Winterspiele 2022 in Peking: Boykott-Forderungen nehmen zu

Olympische Winterspiele 2022 Peking

Ein Jahr vor Olympia

Winterspiele 2022 in Peking: Boykott-Forderungen nehmen zu

Von Steffen Wurzel (Peking)

In einem Jahr sollen in Peking die Olympischen Winterspiele 2022 beginnen. Die Sportstätten stehen, doch es gibt eine ganze Reihe von Kritikpunkten - und Boykott-Forderungen nehmen zu.

Am 4. Februar 2022 sollen in Chinas Hauptstadt die Olympischen Winterspiele eröffnet werden. Chinas Staatsmedien berichten seit Tagen intensiv über begeisterte Anwohner, spektakuläre neue Wintersportbauten und gute Stimmung.

Traditionell hat der Wintersport in China kaum eine Bedeutung. Aber mit dem Zuschlag für die Olympischen Winterspiele hat sich viel getan: Vor allem im Norden des Landes wurden weitläufige Skigebiete errichtet und Lifte aufgestellt. Immer mehr Mittelstandsfamilien aus den großen Städten entdecken den Wintersport für sich.

Dass im wärmeren und dicht besiedelten Süden Chinas Wintersport immer noch kaum eine Rolle spielt, wird von den staatlich orchestrierten Medienberichten zum Thema weitgehend ignoriert.

Kritische Stimmen - Fehlanzeige

Kritische Stimmen zu Olympia gibt es in China keine, zumindest keine öffentlichen. Die Winterspiele 2022 sind hochpolitisch, was auch daran zu erkennen ist, dass es für Journalistinnen und Journalisten zunehmend schwieriger wird, sich zum Thema zu informieren, zu recherchieren und Interviews zu führen.

Das Organisationskomitee antwortet auf Medienanfragen mit vorgefertigten Standardantworten. In den Olympia-Gebieten nördlich von Beijing werden ausländische Reporter zum Teil von Polizisten der Staatssicherheit verfolgt und behelligt.

Olympia 2022 und Corona - offene Fragen

Auch zu den möglichen Auswirkungen der Covid-Krise werden vom Orga-Team keine Fragen beantwortet. So ist weiter offen, wann China die coronabedingt fast komplett geschlosenen Grenzen wieder öffnet - etwa für ausländische Sportlerinnen, Sportler und Medienschaffende, die sich vorab die Austragungsstätten ansehen möchten.

Olympia 2022 in Peking: Chinas Führung möchte keine kritischen Fragen

Sportschau 04.02.2021 04:14 Min. Verfügbar bis 04.02.2022 ARD Von Steffen Wurzel


Vorwürfe an das IOC

Kritik daran, dass ausgerechnet die Diktatur China die Olympischen Winterspiele 2022 ausrichtet, kommt dafür umso mehr aus dem Ausland. "Die Behauptung, dass Olympische Spiele in Unterdrückerstaaten wie in China etwas Gutes bewirken, ist einfach falsch", sagt Wenzel Michalski von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch: "Die Olympische Winterspiele finden in einem Land statt, in dem die Unterdrückung der Menschenrechte und die Massenüberwachung seit den letzten Olympischen Spielen im Sommer 2008 noch viel schlimmer geworden sind."

Einhaltung des Nachhaltigkeitskonzeptes gefordert

Die Vergabe der Spiele nach China sei ein schwerer Fehler gewesen, sagen internationale Menschenrechtsgruppen. Sie werfen dem Internationalen Olympischem Komitee (IOC) vor, sich beim Thema Menschenrechte nicht an die eigenen Vergaberegeln zu halten.

"Das IOC hat sich selbst ein Nachhaltigkeitskonzept gegeben. Darin geht es etwa um Frauenrechte, um Arbeitsrechte, die eingehalten werden sollen. Chinas Führung hält sich nicht daran", sagt der Hongkonger Menschenrechtsaktivist Johnson Yeung: "Die internationalen Beteiligten sollten die chinesische Führung deutlicher als bisher kritisieren und sie auf die Einhaltung des IOC-Nachhaltigkeitskonzepts verpflichten."

Boykott-Forderungen werden lauter

Weltweit haben sich 180 Menschenrechtsgruppen und Aktionsforen zusammengetan: Sie fordern einen internationalen Boykott der Winterspiele. Dass die chinesische Führung auf die Kritik eingehen oder gar etwas ändern wird, kann ausgeschlossen werden.

Chinas nationales Olympische Komitee ist eng verknüpft mit der Staats- und Parteiführung, obwohl das klar der Olympia-Charta des IOC widerspricht: Diese verbietet ausdrücklich politische Einflussnahme der Politik auf die Nationalen Olympia-Komitees. Chinas Nationales Olympisches Komitee besteht allerdings fast vollständig aus Funktionären und Kadern der Kommunistischen Partei.

Stand: 04.02.2021, 09:24

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