Mehr als 15 Millionen Euro für DDR-Dopingopfer

Die Sportler der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) beim Einzug in das Olympiastadion von Seoul zur Eröffnung der Olympischen Sommerspiele am 17.09.1988

Mehr als 15 Millionen Euro für DDR-Dopingopfer

Von Jörg Mebus und Hajo Seppelt

Der Prozess der direkten staatlichen Hilfe für DDR-Dopingopfer ist abgeschlossen. Mehr als 1.400 betroffene Sportlerinnen und Sportler sind entschädigt worden.

Betroffene des DDR-Staatsdopingsystems haben nach dem zweiten Dopingopfer-Hilfegesetz (DOHG) mehr als 15 Millionen Euro erhalten. Von 1.749 Anträgen auf Einmalzahlung von 10.500 Euro beschied das Bundesverwaltungsamt (BVA) 1.449 positiv.

Damit erhielten Opfer aus dem ursprünglich mit nur 10,5 Millionen Euro ausgestatteten Hilfsfonds insgesamt 15,215 Millionen Euro. 300 Anträge wurden abgelehnt, sieben dieser Beschlüsse können noch angefochten werden. Diese Zahlen bestätigte das BVA der ARD-Dopingredaktion.

Hilfsfonds wurde aufgestockt

Opfer des DDR-Staatsdopingsystems konnten bis Ende 2019 Anträge auf die Hilfszahlung stellen, in den vergangenen Tagen hat das zuständige BVA die letzten davon bearbeitet. Wegen der großen Zahl der Anträge war der Hilfsonds zwischenzeitlich von 10,5 auf 13,65 Millionen Euro aufgestockt worden.

Die verbliebene Differenz zu den nun mehr als 15 Millionen Euro wurde aus Rückflüssen im Haushaltsjahr 2020 beglichen. Im Rahmen des ersten Dopingopfer-Hilfegesetzes, das bis Ende 2007 lief und auf zwei Millionen Euro begrenzt war, hatten 194 anerkannte Dopingopfer die Zahlung von knapp 10.500 Euro erhalten. Das zweite DOHG trat am 3. Juli 2016 in Kraft.

Heftige Streitereien

Das Bundesverwaltungsamt teilte zudem mit, dass im Rahmen des zweiten DOHG nur zwei von 67 Anträgen von Geschädigten in zweiter Generation positiv beschieden worden seien. Unter anderem wegen der Frage, ob körperliche und geistige Schädigungen von Dopingopfern vererbt werden können, war es zuletzt unter Gründungsmitgliedern des Dopingopfer-Hilfevereins (DOH), auf dessen Initiative das zweite DOHG maßgeblich zurückzuführen ist, zu heftigen Streitereien gekommen. Der DOH-Vorsitzende Michael Lehner und der Heidelberger Doping-Experte Werner Franke tragen ihre Auseinandersetzung mittlerweile vor Gericht aus.

Anspruch auf Hilfszahlungen hatten nur Personen, die "erheblichen Gesundheitsschaden" erlitten hatten, weil ihnen als Hochleistungssportlern oder Hochleistungsnachwuchssportlern der DDR "ohne ihr Wissen oder gegen ihren Willen Dopingsubstanzen verabreicht worden sind". 39 Anträge lehnte das BVA wegen eines fehlenden Nachweises zum Hochleistungssport ab.

Anspruch auf Rehabilitierung

Ein drittes Dopingopfer-Hilfegesetz ist bislang nicht geplant. Zuletzt hat allerdings ein Urteil des Verwaltungsgerichts Greifswald Betroffenen des DDR-Staatsdopingsystems Hoffnung gemacht.

Demzufolge haben die Opfer auch Anspruch auf verwaltungsrechtliche Rehabilitierung. Geklagt hatte eine nach dem DOHG bereits anerkannte ehemalige Sportlerin der DDR, deren Antrag auf Leistungen nach dem verwaltungsrechtlichen Rehabilitierungsgesetz durch das Land Mecklenburg-Vorpommern zuvor abgelehnt worden war. Das verwaltungsrechtliche Rehabilitierungsgesetz ist im Gegensatz zum Dopingopfer-Hilfegesetz entfristet worden.

Das Verwaltungsgericht Greifswald hat in seiner Entscheidung festgestellt, dass auch diejenigen Dopingopfer, die bereits Leistungen nach dem Dopingopfer-Hilfegesetz erhalten haben, Entschädigung nach dem verwaltungsrechtlichen Rehabilitierungsgesetz verlangen können. Allen Dopingopfern, bereits anerkannt oder nicht, steht somit die Tür für eine Entschädigung offen, wenn sie unmittelbar und hinreichend schwer auch heute noch in ihrer Gesundheit durch die Verabreichung von Dopingmitteln geschädigt sind.

Stand: 11.01.2021, 16:00

Darstellung: