CAS hebt Olympia-Sperren von 28 Russen auf

Doping-Skandal

CAS hebt Olympia-Sperren von 28 Russen auf

Das Internationale Olympische Komitee hat im Zusammenhang mit dem russischen Staatsdopingskandal vor dem internationalen Sportgerichtshof CAS eine schwere Niederlage erlitten.

Der CAS hob am Donnerstag (01.02.2018) die vom IOC verhängten lebenslangen Olympiasperren gegen 28 russische Sportler auf, weil es keine individuellen Verstöße gegen Anti-Doping-Regeln feststellen konnte. Auch die von den Sportlern bei den Winterspielen 2014 in Sotschi erzielten Erfolge sind damit wieder gültig.

Kein automatisches Startrecht

Matthieu Reeb

CAS-Chef Matthieu Reeb

In elf weiteren Fällen wurden Verstöße festgestellt und die Einsprüche nur teilweise bestätigt. Diese betroffenen Sportler bleiben in den Ergebnislisten von Sotschi gestrichen und die Sperren für Pyeongchang erhalten. Die lebenslangen Sperren dieser Athleten wurden aber durch den CAS ebenfalls ausgehoben. Die vom CAS vollständig entlasteten Sportler dürfen nach diesem Urteil aber nicht automatisch an den Winterspielen in Südkorea teilnehmen. Da die betreffenden Athleten keine Einladung durch das IOC erhalten haben, müssen sie ihr Startrecht einklagen. Das IOC betonte in einer ersten Stellungnahme auch, dass die CAS-Entscheidung nicht bedeute, dass diese 28 Athleten zu den Spielen eingeladen werden. Das IOC sprach von "schwerwiegenden Auswirkungen auf den künftigen Kampf gegen Doping". Man werde die Entscheidung sorgfältig analysieren und Konsequenzen prüfen, einschließlich einer Beschwerde an das Schweizer Bundesgericht.

Russland will für Start kämpfen

Die Entscheidung des CAS wurde in Russland mit Freude aufgenommen. Man werde sich jetzt für die Teilnahme der Athleten in Pyeongchang einsetzen, stehe bereits im Kontakt mit dem IOC, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Ob es gelingen werde, sei noch schwer abzuschätzen. Der Chef des Nationalen Olympischen Komitees Russland, Alexander Schukow, betonte, dass das Gericht "die Ehre der Sportler" wiederhergestellt habe. Der deutsche Sportrechtler Michael Lehner sprach von einer "weiteren Peinlichkeit für das IOC". Das Vorpreschen des Dachverbandes habe nicht funktioniert. Auch das IOC müsse sich in die Regeln einordnen, die es selber mitgeschaffen habe.

Der Anwalt von WADA-Kronzeuge Grigori Rodschenkow kritisierte dagegen das Urteil scharf. Die CAS-Entscheidung ermutige Betrüger, es für saubere Athleten schwerer zu machen und lade das korrupte russische Doping-System und Putin zu weiteren unrechtmäßigen Siegen ein.

DOSB - Schlag ins Gesicht

Alfons Hörmann

DOSB-Präsident Alfons Hörmann

DOSB-Chef Alfons Hörmann hat das CAS-Urteil in der Russland-Causa als "Schlag ins Gesicht des sauberen Sports" kritisiert. Es zeige "erneut, wie schwierig es ist, harte und verdiente Sanktionen im Anti-Doping-Kampf vor Gericht durchzusetzen". Dies sei "eine wirklich schlechte Nachricht für den Weltsport".

43 Sperren - 42 Widersprüche

Die sogenannte Oswald-Kommission hatte die Sportler wegen Verstrickung in den Dopingskandal bei den Winterspielen 2014 in Sotschi lebenslang von allen Funktionen bei Olympischen Spielen ausgeschlossen. Insgesamt sperrte das IOC 43 aktive oder ehemalige Sportler, 42 von ihnen legten beim CAS Widerspruch ein, nur Bobfahrer Maxim Belugin verzichtete. Zunächst wurden nur 39 Fälle behandelt, die der Biathletinnen Jana Romanowa, Olga Wiluchina und Olga Saizewa wurden vertagt. Zum jeweils dreiköpfigen Richterpanel gehörten auch der Augsburger Rechtswissenschaftler Christoph Vedder und der Münchner Anwalt Dirk-Reiner Martens. Auch WADA-Sonderermittler Richard McLaren und Kronzeuge Grigori Rodschenkow hatten ausgesagt. Das IOC hatte insgesamt 43 russische Sportler lebenslang für Olympische Spiele gesperrt. Nur der Bobfahrer Maxim Belugin, der in Sotschi Vierter geworden war, legte keine Berufung ein.

Das sind die 39 russischen Sportler, über die der CAS am Donnerstag entschieden hat:

SportartName
BobAlexander Subkow
Dimitri Trunenkow (Sperre aufgehoben)
Alexander Negodailo (Sperre aufgehoben)
Alexander Kasjanow
Alexej Puschkarew
Olga Stulnewa (Sperre aufgehoben)
Ilwir Chusin
Aexei Wojewoda
Ludmila Udobkina (Sperre aufgehoben)
SkeletonAlexander Tretjakow (Sperre aufgehoben)
Sergei Tschudinow (Sperre aufgehoben)
Jelena Nikitina (Sperre aufgehoben)
Maria Orlowa (Sperre aufgehoben)
Olga Potilizina (Sperre aufgehoben)
SkilanglaufAlexander Legkow (Sperre aufgehoben)
Maxim Wylegschanin (Sperre aufgehoben)
Alexander Bessmertnich (Sperre aufgehoben)
Nikita Krjukow (Sperre aufgehoben)
Jewgeni Below (Sperre aufgehoben)
Alexej Petjukow (Sperre aufgehoben)
Julia Tschekalewa
Julia Iwanowa
Jewgenija Schapowalowa (Sperre aufgehoben)
Natalja Matwejewa (Sperre aufgehoben)
Alexei Petjukow (Sperre aufgehoben)
EisschnelllaufOlga Fatkulina (Sperre aufgehoben)
Alexander Rumjanzew (Sperre aufgehoben)
Iwan Skobrew (Sperre aufgehoben)
Artem Kusnetsow (Sperre aufgehoben)
EishockeyJekaterina Lebedjewa (Sperre aufgehoben)
Galina Skiba
Anna Schibanowa
Jekaterina Smolentsewa (Sperre aufgehoben)
Jekaterina Paschkewitsch (Sperre aufgehoben)
Inna Djubanok
Tatjana Burina (Sperre aufgehoben)
Anna Schukina (Sperre aufgehoben)
RodelnAlbert Demtschenko (Sperre aufgehoben)
Tatjana Iwanowa (Sperre aufgehoben)

dpa/sid | Stand: 01.02.2018, 11:08

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