Das bleibt von den Olympischen Spielen

Fazit zu den Winterspielen in Pyeongchang

Das bleibt von den Olympischen Spielen

Von Raphael Honndorf (Pyeongchang)

Die Olympischen Winterspiele in Südkorea waren für das Internationale Olympische Komitee (IOC) wieder ein Event der Superlative. Aus sportlicher Sicht gab es jede Menge Highlights und Millimeter-Entscheidungen, aber auch große Dramen. Dinge, die sich gut verkaufen und die Wettkämpfe zum Strahlen bringen. Doch was bleibt noch von Olympia in Pyeongchang?

Hochglanzbilder, die in Erinnerung bleiben: Die Tränen von Aljona Savchenko und Bruno Massot, die ungläubige Ester Ledecká nach ihrem Sieg im Super-G, die Fußspitzen von Simon Schempp und Martin Fourcade im Biathlon-Stadion und die farbenfrohen Hosen der norwegischen Curler.

Highspeed-Kameras hielten jede noch so kleine Emotion fest, neue Kameratechniken ermöglichten einen Rundum-Blick auf das Geschehen. Von offizieller Seite also eine perfekte Inszenierung. Kein Wunder, dass IOC-Chef Thomas Bach bereits in seiner Halbzeitbilanz die Worte "mehr als zufriedenstellend" und "exzellent" wählte.

Aber natürlich waren nicht alle Wettkämpfe spannend, Sportler liefen an leeren Tribünen vorbei oder stürzten und verletzten sich auf gefährlichen Pisten. Zudem verlangte das Wetter manchmmal Geduld und Widerstandskraft - die Kälte und der Wind machten Athleten und Zuschauern richtig zu schaffen. "Hier sind keine Zuschauer an der Strecke, alle 500 Meter steht mal ein Trainer", sagte Kombinierer Johannes Rydzek.

DOSB spricht von "einzigartigen Erfolgen"

Der DOSB war mit den Spielen dennoch überaus zufrieden. Das Ziel "Sotschi plus x" wurde deutlich übertroffen. "Nach dem Ausrutscher von Sotschi zählen wir wieder zu den führenden Wintersportnationen", erklärte der Chef de Mission, Dirk Schimmelpfennig. Aber auch bei den Platzierungen unter den besten Acht hat das "Team D" deutlich zugelegt.

Schimmelpfennig hofft nun auf eine "Trendwende nach den zuletzt immer schlechter werdenden Ergebnissen seit 2002". DOSB-Präsident Alfons Hörmann sprach mit Blick auf die Dominanz der Nordischen Kombinierer, dem Eiskunstlauf-Gold durch Savchenko/Massot und der Sensation durch das Eishockeyteam von "einzigartigen Erfolgen".

Aber: Die Langläufer blieben wie die Alpinen und die Eisschnellläufer ohne Medaille. In den jungen Sportarten war die Ausbeute ebenso überschaubar, auch wenn es im Snowboard-Parallel-Riesenslalom noch Silber und Bronze gab. "Wir müssen den Winter-Leistungssport weiter entwickeln und die Grundlagen für den Nachwuchs verbessern", so Schimmelpfennig. Es brauche Bedingungen,  um Leistungssport "mit Blick auf die Weltspitze zu betreiben." Und dabei sprach er ausdrücklich von allen Sportarten.

Was passiert nach den Spielen?

Diese Spiele waren auch politische. Am Beginn stand die politische Annäherung zwischen Nord- und Südkorea. Hier hofft Hörmann auf weitere positive Signale: "Wir werden verfolgen, ob das ein einmaliger Höhepunkt war."

Einen Schlussstrich unter die russische Staatsdopingaffäre konnte das IOC in Pyeongchang indes nicht ziehen. Weil während der Spiele zwei "Olympische Athleten aus Russland" positiv getestet worden waren, ließ das IOC keine russische Fahne bei der Schlussfeier zu.

Und was passiert in Sachen Nachhaltigkeit? Welche Zukunft hat Pyeongchang, dieser Ort im zuvor unzugänglichen Osten von Südkorea? Wird Olympia wirklich ein Entwicklungsfaktor? Die Hoffnungen sind da, aber die Aussichten gering.

Paralympische Spiele als nächster Test

Es wird befürchtet, dass die Spiele vor allem Schulden hinterlassen. Das rund 78 Millionen Dollar teure Olympiastadion wird insgesamt viermal genutzt und nach den Paralympischen Spielen zurückgebaut. Für die anderen Wettkampfstätten prognostizieren Forscher jährliche Kosten in Höhe von etwa 8,5 Millionen Dollar. Geld, das die strukturarme Region eigentlich nicht hat. "Die Regierung hat die Verantwortung dort zu helfen", sagt Kim Yong Chul, ein Beamter aus der Gastgeberregion Gangwong. Selbst das IOC hatte vor "Weißen Elefanten" gewarnt.

Langlauf-Stadion Pyeongchang

Wie geht es weiter mit dem Langlaufstadion?

Sechs Wettkampfstätten wurden für die Winterspiele neu hochgezogen, sechs weitere renoviert. "Drei Anlagen haben keinen Nachnutzungsplan", sagte Nancy Park, Sprecherin des Organisationskomitees POCOG. Konkret geht es um das Eisschnelllauf-Oval, die Eishockeyhalle im Olympiapark und das Alpin-Zentrum in Jeongseon.

Pro Stunde zehn Millionen Dollar

Südkorea hatte wie viel vorherige Austragungsorte mit höheren Kosten zu kämpfen. Statt der anvisierten acht Milliarden Dollar stiegen die Ausgaben auf 12,9 Milliarden Dollar - jede Stunde des Spektakels kostete somit rund zehn Millionen Dollar. Eine Studie von 2016 zeigt, dass seit 1960 die geplanten Kosten im Schnitt um 156 Prozent überstiegen wurden. In Sotschi vor vier Jahren kannte der Gigantismus gar keine Grenzen: Am Ende standen 50,8 Milliarden Dollar auf der Rechnung.

"Wir werden die Ausgaben nie rechtfertigen können. Die Kosten, die die Region tragen muss, sind deutlich größer als der Schub, den sie durch den Tourismus bekommt", sagt der koreanische Wirtschaftsforscher Yoon Sang-ho. Dabei sollte aus Pyeongchang ein asiatisches Premium-Ski-Gebiet werden.

Wer kommt nach Pyeongchang?

Die Wahrscheinlichkeit, dass Touristen aus Europa oder Nordamerika nach Pyeongchang reisen, ist aber mehr als gering. Und nur mit einheimischen Skifahrern wird der Tourismus in der Olympiaregion nicht überleben, befürchten die Forscher. Der neue Hochgeschwindigkeitszug, der die Menschen von der Hauptstadt Seoul in den Osten transportiert, kann diese ebenso schnell wieder zurückbringen.

Geringe Begeisterung in Gangneung

Die Bevölkerung interessiert sich nicht für Olympia. auch wenn es allgegenwärtig ist.

Somit bliebe kaum Geld in der Region. Die vielen privaten Investitionen in die bestehenden Hotelanlagen würden verpuffen. Also soll zahlungskräftiges Klientel aus Südostasien und dem Mittleren Osten kommen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten.

Die Paralympischen Spiele werden der nächste große Test

Ein wirkliches Fazit lässt sich also noch nicht ziehen. Aus sportlicher Sicht waren es gute Spiele. Ob es aber wirklich erfolgreiche Spiele waren, wird die Zeit zeigen. Viele Blicke sind ohnehin schon auf die kommenden Sommerspiele in Tokio gerichtet. Auch dort sind Kostenexplosion und andere Probleme bereits weit vor der Austragung ein Thema.

Doch zunächst stehen die Paralympischen Spiele auf dem Programm. Hier kommt auf Südkorea ein weiterer Test zu. Das Land hat bereits gezeigt, dass es nicht unbedingt zu den Wintersport-Nationen zählt. Behindertensport ist ebenfalls nicht präsent. Wie wird also die Kombination aus beidem aussehen?

Vom 05. bis 28. Februar berichten wir im ARD-Hörfunk, im Ersten und den Dritten Programmen ausführlich über die Olympischen Spiele.

Stand: 25.02.2018, 11:28

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