Skispringer Markus Eisenbichler - wenn aus Eisen Gold wird

Markus Eisenbichler bei der Siegerehrung nach Gold auf der Großschanze bei der WM 2019

Nach dem Skisprung-WM-Sieg von der Großschanze

Skispringer Markus Eisenbichler - wenn aus Eisen Gold wird

Von Dirk Hofmeister, Seefeld

Innsbruck und Markus Eisenbichler - da war doch was? Richtig, die bittere Niederlage beim dritten Springen der Vierschanzentournee. Seit dem WM-Springen von Samstag ist Innsbruck für Markus Eisenbichler auch noch mit Gold verbunden. Wie konnte es nach so vielen Enttäuschungen in der Karriere des Bayern denn dazu kommen?

Innsbruck, 4. Januar 2019. Markus Eisenbichler steht im Auslauf der Bergisel-Schanze und verzieht den Mund. Auf 123,5 Meter ist er gerade geflogen. Auf nur 123,5 Meter. Damit ist die Chance auf einen Sieg bei der Vierschanzentournee dahin. Platz 13, der Deutsche muss Ryoyu Kobayashi ziehen lassen, der Japaner wird später den "Grand Slam", alle vier Tagessiege, bei der Tournee perfekt machen.

Gewinnen? Nächstes Thema bitte

Verkniffenes Gesicht. Gemischte Gefühle. Eisenbichler bringt am Ende zwar einen starken zweiten Platz nach Hause. Letztlich bestätigt sich aber das Image: Eisenbichler ist kein Siegspringer. Die Quali gewinnen? Kann er. Zweite Plätze im Weltcup? Kann er. Tournee-Zweiter werden? Kann er. Einzel-Bronze bei der WM 2017 holen? Kann er. Gewinnen? Nächstes Thema bitte.

Enttäuschungen seit Jugendtagen

Wie ein Fluch legte sich dieser Ruf über Eisenbichlers Sprünge. Schon seit Jugendtagen, wie sein früherer Trainer Christian Leitner kürzlich in der ARD verriet. Als Favorit 2009 zur Jugendmeisterschaft nach Ruhpolding gereist, kam er als enttäuschter Elfter wieder nach Hause. Einen richtig guten Sprung hatte "Eisei" oft im Gepäck - zum Siegen braucht es aber zwei richtig gute. Warum sollte sich das ausgerechnet bei der WM und ausgerechnet in Innsbruck ändern? "Er ist unser Bester, aber nicht unser stabilster", hatte Bundestrainer Werner Schuster vor der WM gesagt und erklärt, dass Geschwindigkeit und Absprungkraft die Stärken des Siegsdorfers sind. Weil er mit seinem Sprungstil aber am Limit sein, komme immer wieder Unruhe rein - und damit geringere Weiten. Wenn er aber seinen Grundsprung abrufen könne, "kann er alle schlagen."

"Ich war so oft nah dran"

Innsbruck, 23. Februar. Szenenwechsel. Gleicher Ort, anderes Datum, andere Emotionen. Ein Urschrei erklingt im Auslauf der Bergisel-Schanze. Eisenbichler springt mit Weiten auf 130,5 und 131 Metern zu - Trommelwirbel, Augenreiben - Gold! Der bodenständige Urbayer hat den Fluch überwunden. Und das auch noch bei der WM. "Es hat alles gepasst. Ich hab jetzt echt mal einen richtig guten Wurf gemacht. Ich hab alles riskiert und bin überglücklich", klingt die Freude aus Eisenbichler. Der sonst so schlagfertige Bayer ist sogar mal kurz sprachlos: "Das ist hart. Ich war so oft nah dran. Und jetzt das. Das ist der größte Tag meiner Karriere." Aus Eisenbichler ist Goldbichler geworden.

"Warum soll ich die Vergangenheit vergessen wollen?"

Später bei der Siegerehrung auf dem Medals Plaza in Seefeld wird er den Urschei von der Schanze noch einmal rauslassen - und mit den Tränen kämpfen müssen. Die Vergangenheit und die vielen Enttäuschungen sind dabei. "Warum soll ich die vergessen wollen? Die gehören doch genauso zu mir und machen mich zu dem, der ich jetzt bin. Ich traure nicht dem nach, was war", so der Schafkopf- und Poker-Liebhaber, der als bodenständig, heimatverbunden und schlagfertig bekannt ist.

Als Teamplayer am Sonntag gefragt

Und als absoluter Teamplayer. Als er bei den Olympischen Spielen 2018 beim Teamspringen aus der Mannschaft flog, zog er sich nicht in die Schmollecke zurück. Stattdessen heizte er die Party zum Gewinn der Mannschafts-Silbermedaille mit einem zünftigen Schuhplattler-Tanz erst richtig an. Nach WM-Gold von Innsbruck erteilte Eisenbichler einer erneuten Schuhplattler-Einlage zwar eine Absage ("Meine Beine sind nach dem heutigen Tag ganz blau"), mit dem Teamgeist von Pyeongchang soll am Sonntag (ab 14.45 Uhr im Ticker und Livestream) aber im WM-Teamspringen von der Großschanze die nächste Medaille her. Und warum eigentlich nicht gleich die Siegermedaille - jetzt, wo Eisenbichler doch die Goldspur gefunden hat?

Markus Eisenbichler - der bodenständige Überflieger Sportschau 04.01.2019 05:29 Min. Verfügbar bis 01.01.2020 Das Erste

Stand: 24.02.2019, 00:05

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