Chaos, Tränen, Gold-Tour - so kommen internationale Stars heim

Der Empfang der französischen Olympioniken in Grenoble

Die Heimkehr der internationalen Olympioniken

Chaos, Tränen, Gold-Tour - so kommen internationale Stars heim

Von Dirk Hofmeister

Was verbindet französische, kanadische, russische, norwegische, US-amerikanische oder deutsche Wintersportler nach 16 Tagen Olympia? Müdigkeit, Heimweh, und ...

... ein Blitzlichtgewitter nach der Landung auf heimischem Boden. Doch während die einen einfach nur froh sind, wieder zu Hause zu sein, gehen andere noch auf Jubeltour oder denken bereits an nächste Aufgaben.

Norwegen: Chaos am Flughafen und Björgens Wunsch

Norwegens Dreifach-Olympiasieger Johannes Klaebo zum Beispiel. Der 21-Jährige machte sich bereits zwei Tage vor der Abschlussfeier auf den Heimweg und verzichtete auf seine Medaillenchance im olympischen 50-Kilometer-Rennen. Der Grund: Für die Langläufer steht am kommenden Wochenende bereits der nächste Weltcup an. Klaebo, Leistungssportler durch und durch, setzt auf zwei Tage Extra-Regeneration, um seine Gesamt-Weltcupführung zu verteidigen.

Durch die frühere Heimreise verpasste Klaebo die Abschlussfeier, den triumphalen Sieg von Landsfrau Marit Björgen, die über 30 Kilometer zur 15. Olympiamedaille lief - und den großen Empfang der norwegischen Olympia-Heimkehrer auf dem Flughafen Oslo. Mehrere hundert Fans waren am Montag (26.02.2018) zum außerhalb von Oslo gelegenen Gardermoen-Airport gepilgert, um Björgen und Co. einen stimmungsvollen Empfang zu bieten. Das gelang. Die zahlreichen Fans sorgten sogar für Chaos vor Ort. Nach zahlreichen Interviews, Fotos und Selfies hatte Björgen dem norwegischen TV-Sender NRK zufolge nur noch einen Wunsch: "Jetzt möchte ich nur noch die Zeit mit meinem Sohn Marinus genießen."

Frankreich: Riesenparty in Grenoble

An vorzeitige Rückkehr zu den Lieben daheim war für das französische Team nicht zu denken. Dafür erlebten die Olympioniken aus Frankreich um Dreifach-Olympiasieger Martin Fourcade einen umso stimmungsvolleren Empfang. In Grenoble, dem Gastgeber der Winterspiele 1968, feierte das Team mit mehr als 3.500 Fans. Zu feiern hatten die Franzosen einiges: Mit 15 Medaillen sammelte das Team so viel Edelmetall wie bei keinen anderen Winterspielen.

USA: Hockey-Ladies bis 6. März auf Tournee

Nach feiern ist auch den US-amerikanischen Eishockey-Frauen. Und zwar so ausgedehnt, dass das Team auf eine Gold-Tour geht. Nach dem ersten Olympiasieg der US-Ladies seit 1998 lässt es das Team um Kapitänin Meghan Duggan richtig krachen. Nach der Ehrung am Rande des NHL-Spiels der Los Angeles Kings gegen die Buffalo Sabres (26.02.2018) werden bis zum 6. März noch die Städte Tampa, Washington und New York besucht. Weitere Ehrungen stehen beispielsweise am Rand von NHL-Partien der "New York Rangers" und der "New Jersey Devils" an. Zudem sind Auftritte in der Talkshow "Ellen" und der "Jimmy-Fallon"-Late-Night-Show geplant.

Kanada: Großes Land, getrente Heimreise

Geradezu bescheiden dagegen die Heimkehr der kanadischen Olympioniken. Kein gemeinsamer Empfang, nicht einmal ein gemeinsamer Flughafen. Die Eistanz-Olympiasieger Tessa Virtue und Scott Moir wurden zusammen mit Bobfahrerin Heather Moyse auf dem Flughafen Toronto empfangen. Andere Sportler, wie Snowboard-Goldmedaillengewinner Sebastien Toutant oder Shorttrackerin Kim Boutin landeten mit rund zwei Dutzend anderen kanadischen Olympiateilnehmern in Montreal. Hunderte Fans auf beiden Flughäfen sorgten zumindest für ein freudiges Wiedersehen.

Russland: Heiratsanträge und Sticheleien

Stimmungsvoll ging es auch auf dem größten Flughafen Russlands, in Moskau-Scheremetjewo, zu. Eine große Menschenmenge von mehreren hundert Fans jubelte den in Pyeongchang wegen der Staatsdopingaffäre unter neutraler Flagge startenden Sportlern mit "Russland, Russland"-Rufen zu. Es flossen auch Tränen -zum Beispiel als es für die Langlauf-Staffel-Bronzemedaillengewinnerinnen Anastasija Sedowa und Anna Netschajewskaja Heiratsanträge gab. Eishockey-Olympiasieger Sergej Andronow konnte sich in der euphorischen Atmosphäre am Flughafen einen Seitenhieb gegen die Sanktionen gegen Russland wegen des Staatsdoping-Skandals nicht verkneifen. "Das alles hat uns nur noch stärker gemacht. Wir haben bewiesen, dass nichts unser Land brechen kann", sagte er dem russischen Portal "Sport Express".

Südkorea: Abschlussfoto und "Entlassung"

Verglichen mit den Tränen von Moskau, den Jubelfeiern der US-Hockey-Frauen, dem Feuerwerk in Grenoble und dem Chaos in Oslo fällt der Olympia-Abschied beim Team der Gastgeber gerade zu kühl aus. Bei einer kleinen Abschlusszeremonie unter Ausschluss der Öffentlichkeit dankte Lee Kee-heung, der Präsident des südkoreanischen Olympischen Komitees, den 144 Athleten und würdigte die 17 Medaillen - immerhin Landesrekord bei Winterspielen. Dann, so die südkoreanische Zeitung "The Korea Times" wurde ein großes Abschlussfoto geschossen und die Athleten "offiziell von Olympia entlassen". Euphorie auf südkoreanisch.

Vom 05. bis 28. Februar berichten wir im ARD-Hörfunk, im Ersten und den Dritten Programmen ausführlich über die Olympischen Spiele.

Stand: 27.02.2018, 16:44

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