Werner Schuster - Der "Aufwindtrainer" wird fehlen

Deutsches Mixed-Team gewinnt Gold Sportschau 02.03.2019 00:31 Min. Verfügbar bis 02.03.2020 Das Erste

Nordische Ski-WM

Werner Schuster - Der "Aufwindtrainer" wird fehlen

Von Raphael Honndorf, Seefeld

Unter Werner Schuster hat das deutsche Skispringen in elf Jahren eine wahre Renaissance erlebt. Auch wenn nicht immer alles nach Plan lief, war die Amtszeit des Österreichers mehr als nur ein Erfolg. Die WM in Seefeld war seine letzte Großveranstaltung als Bundestrainer. Und sie war ein Riesenerfolg.

Nach den zahlreichen Erfolgen der deutschen Skispringer in den 1990er-Jahren und Anfang des neuen Jahrtausends gab es irgendwann einen Bruch im deutschen Team. Mit dem Abschied von Erfolgstrainer Reinhard Heß hinkte die einst so erfolgreiche Sportart lange Zeit hinter ihren Ansprüchen her.

Nur die Vierschanzentournee fehlt im Trophäenschrank

Mit dem Österreicher Werner Schuster brachte der Deutsche Skiverband zur Saison 2008/09 frischen Wind ins Team. Was im folgenden Jahrzehnt passierte, ist eine klassische Erfolgsstory. Schuster führte die deutschen Adler zu allen möglichen Triumphen: Olympiasieger im Einzel und im Team, Weltcup-Gesamtsieger, Einzel-Weltmeister (2x), Team-Weltmeister, Skiflugweltmeister und dazu über 40 Erfolge im Weltcup. Einzig die prestigeträchtige Vierschanzentournee sollte ihm verwehrt bleiben.

Ausgewählte Titel unter Bundestrainer Werner Schuster
VeranstaltungSpringer
OlympiaTeam (2014 in Sotschi)Andreas Wellinger, Severin Freund, Andreas Wank, Marinus Kraus
Einzel Normalschanze (2018 in Pyeongchang)Andreas Wellinger
WMEinzel Großschanze (2015 in Falun)Severin Freund
Einzel Großschanze (2019 in Seefeld/Innsbruck)Markus Eisenbichler
Team (2019 in Seefeld/Innsbruck)Markus Eisenbichler, Karl Geiger, Richard Freitag, Stepohan Leyhe
Skiflug-WMEinzel (2014 in Harrachov)Severin Freund
Gesamtweltcup1. PlatzSeverin Freund (2014/15)

Erst "Bergisel geentert", dann "Super-Abschluss"

Ausgerechnet in seinem Heimatland Österreich sollte nun seine letzte WM stattfinden. Und auch sie wurde ein voller Erfolg. Markus Eisenbichler, der zuvor im Weltcup nie ganz oben auf dem Podest stand, wurde in einer überragenden Manier Weltmeister. Das Team deklassierte die Konkurrenz nur einen Tag später. Besonders dieser Titel bedeutete ihm viel. "Das war etwas, was wir nie erreicht haben. Aber dieser Titel passt ganz besonders gut zu unserem Team", sagte Schuster mit Blick auf den fünften Mann im Team, welcher sich bei Großveranstaltungen unabhängig von der Person stets mannschaftsdienlich verhalten habe.

Nun also noch eine weitere Gold-Medaille im Mixed-Team. Die dritte für Schuster bei diesen Wettkämpfen. Im Mixed war das deutsche Team seit der WM-Premiere 2013 immer unter den besten drei Nationen, feierte in Seefeld den Gold-"Hattrick". "Die Österreicher haben uns super herausgefordert. Aber wir haben sie wieder in die Knie gezwungen", so Schuster direkt nach dem Erfolg. Im Vorfeld wäre er froh gewesen, eine oder zwei Medaillen zu holen. Doch dann wurde erst der "Bergisel geentert" und dann folgte "ein Super-Abschluss dieser grandiosen WM".

Werner Schuster

Werner Schuster im Kreise des Skisprungteams

Nur das Einzel von der Normalschanze sorgte kurzzeitig für schlechte Mienen. In aussichtsreicher Position wurde Medaillenkandidat Karl Geiger noch weit nach hinten durchgereicht. "Es war ein sehr schwieriger Wettkampf für alle Beteiligten. Zustande gekommen ist das Ergebnis auf sehr kuriose Art und Weise. Aber wir sollten nicht zu negativ über unseren Sport sprechen, im Endeffekt sind nicht die Falschen vorne", so Schuster im Anschluss. Es war das erste Mal seit 2013, dass kein deutscher Athlet bei einem WM-Einzel auf dem Podest stand. Alleine diese Statistik zeigt schon, wie stark das Team unter Schuster geworden ist.

Abschied vom DSV noch nicht endgültig

Was Werner Schuster nach seiner Zeit als Bundestrainer macht, steht noch immer nicht fest. Es soll Angebote aus seinem Heimatland geben, aber auch der Deutsche Skiverband will seinen Erfolgsmacher weiter in seinen Reihen halten. Die Konstellation müsse aber passen, erklärten die Verantwortlichen. Es gibt Überlegungen, eine DSV-Akademie aufzubauen, in der Schuster dann eine "wertvolle" Funktion übernehmen soll. Er selbst blickt noch gar nicht so weit voraus: "Jetzt geht es erst einmal zur Raw Air", erklärt er seine nächsten Aufgaben.

Auch wer auf Schuster als Bundestrainer der Männer folgt, ist weiter unklar. "Wir sind noch nicht so weit, dass wir unseren finalen Plan präsentieren können. Wir wollen uns da auch ganz bewusst selbst Zeit geben", sagte DSV-Sportdirektorin Karin Orgeldinger während der Titelkämpfe in Seefeld. Heißester Favorit bleibt Schusters Landsmann Stefan Horngacher, der aktuell noch beim polnischen Verband unter Vertrag steht.

Thema in: Sportschau, Das Erste, 24.02.2019, 9.00 Uhr

Stand: 02.03.2019, 18:40

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