Stefan Kraft - Hoffen auf Österreichs Skisprung-Superstar

Stefan Kraft bei der Ski-WM in Seefeld

Stefan Kraft - Hoffen auf Österreichs Skisprung-Superstar

Von Dirk Hofmeister, Seefeld

Im skisprungverrückten Österreich sind die goldenen Tage mit eingeplanten Seriensiegen vorbei. Doch bei der WM lebt die Hoffnung auf eine Medaille. Stefan Kraft hat sich rechtzeitig in der Weltspitze zurückgemeldet. Menschlich spielt er dort schon lange.

Vier. Oder sechs. Oder sieben. So viele Medaillen wird der Gastgeber der Nordischen Ski-WM sammeln. Zumindest, wenn es nach den österreichischen Medien geht. Für die "Kronen Zeitung" prognostiziert Skisprung-Legende Andreas Goldberger sechs Mal Edelmetall, ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel  lassen sich vier angepeilte Medaillen entlocken. Auch das Boulevardblatt "Österreich" geht mit vier Medaillen eher bescheiden an die Heim-WM heran. Offensiv dagegen die "Salzburger Nachrichten" die sich beim Prognose-Wettstreit mit sieben Medaillen am weitesten herauslehnen.

"Die richtige Rakete wird noch passieren"

Stefan Kraft bei der Ski-WM in Seefeld

Pokerface? Nicht gerade die Spezialität von Stefan Kraft.

Das erste Edelmetall für die Gastgeber gab es bereits am Freitag (22.02.2019) in der Nordischen Kombination, auch wenn es mit dem "Angriff auf das erste Gold" ("Kronen Zeitung") nichts wurde. Franz-Josef Rehrl gewann Bronze, freute sich über seine erste WM-Medaille aber bereits ausgelassen wie ein Weltmeister. Ebenfalls fest in den Planungen: eine Medaille für Skispringer Stefan Kraft, oder, wie "Österreich" schreibt: "Kraft ist unser Superstar". Ein Superstar, der rechtzeitig zur Heim-WM wieder zu Siegform zurückgekehrt ist. Nach fast zwei Jahren ohne Einzelerfolg triumphierte der 25-Jährige im Januar gleich dreimal in Folge und versprach mit Blick auf die WM in Seefeld: "Die richtige Rakete wird auch noch passieren."

Holprige Saison

Eine Rakete, auf die die Fans im skisprungverrückten Österreich zu Beginn der Saison noch nicht so richtig hoffen konnten. Gute Sprünge wie Rang fünf Anfang Dezember in Nischni Tagil wechselten sich mit 26. Rängen wie in Ruka ab. Beim Neujahrsspringen in Garmisch verpasste Österreichs Vorzeigeadler sogar das Finale der besten 30.

"Glas ist immer halbvoll"

So phänomenal wie das Comeback Krafts zurück auf das Siegerpodest ist, so beeindruckend ist der 25-Jährige als Persönlichkeit. Hadern? Ärger? Wut über schlechte Sprünge? Keine Spur. "Für mich ist das Glas immer halbvoll. Ich versuche, immer nach vorn zu schauen. Mich darauf zu konzentrieren, was ich kann und mich nicht darüber zu ärgern, was nicht gut läuft." Diese Einstellung half ihm bereits immer wieder über Krisen seiner Karriere hinweg. Etwa, als er die Olympischen Spiele 2014 verpasste, oder als er bei der Vierschanzentournee 2017 und in diesem Jahr jeweils an Neujahr scheiterte.

Stehaufmännchen auf Skiern

Kraft kam jeweils stärker zurück, nach dem Olympia-Aus 2014 gewann er die Tournee 2015 und holte WM-Bronze, nach dem Tour-Debakel 2017 wurde er Doppel-Weltmeister, nach dem Tournee-Aus 2019 ... Moment. So weit ist es noch nicht. Bei der WM in Seefeld dämpfte Kraft die Hoffnungen nach guten Trainingssprüngen auf der Bergisel-Schanze in der Qualifikation am Freitag (22.02.2019).  Durchwachsene 118,5 Meter bedeuteten Rang zehn und fast 15 Punkte Rückstand auf das Podest. Trotzdem kein Grund für Kraft, miesepetrig zu reagieren: "Ich hoffe, dass ich morgen wieder besser wegziehe. Medaillenchancen habe ich weiterhin", sagte er mit Blick auf das Springen am Samstag (im Ticker und Livestream) gewohnt optimistisch im ORF.

Druck bei Heim-WM? "Das wird das Highlight"

So, wie er die gesamte WM sieht. Als einziger realistischer Medaillenkandidat unter Österreichs Skispringern, baut sich da nicht ein Druck auf? Keineswegs, lacht Kraft. Im Gegenteil. "Das wird das Highlight meiner Karriere. Es gibt nix geileres, als vor heimischen Fans zu springen. Ich habe irrsinnig Spaß." Dass die Weltspitze so eng beieinander ist, motiviere ihn nur noch mehr. Wenn es für positive Ausstrahlung WM-Medaillen gäbe, hätte Kraft eine verdient. Im Medaillenspiegel wäre das dann schon zwei Mal Edelmetall - von den vier, sechs oder sieben prognostizierten.

Stand: 23.02.2019, 08:02

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