Das war Pyeongchang von A bis Z

Das war Pyeongchang von A bis Z

Affen, Frischlinge, Legenden, Zuschauer - der Rückblick auf die 23. Olympischen Winterspiele in Pyeongchang von Sportschau.de von A bis Z.

Franziska Preuß ist enttäuscht

A wie "Auch ein Affe fällt mal vom Baum". Sprichwort, dass wahlweise Japan, China oder Korea zugeschrieben wird. Heißt ungefähr soviel wie "Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen." Oder freier übersetzt: "Weiter, immer weiter." Pechvögel gab's reichlich bei den Spielen - international, aber auch im deutschen Team. Die Medaillenkandidaten Tatjana Hüfner und Felix Loch verpassten das Podest nach Fahrfehlern (siehe auch "K wie Kurve neun"), andere erlebten ein schmerzhaftes Déjà-vu. Biathletin Franziska Preuß, die schon in Sotschi 2014 so ihre Probleme beim Staffel-Schießen hatte, erwischte wieder einen Tag zum Vergessen. Erst lud sie nach, obwohl sie alle Scheiben abgeräumt hatte. Dann musste sie in die Strafrunde. Ein gebrauchter Tag für sie und keine Medaille fürs Team.

A wie "Auch ein Affe fällt mal vom Baum". Sprichwort, dass wahlweise Japan, China oder Korea zugeschrieben wird. Heißt ungefähr soviel wie "Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen." Oder freier übersetzt: "Weiter, immer weiter." Pechvögel gab's reichlich bei den Spielen - international, aber auch im deutschen Team. Die Medaillenkandidaten Tatjana Hüfner und Felix Loch verpassten das Podest nach Fahrfehlern (siehe auch "K wie Kurve neun"), andere erlebten ein schmerzhaftes Déjà-vu. Biathletin Franziska Preuß, die schon in Sotschi 2014 so ihre Probleme beim Staffel-Schießen hatte, erwischte wieder einen Tag zum Vergessen. Erst lud sie nach, obwohl sie alle Scheiben abgeräumt hatte. Dann musste sie in die Strafrunde. Ein gebrauchter Tag für sie und keine Medaille fürs Team.

B wie Bob-Debakel abgehakt. Und Bob-Geschichte. Nach den medaillenlosen Spielen von Sotschi feierten die deutschen Bobs eine Wiederauferstehung und räumten im Eiskanal alle Goldmedaillen ab. Francesco Friedrich war im kleinen und großen Schlitten in der Goldspur. Mariama Jamanka und Lisa Buckwitz triumphierten bei den Frauen. Erst das zweite Mal entschied ein Land bei Winterspielen alle drei Bob-Wettbewerbe für sich. Zuletzt war dies Andre Lange und Sandra Kiriasis bei den Winterspielen 2006 in Turin geglückt. Ein nicht unwesentlicher Fakt, der am Schlusstag der Spiele fast unterging: Nico Walters Anschieber Kevin Kuske, einst im Bob von Lange, avancierte mit vier Gold- und zwei Silbermedaillen zum erfolgreichsten Bob-Sportler der Olympia-Geschichte.

C wie Curling. Vier Jahre lang in der Nische, bei Olympischen Winterspielen dann immer der Hingucker - das ist Curling. In Südkorea allgegenwärtig, rund um die Uhr im TV omnipräsent. Die südkoreanischen "Garlic Girls" schafften es bis ins Finale, verloren dann zwar gegen Schweden, wischten sich aber in die Herzen der Fans. Kanada gewann Gold im erstmals ausgetragenen Mixed-Wettbewerb. Ein schwacher Trost für das so stolze Land: Denn in den prestigeträchtigeren Frauen- und Männerentscheidungen verpassten die erfolgsverwöhnten Curler mit dem Ahornblatt auf der Brust Medaillen.

D wie Doping. Das Thema beherrschte vor den Winterspielen die Schlagzeilen. Und blieb auch während der 16 Olympiatage präsent. Der russische Curler Alexander Kruschelnizki (Herzmittel Meldonium), der japanische Shorttracker Kei Saito (Diuretikum) und der slowenische Eishockeyspieler Ziga Jeglic (Asthma-Mittel) wurden überführt, zu ihnen gesellte sich sich noch die russische Bobpilotin Nadeschda Sergejewa, bei der die verbotene Substanz Trimetazidin gefunden wurde. Ob ein Rattenschwanz nach den Spielen folgt, bleibt abzuwarten. Befürchten muss man es. Doping bleibt uns wohl erhalten.

E wie Eishockey-Märchen. Oder Ehrhoff. Die deutschen Kufencracks hatten die Mission Gold ausgerufen. Anfangs eher belächelt, dann wurden Weltmeister Schweden und Rekord-Olympiasieger Kanada rausgekegelt. Zur Gold-Krönung im Eishockey-Finale gegen die Olympischen Athleten aus Russland fehlten nur 56 Sekunden, am Ende entschied der "Sudden Death" für die Russen. Fest steht aber: Deutschland hat Silber und viele Herzen der Fans gewonnen. Und Abwehrhüne Christian Ehrhoff führt als Fahnenträger Team Deutschland bei der Abschlussfeier an.

F wie Frischlinge. Fünf Nationen feierten ihr Olympiadebüt und waren zum ersten Mal mit Sportlern bei den Winterspielen vertreten. Dass Langläufer Klaus Jungbluth Rodriguez (Ecuador), die Alpinskifahrer Shannon-Ogbani Abeda (Eritrea), Albin Tahiri (Kosovo) und Jeffrey Webb (Malaysia), Eiskunstläufer Julian Zhi Jie Yee (Malaysia), die nigerianischen Bob- und Skeletonfahrer Simidela Adeagbo, Moriam Seun Adigun und Akuoma Omeoga und Shorttracker Cheyenne Goh (Singapur) keine Chancen auf Medaillen haben, war schon vor den Wettkämpfen klar. Aber darum geht es ja nicht. Nirgends wird das "Dabei sein ist alles" so schön zelebriert wie bei Olympischen Spielen.

G wie Gold. Oder Gim. Oder Kim. Mehr als 20 Prozent aller Südkoreaner tragen den Familiennamen Kim. "Gold" bedeutet dieser übersetzt. 32 Mal kam er im 123-köpfigen Team des Gastgebers vor, weitere fünf Mal im gemeinsamen Frauen-Eishockeyteam aus Nord- und Südkorea. Aber Nomen est omen? Nur einmal gab's Gold für die Kims im südkoreanischen Team - und zwar für Alang und Yejin in der 3.000-Meter-Shorttrack-Staffel der Frauen. Weitere Goldmedaillengewinner des Gastgeberlands: die Shorttracker Hyoyun Lim ("Wald") und Minjeong Choi ("Imposant"), Skeletoni Sungbin Yun ("Präfekt") und Eisschnellläufer Seung-Hoon Lee ("Pflaume").

H wie Hype. Oder Hanyu. Sportler und ihre Fans - mitunter eine eigenwillige Beziehung. Die treuesten hat wohl der japanische Eiskunstläufer Yuzuru Hanyu. Schon zur Begrüßung verwandelte sich die Gangneun Ice Arena in eine Bärenhöhle: Unzählige Winnie-Puuh-Teddys flogen aufs Eis, seit Jahren die ultimative Liebesbekundung für Hanyu von seinen überwiegend weiblichen und noch überwiegender mit Zahnspangen versehenen Fans. Hanyu holte Gold, womit man nicht unbedingt rechnen konnte. Eine Bänderverletzung im Knöchel vor den Spielen hatte ganz Japan in Atem gehalten. Doch Hanyu konnte starten, gewann souverän - und wieder flogen die Bären.

I wie "In aller Freundschaft". Mehr als 40 Millionen Zuschauer sahen die Olympia-Übertragungen im Ersten an den zehn ARD-Sendetagen, 25 Millionen Besucher nutzten das Olympia-Angebot von Sportschau.de. Produziert wurden die Winterspiele in Pyeongchang erstmals zu weiten Teilen in Leipzig - in der "Sachsenklinik" der MediaCity, wo sonst die ARD-Krankenhausserie "In aller Freundschaft" produziert wird. ARD und ZDF richteten dort für die 16 Olympiatage ihr National Broadcast Center (NBC) ein - um Synergien zu nutzen und mit reduzierten Kosten zu produzieren. "Das ist das Modell der Zukunft", bilanziert Wolf-Dieter Jacobi, Programmdirektor des federführenden MDR, nach den erfolgreichen Olympiatagen. Jetzt ziehen die Sportreporter, Redakteure und Techniker wieder ab - und die Halbgötter in Weiß kehren zurück in ihr gewohntes Areal.

J wie Jamaika. Oder Jamanka. Der Zweierbobwettbewerb der Frauen - ein Fest für Wortspielakrobaten. Erst dominierten Schlagzeilen über das Team Jamaika die Nachrichten. 30 Jahre nach dem Olympiadebüt der Männer schickte die Karibikinsel erstmals Frauen im Bob in den Eiskanal. Die sorgten im Vorfeld für Schlagzeilen, weil sie sich von ihrer deutschen Trainerin Sandra Kiriasis trennten, eine Schlammschlacht, wem der Bob gehört, folgte publikumswirksam über die Medien. Am Ende durfte Jamaikas Bob mitfahren - und landete abgeschlagen auf dem 19. und damit vorletzten Platz. Der Olympiasieg ging nach Deutschland - an Mariama Jamanka und Lisa-Marie Buckwitz. Und die Wortspielakrobaten freuten sich frei nach "Cool Runnings": "Berlin hat 'ne Bobmannschaft".

K wie Kurve neun. "Jetzt kommt es zum Showdown. Felix Loch ... da unten zittern sie ... noch einmal so sauber runterkommen wie in den drei Läufen zuvor ... oh, jetzt muss er aufpassen, da stand er quer, aber sowas von quer ... nein, nein, keine Medaille! Entsetzen in den Gesichtern!" Nicht nur ARD-Rodel-Kommentator Peter Grube litt ein ums andere Mal am olympischen Eiskanal. Die eigentlich so einfache Bahn in Pyeongchang besaß eine Gemeinheit - und die hieß Kurve neun. Zahlreiche Favoriten strauchelten an dieser heiklen Stelle - was die Fans allerdings freute: Denn im Bob und Rodeln war so immer Spannung garantiert, und es gab einige Medaillengewinner, die vor den Spielen niemand so recht auf dem Zettel hatte.

L wie Ledecká. Oder Legende. Der Tschechin Ester Ledecká glückte in Pyeongchang Historisches. Als erste Athletin der Olympia-Geschichte gewann sie Gold in zwei verschiedenen Sportarten an. Diese glückte zuvor nur zwei Männern, den Norwegern Thorleif Haug (1924) und Johann Gröttumsbraten (1928), jeweils im Langlauf un in der Nordischen Kombination. Die Russin Anfissa Reszow siegte im Langlauf und im Biathlon, allerdings bei verschiedenen Spielen (1988 und 1994). Sekundenlang starrte Ledecká nach dem Super-G im Zielraum auf die Anzeigetafel, sie glaubte an einen Fehler bei der Zeitmessung. Die Goldmedaille im Parallelslalom im Snowboard war dagegen fest eingeplant. Olympia-Legende mit 22 Jahren - und auch ihre Auftritte auf der anschließenden Pressekonferenzen waren legendär. Mit Skibrille saß sie da: "Ich habe kein Make-up drauf. Ich habe mich nicht wie andere Mädchen auf eine Siegerehrung vorbereitet."

M wie Maskottchen. "Es wäre echt bitter gewesen, wenn ich nur mit zwei Tigern nach Hause gekommen wäre", antwortete Kombinierer Eric Frenzel auf die Frage, ob ihm die dritte Medaille oder das dritte Olympiamaskottchen wichtiger war. Frenzel hat drei Kinder. Jedes bekommt nun einen "Soohorang", so der Name des weißen Tiger-Maskottchens, das alle Athleten bei der sogenannten Flowerzeremonie in die Hände gedrückt bekamen. Gunilla Lindberg von der IOC-Koordinierungskommission für Pyeongchang erklärte, Soohorang symbolisiere auch die enge Verbindung zwischen den Winterspielen und der Umwelt. Es wäre zu schön, wenn wirklich ein Plüschtier zur Nachhaltigkeit beitragen würde.

N wie Norwegen. Langlauf-Königin Marit Björgen ist nach dem Sieg im abschließenden Massenstartrennen nicht nur die erfolgreichste Winter-Olympionikin aller Zeiten. Sie bescherte Norwegen dadurch auch den Sieg im Medaillenspiegel. Mit 14 Gold-, 14 Silber- und 11 Bronzemedaillen verdrängte Norwegen Team Deutschland (14 Gold, 10 Silber, 11 Bronze) auf den zweiten Platz. Erfolgsgaranten der Norweger waren die Langläufer, die sieben Goldmedaillen einheimsten. Mit drei Goldläufen war Johannes Klaebo der Superstar.

O wie Organisationstalent. Gegen arktische Temperaturen und den heftigen Wind zu Beginn (siehe auch "W wie Wetterchaos. Oder Wind.") war Gastgeber Südkorea machtlos. Auch an der teilweise fehlenden Stimmung und den oft leeren Zuschauerrängen (siehe auch "Z wie Zuschauer. Fehlende.") konnten die Veranstalter um Organisationschef Lee Hee Beom wenig ändern. Ansonsten präsentierte sich Südkorea 30 Jahre nach den Sommerspielen von Seoul und 16 Jahre nach der Fußball-WM in Sachen Organisation aber meisterlich und fehlerfrei - ob beim Transposrt, den Unterkünften oder der Verpflegung. Was am Ende auch von den zunächst skeptischen Sportlern positiv bewertet wurde. "Es war eine rundum tolle Veranstaltung vom ersten bis zum letzten Tag. Großer Dank an die Südkoreaner, sie haben uns sehr schöne Spiele beschert", sagte Kombi-Olympiasieger Eric Frenzel. Und wie er denken viele.

P wie Peking 2022. Oder Pechstein. Oder Prinz Hubertus. Eisschnellläuferin Claudia Pechstein feierte in Pyeongchang ihren 46. Geburtstag. Die angepeilte Goldmedaille, mit der sie zur ältesten Olympiasisiegerin der Geschichte avanciert wäre, verpasste sie deutlich. "Ich gebe mein Karriereende bekannt", scherzte sie in einer Presserunde und schob nach: "In vier Jahren." Pechstein mit 50 noch einmal zu Olympia? Sie wäre in bester Gesellschaft. Auch Noriaki Kasai, Skisprung-Legende aus Japan, will in vier Jahren noch einmal antreten. 49 wäre er dann. Auf den Titel des ältesten Olympiateilnehmers hätten allerdings beide keine Chance. Denn noch ein Wintersport-Methusalem denkt über einen Peking-Start nach: Prinz Hubertus von Hohenlohe, in Pyeongchang nicht am Start. Er wäre in Peking 63.

Q wie Quidditch. Seit dem Abschlusswochenende redaktionsinterner Kosename für die olympischen Massenstartrennen der Eisschnellläufer. Es gibt Punkte für Zwischensprints - die am Ende aber doch nicht weiterhelfen. Weil das Punktesystem so ausgelegt ist, dass die ersten Drei, die über die Ziellinie laufen, ohnehin soviele Punkte sammeln, dass ihnen Gold, Silber und Bronze nicht zu nehmen ist. Fast wie beim Quidditch eben. Egal, wieviele Tore man mit dem "Quaffel" erzielt. Am Ende ist's doch der "goldene Schnatz", der meistens alles entscheidet. Seltsame Muggel-Sportarten.

R wie Rekordhalter. Marit Björgen hat es geschafft. Die 37-Jährige ist in Pyeongchang auf den Thron der erfolgreichsten Winter-Olympionikin aller Zeiten gestürmt. Acht Mal Gold, vier Mal Silber, drei Mal Bronze stehen in ihrer Vita. Damit löste Björgen ihren Landsmann Ole Einar Björndalen (acht Gold/vier Silber/einmal Bronze) als Rekordhalter ab. Der war zwar in Pyeongchang, konnte seine Medaillensammlung aber nicht erweitern - weil ihm diesmal nur die Betreuerrolle blieb. In der konnte er aber auch einen Rekord feiern: Ehefrau Darja Domratschewa erweiterte ihre Olympiamedaillen-Sammlung um ein Mal Gold und ein Mal Silber und ist nun die erfolgreichste Biathletin der Olympia-Geschichte. Ein goldiges Pärchen.

S wie Stürze. Oder Schmerzen. Wenn das Zuschauen weh tut ... In der Halfpipe, beim Big Air, Slopestyle und auf der Skicross-Strecke waren Stürze, Schmerzen und schwere Verletzungen leider keine Seltenheit. Mit Verwunderung reagierten viele Athleten auf die Ansetzungen einzelner Wettbewerbe. Während Alpinrennen zu Beginn munter verschoben wurden (siehe auch "W wie Wetterchaos. Oder Wind."), mussten die Funsportler immer ran - egal, wie heftig der Wind durch die Venues fegte. Negativer Höhepunkt: Im Slopestyle-Wettkampf der Snowboarderinnen kamen nur neun von 50 Boarderinnen sturz- oder fehlerfrei durch. Dass es so wenige schwere Verletzungen gab (siehe auch "V wie Verletzungen."), grenzt an ein Wunder.

T wie Tag und Nacht. Das Internationale Olympische Komitee will neue Märkte erschließen. Winterspiele an exotischen Orten wie Pyeongchang sind Teil dieser Strategie. Ärgerlich nur, dass die Wettkämpfe dann aber für den internationalen Fernsehmarkt - und da natürlich vor allem in Europa - zu eher ungünstigen TV-Zeiten laufen. Erstmals wurden bei Winterspielen deshalb Topsportarten wie Biathlon oder Skispringen auf unkonventionelle Zeiten verschoben - auf den Abend oder sogar in die Nacht. Toll, für die Fernsehzuschauer, weniger gut für die Fans vor Ort. Vor allem bei den Skispringern waren das Stadion nur selten gut gefüllt. Ob das IOC in vier Jahren in Peking erneut einen TV-kompatiblen Zeitplan entwirft oder doch wieder "klassisch" denkt?

U wie Überflieger. Natürlich erwarten Fans und Verantwortliche bei Winterspielen Medaillen vor allem von den Topstars ihrer Sportarten. Die starten in die Winterspiele immer mit gehörig Druck. Bleiben Medaillen aus, melden sich schnell die Kritiker zu Wort. Doch in Pyeongchang lieferten Laura Dahlmeier (Biathlon), Andreas Wellinger (Skispringen), Eric Frenzel (Nordische Kombi), Francesco Friedrich (Bob), Rodlerin Natalie Geisenberger und die Doppelsitzer Tobias Wendl/Tobias Arlt zuverlässig von Beginn an. Zusammen gewannen sie 14 der 31 deutschen Medaillen.

V wie Verletzungen. Gab es reichlich. Leider. Vor allem wegen "W wie Wetterchaos. Oder Wind." In der Halfpipe erwischte es den erst 16-jährigen Japaner Yuto Totsuka, für die Münchner Slopestylerin Silvia Mittermüller waren die Spiele nach einem Trainingssturz schon vor dem Wettkampf vorbei. Reihenweise schwere Verletzungen gab es bei den Ski- und Snowboardcrossern, die schlimmste beim Österreicher Markus Schairer, der sich nach einem Sprung den fünften Halswirbel brach - und zum Glück ohne bleibende Schäden davon kam. "Es gehört dazu, leider Gottes", kommentierte der deutsche Skicrosser Paul Eckert lapidar die teilweise schlimmen Stürze und Verletzungen.

W wie Wetterchaos. Oder Wind. Selten wurde der Zeitplan Olympischer Winterspiele gleich an den ersten Tagen so durcheinandergewirbelt wie in Pyeongchang. Die Alpinskifahrer mussten - und durften - erst einmal warten, die Wettbewerbe bei den Freestylern und Snowboardern wurden trotz zweifelhafter Wind- und Wetterbedingungen mit Gewalt durchgezogen (siehe auch "S wie Stürze. Oder Schmerzen".) Hätte man das vorhersehen können bei der Vergabe der Spiele, dass Wind zum Problem werden könnte? Oder dachten die IOC-Entscheider, dass man Windräder einfach nur aus optischen Gründen in die olympische Berglandschaft baut?

X = wie Sotschi plus X. Die Winterspiele von Sotschi mit nur 19 Medaillen hatten Spuren hinterlassen beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). So richtig weit wollte sich niemand aus dem Fenster lehnen in Sachen Medaillenvorgabe. Für Pyeongchang gab der DOSB die vorsichtige Zielvorgabe "19 Medaillen plus X". Mit insgesamt 31 Medaillen übertrumpfte Team Deutschland diese Vorgabe locker - und sorgte sogar für einen neuen Rekord. 14 Mal Gold - so viele Olympiasiege gab's zuvor noch nie für eine deutsche Mannschaft bei Winterspielen.

Y wie Yin und Yang. Ist in Südkorea sogar in der Nationalflagge vertreten. "Eum und Yang" heißt das rot-blaue Symbol in der Mitte dort, dass für Gegensätze wie Tag und Nacht, dunkel und hell, maskulin und feminin steht - die sich doch aufeinander beziehen. Wie die beiden Koreas während der Spiele. Nord- und Südkorea gemeinsam auf dem Eis beim Frauen-Eishockey, insgesamt 22 Athleten aus dem Norden, nordkoreanische Cheerleader als Stimmungsmacher bei jedem Event - und bei der Eröffnungsfeier der historische Handschlag zwischen Kim Yo Jong, der Schwester von Diktator Kim Jong Un, und Südkoreas Präsident Moon Jae In. Ob Olympia dauerhaft zur Verständigung zwischen Nord- und Südkorea beiträgt? Bei der Schlussfeier gab es einen Hoffnungsschimmer: Die angereiste nordkoreanische Delegation erklärte, das Land sei offen für Gespräche mit den USA und Südkorea.

Z wie Zuschauer. Fehlende. "Hier sind keine Zuschauer an der Strecke, alle 500 Meter steht mal ein Trainer", monierte Doppel-Olympiasieger Johannes Rydzek. Obwohl angeblich die meisten Tickets verkauft und die Spiele bestens organisiert (siehe auch "O wie Organisationstalent.") waren, blieben Zuschauerplätze an den Strecken und in den Stadien leer. Bei den Outdoor-Events durchaus noch erklärbar durch die späten Wettkampfzeiten und Temperaturen im Dauerminusbereich von bis zu zehn Grad, bei den Arena-Veranstaltungen jedoch unverständlich. Lediglich, wenn südkoreanische Sportler um Medaillen kämpften, waren die Plätze gefüllt - und die Fans zeigten sich von ihrer besten (=lautstarken und feierfreudigen) Seite.

Stand: 25.02.2018, 12:39 Uhr

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