Diskussion um bevorzugte Impfungen für Athleten

DOSB-Chef Hörmann zu Impfungen: "Wir drängen uns nicht vor" Sportschau 06.01.2021 02:39 Min. Verfügbar bis 06.01.2022 Das Erste

Interview mit der Sportschau

Diskussion um bevorzugte Impfungen für Athleten

Mit dem Beginn der Impfungen gegen das Coronavirus hat eine Diskussion um die Bevorzugung von Athletinnen und Athleten eingesetzt. Während DOSB-Präsident Alfons Hörmann im Interview mit der Sportschau betont, man werde sich nicht vordrängen, kommen aus dem IOC andere Töne.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann hat sich gegen eine Bevorzugung von Athletinnen und Athleten bei der Impfung gegen das Coronavirus ausgesprochen. "Beim DOSB haben wir uns da sehr zurückgehalten mit dem ganz klaren Fazit, dass wir uns da nicht in irgendeiner Form vordrängen möchten", sagte Hörmann im Interview mit der Sportschau. Man werde die Reihenfolge akzeptieren, die seitens des Ethikrates und der Poltik vorgegeben worden sei.

Pound fordert Bevorzugung mit Blick auf Tokio

Hörmann reagierte damit auf einen Vorstoß des dienstältesten IOC-Mitglieds Richard Pound. Der 78 Jahre alte Kanadier fordert eine bevorzugte Behandlung der Athleten bei der Impfung - so könnte man einen sicheren Ablauf bei den Olympischen Spielen in Tokio gewährleisten. "In Kanada haben wir vielleicht 300 oder 400 Athleten. 300 oder 400 Personen früher als geplant zu impfen, um Kanada bei einem Event dieser Größenordnung starten zu lassen, würde jetzt keinen großen Aufschrei in der Bevölkerung auslösen", sagte Pound dem Sender "Sky News".

Es handele sich um eine Entscheidung, die jedes Land für sich treffen müsse, sagte der 78 Jahre alte Kanadier, der seit 1978 im IOC sitzt. Und es werde Leute geben, die sagen, dass sich in der Warteschlange welche vordrängeln. "Aber ich denke, das ist der realistischste Weg", meinte Pound.

Hörmann setzt auf Entspannung der Impflage

Hörmann äußerte gegenüber der Sportschau Verständnis für Pounds Forderungen. "Das ist aus Sicht des Sports und aus Sicht derer, die international in Verantwortung sind, sicher gut nachvollziehbar und durchaus verständlich", sagte Hörmann. Auch beim DOSB seien von Athletinnen und Athleten und Verantwortungsträgern "entsprechende Anträge" eingegangen. Doch beim DOSB will man sich diesen Forderungen nicht anschließen.

Hörmann ist jedoch zuversichtlich, dass es schon in den kommenden Monaten eine neue Situation in Bezug auf die Impfungen geben könnte. "Ich persönlich bin fest davon überzeugt, dass wir im März und April vielleicht schon an den Punkt kommen, an dem mehr Impfstoff vorhanden ist als Interessenten", sagte Hörmann: "Und deshalb hoffen wir sehr, dass irgendwann im Lauf des Frühjahrs - ohne da jetzt irgendeine bestimmte Frist zu definieren - dann ganz automatisch auch solche Gruppen wie beispielsweise die Athletinnen und Athleten, die regelmäßig zu Qualifikation Wettkämpfen international unterwegs sind oder die für die Olympischen und Paralympischen Spiele in Tokio nominiert werden, dran kommen."

IOC-Präsident Thomas Bach hatte die Tokio-Athleten zuvor aufgerufen, sich gegen Corona impfen zu lassen. Bach wollte eine Impfung aber nicht zu einer Voraussetzung für die Teilnahme an den um ein Jahr verschobenen Tokio-Spielen im Sommer (23. Juli bis 8. August) machen. Derweil steigen die Infektionszahlen im Gastgeberland Japan weiter stark an. Am Mittwoch (06.01.2021) wurde ein Rekordwert für die täglichen Neuinfektionen von 5.307 Fällen ermittelt.

most/sid | Stand: 06.01.2021, 19:31

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