski-Freestyler Nico Porteous in der Halfpipe und Snowboarderin Zoi Sadowski-Synnot im Slopestyle vergoldeten jeweils ihr starkes Ergebnis von Pyeongchang (zweimal Bronze). Sadowski-Synnott sprang dazu noch zu Silber im Big-Air-Wettbewerb. Das Team feierte Porteous bei minus 25 Grad im Genting Snow mit dem legendären Maori-Tanz Haka - die chinesischen Hostessen verzogen keine Miene zum Geheul der ganz in Schwarz gekleideten "Kiwis".

Die Ursprünge der neuen Wintersport-Erfolge liegen in der Heimat der beiden Protagonisten: Porteous und Sadowski-Synnott stammen aus der Kleinstadt Wanaka auf der neuseeländischen Südinsel - nicht weit entfernt von Cardrona, wohin auch viele europäische Ski-Teams zum Sommertrainingslager reisen.

Ob auch China nach den Spielen auf Kunstschnee zu einer beliebten Wintersport-Adresse wird und sich womöglich mehr Einheimische für eine Karriere auf Ski, Schlittschuhen oder Rodel begeistern können, das bleibt nach diesen in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten Spielen abzuwarten.

Quelle: ibe/dho

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