Olympia | CAS-Urteil Dopingfall Walijewa: Eiskunstläuferin darf im Olympia-Einzel starten

Stand: 14.02.2022 08:18 Uhr

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat im Dopingfall der russischen Eiskunstläuferin Kamila Walijewa ein Urteil gefällt. Die 15-Jährige darf im Einzel-Wettbewerb um eine weitere Olympia-Medaille kämpfen.

Die russische Gold-Favoritin Kamila Walijewa darf trotz des dringenden Dopingverdachts im Eiskunstlauf-Einzel bei den Winterspielen in Peking starten. Im Eilverfahren lehnte der Internationale Sportgerichtshof CAS am Montag (14.02.2022) die Einsprüche gegen die Aufhebung einer vorläufigen Sperre der 15-Jährigen ab.

CAS-Urteil: Minderjährige besonders schutzbedürtig

Die Sportrichter des CAS entschieden zugunsten der Athletin des Russischen Olympischen Komitees (ROC) - und gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC), den Eiskunstlaufweltverband (ISU) und die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA. Die drei Organisationen hatten Einspruch gegen die aufgehobene Suspendierung des Eiskunstlauf-Wunderkindes eingelegt.

Der CAS teilte in seiner Urteilsbegründung mit, dass Walijewa als besonders schutzbedürftig gelte. Die Anti-Doping-Regeln der RUSADA und der WADA-Code seien zudem für vorläufige Suspendierungen bei minderjährigen Athletinnen und Athleten nicht ausreichend. Auch sei die aktuelle Europameisterin nicht während der Winterspiele in Peking positiv getestet worden. Walijewa unter diesen Umständen von ihrem Olympiastart fernzuhalten, könnte ihrer sportlichen Karriere einen irreparablen Schaden zufügen.

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Start im Einzel unter Vorbehalt

Der "Fall" Walijewa ist damit aber nicht abgeschlossen - sie läuft unter Vorbehalt. Zunächst bedeutet die Entscheidung, getroffen von der Ad-hoc-Kammer des CAS im Continental Grand Hotel der chinesischen Hauptstadt, nur, dass Walijewa am Einzelwettbewerb der Winterspiele teilnehmen darf.

Der beginnt am Dienstag im Capital Indoor Stadium mit dem Kurzprogramm (Live im Sportschau-Stream), Walijewa soll um 21.52 Uhr Ortszeit (14.52 MEZ) aufs Eis gehen. Ihre Kür zu Maurice Ravels "Bolero" mit den einmaligen Vierfachsprüngen kann Walijewa am Donnerstag (17.02., live im Sportschau-Stream) präsentieren.

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Sieben Stunden lang hatten die CAS-Richter Fabio Ludica (Italien), Jeffrey Benz (USA) und Vesna Bergant (Slowenien) die Argumente der Verfahrensbeteiligten angehört. Der Termin war erst um 2.10 Uhr am Morgen in Peking beendet. Dabei war auch Walijewa per Video zugeschaltet.

Doping-Experte Seppelt begrüßt CAS-Entscheidung

Sportschau-Experte Hajo Seppelt hält die CAS-Entscheidung für richtig. Es gehe hier noch nicht um die Frage, ob Kamila Walijewa schuldig ist oder nicht. "Vermutlich ist noch nicht einmal die B-Probe geöffnet. Es geht allein um die Frage: Was passiert, wenn sie nach den Spielen in einem ordnungsgemäßen Verfahren der Internationalen Eislaufunion freigesprochen wird?"

In diesem Fall hätte man sie ungerechterweise um die Chance gebracht, Olympiasiegerin zu werden. Hier müsse die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden.

Positiver Test schon im Dezember

Walijewas Suspendierung nach einem positiven Dopingtest auf die verbotene Substanz Trimetazidin vom 25. Dezember war in Peking von der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA aufgehoben worden. Das Internationale Olympische Komitee und die Welt-Anti-Doping-Agentur gingen gegen die Entscheidung in Berufung. 

Das Ergebnis der Probe war erst am 8. Februar angekommen, einen Tag nach dem russischen Sieg im Mannschaftswettbewerb, an dem Walijewa maßgeblichen Anteil hatte. Coronafälle im Labor in Stockholm sollen die Auswertung der zunächst anonymisierten Proben verzögert haben. Das Ergebnis der B-Probe ist noch nicht bekannt.

Entscheidung über Team-Gold noch offen

Ob das Russische Olympische Komitee (ROC) sein Team-Gold behalten darf, wird genau wie mögliche weitere persönliche Konsequenzen für Walijewa erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden, wahrscheinlich erst nach ihrer Rückkehr aus China. "Das ist ein Dilemma in dem wir alle stecken", sagte IOC-Sprecher Mark Adams. Hinter den Russen hatten sich die USA, Japan und Kanada im Team-Wettbewerb platziert.