Biontech und das IOC - doppelt unmoralisches Angebot

DOSB-Präsident Thomas Bach

Kommentar zur Impfspende

Biontech und das IOC - doppelt unmoralisches Angebot

Von Michael Ostermann

Die Austragung der Olympischen Spiele in Tokio scheint gesichert. Möglich macht das eine Impfstoffspende von Biontech/Pfizer. Abgesichert wird ein Milliarden-Geschäft der Unterhaltungsbranche Sport. Das ist grotesk. Ein Kommentar.

IOC-Präsident Thomas Bach dürfte einen Stoßseufzer der Erleichterung von sich gegeben haben. Das unverhoffte Angebot sichert ihm wohl seine Olympischen Spiele in Tokio, gegen die es in Japan wegen der Pandemie zuletzt großen Widerstand gegeben hatte. 

Die Angst, dass die vielen Olympia-Teilnehmer - Athletinnen, Athleten und ihre Begleitpersonen - Mutanten des Virus mitbringen könnten, ist groß in der japanischen Bevölkerung. Verschiedene Umfragen ergaben zuletzt, dass 70 bis 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger gegen eine Austragung der Spiele in diesem Jahr sind.

Doch jetzt können die Herrscher des Weltsports ihnen einen Teil dieser Sorge nehmen: Die Olympiateilnehmenden werden zu großen Teilen geimpft anreisen, sie sind dann nicht mehr ansteckend. Möglich macht das eine Spende des deutschen Unternehmens Biontech und dessen US-Partners Pfizer. Sie stellen dem IOC und den nationalen Olympiaverbänden den nötigen Impfstoff umsonst zur Verfügung.

Das ist ein doppelt unmoralisches Angebot. Das IOC nimmt Milliarden ein mit der Vermarktung der Spiele. Dass es den Impfstoff nun als Spende erhält, um dieses Geschäft abzusichern, ist grotesk. 

Weltweite Impfstoffverteilung

Die ungerechte Verteilung des Impfstoffs trennt Arm und Reich voneinander. Denn in ärmeren Ländern ist der Impfstoff knapp, während sich die reichen Industrienationen große Teile der bisherigen Produktion gesichert haben. Laut den Vereinten Nationen ist in den reichen Ländern im Schnitt bereits jeder fünfte Mensch gegen Covid-19 geimpft, in den ärmeren Ländern ist es dagegen erst jeder 500.. In Ländern, in denen die Gesundheitssysteme schnell kollabieren.

Und auch wenn ein paar Tausend Impfdosen für Olympia dabei nicht ins Gewicht fallen - das Signal ist verheerend. Gerettet wird ein Event der Unterhaltungsindustrie Sport, während etwa in Indien die Pandemie gerade katastrophal wütet. Spenden wären hier sinnvoller eingesetzt.

Organisationen wie "Ärzte ohne Grenzen" und "Amnesty International" fordern deshalb eine Aufhebung des Patentschutzes für die Corona-Impfstoffe. Auch US-Präsident Joe Biden hat sich dafür ausgesprochen. Dies, so die Hoffnung, könnte die Impfrate weltweit erhöhen und das Ende der globalen Pandemie damit näher rücken. 

Den Pharmaunternehmen ginge durch die Aufhebung des Patentschutzes viel Geld durch die Lappen. Biontech und Pfizer sollten darauf freiwillig verzichten und ihre Patente freigeben. Dann können sie auch guten Gewissens ein anderes Milliarden-Business mit Impfdosen retten. 

Und das IOC? Könnte dann einen Teil seiner Milliardengewinne dafür einsetzen, um die globale Verteilung der Impfstoffe gerechter zu gestalten. Dann würde die olympische Bewegung tatsächlich einmal ihren eigenen Sonntagsreden vom völkervereinenden Sport gerecht. Und die Spiele von Tokio wären tatsächlich das Licht der Hoffnung, von dem IOC-Präsident Bach seit Monaten ständig schwadroniert.

Im Schattenreich der Ringe - das IOC und die Menschenrechte Sportschau 02.05.2021 33:38 Min. Verfügbar bis 02.05.2022 Das Erste

Stand: 06.05.2021, 16:23

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