Ski-WM von A bis Z: Rekorde, Überraschungen, Doping-Beben

Ski-WM von A bis Z: Rekorde, Überraschungen, Doping-Beben

Die Nordische Ski-WM ist Geschichte und bot grandiose Sieger, schmerzhafte Niederlagen und einen grausamen Doping-Skandal. Ein Rückblick von "A" bis "Z" in Bildern.

Dawid Kubacki

A wie Aufholjagd  - das Überraschungs-Gold für Dawid Kubacki: Wenn ein Skispringer nach dem ersten Durchgang auf Rang 27 liegt, hat er mit der Vergabe der Podestplätze normalerweise nichts mehr zu tun. Das gilt seit dem WM-Springen von der Normalschanze in Seefeld nicht mehr. Dawid Kubacki - bei seinem ersten Sprung Opfer der Windverhältnisse und nur 27. - stand mit versteinerter Miene in der Leader's Box, bis auch der letzte Konkurrent im Tal war. Erst dann brach der Jubel heraus. Grund war aber leider nicht nur ein überragender zweiter Sprung Kubackis, sondern die immer stumpfer werdende Anlaufspur. Rund drei km/h langsamer gingen die Führenden, Ryoyu Kobayashi und Karl Geiger, vom Schanzentisch und hatten dadurch keine Chance.

A wie Aufholjagd  - das Überraschungs-Gold für Dawid Kubacki: Wenn ein Skispringer nach dem ersten Durchgang auf Rang 27 liegt, hat er mit der Vergabe der Podestplätze normalerweise nichts mehr zu tun. Das gilt seit dem WM-Springen von der Normalschanze in Seefeld nicht mehr. Dawid Kubacki - bei seinem ersten Sprung Opfer der Windverhältnisse und nur 27. - stand mit versteinerter Miene in der Leader's Box, bis auch der letzte Konkurrent im Tal war. Erst dann brach der Jubel heraus. Grund war aber leider nicht nur ein überragender zweiter Sprung Kubackis, sondern die immer stumpfer werdende Anlaufspur. Rund drei km/h langsamer gingen die Führenden, Ryoyu Kobayashi und Karl Geiger, vom Schanzentisch und hatten dadurch keine Chance.

B wie Behle - die Attacke gegen Schlickenrieder: Jochen Behle gilt als Meistermacher bei den Skilangläufern. Unter seiner Regie holten deutsche Athleten vier Mal den Gesamt-Weltcup. Nun fühlte sich Behle offenbar berufen, den neuen Bundestrainer Peter Schlickenrieder zu beurteilen und das mit einer ordentlichen Portion Skepsis: "Er ist sicher für das Verkaufen der Sportart, für die Motivation der Richtige. Ob er die Durchschlagskraft, die Härte und Konsequenz auch in der anderen Richtung hat, da bin ich mir nicht so sicher, ehrlich gesagt." Schlickenrieder konterte mit Humor: "Der Herr Behle ist ja berühmt geworden durch den Spruch 'Wo ist Behle?', ich würde ihn umdichten in 'Wer ist Behle?'"

C wie Carrasco Arena - der ältester WM-Teilnehmer: Der Mexikaner Luis Carrasco Arena ging mit Startnummer 1 in das sogenannte Exoten-Rennen. Mit 55 Jahren war er der Älteste im Starterfeld und absolvierte die 10 km in der klassischen Technik in gut 43 Minuten. Der "Alterspräsident" blieb eine Viertelstunde hinter den Besten zurück, ließ aber auch drei deutlich jüngere Widersacher hinter sich. Erst vor zwei Jahren begann er mit dem Langlauf. Zuvor war Carrasco Arena einige Jahre im Skeleton-Weltcup unterwegs. Außerdem versuchte er sich im Eishockey, Kitesurfen, Kajakfahren und Rafting, wo er es sogar ins Nationalteam schaffte. Ans Aufhören denkt er nicht: "Ich werde weitermachen, bis mich mein Körper oder jemand anderes rauswirft."

D wie Doping-Beben - Razzia und mehrere Festnahmen: Im Spitzensport läuft der Verdacht mit. Und auch vor Seefeld machte das Thema Doping nicht Halt. Am 27.02.2019 schlug es ein: Doping-Razzia in Seefeld und Erfurt. Neun Festnahmen, darunter fünf Sportler, keiner aus Deutschland. Dafür wurde der Sportarzt Mark S. festgenommen. Seine Arztpraxis in Erfurt soll der Kopf einer internationalen Blutdopingbande sein. 40 Blutbeutel wurden beschlagnahmt. Der Staatsanwalt Kai Gräber spricht von einer "nahezu erdrückenden" Beweislage. War es nur die Spitze des Eisbergs?

E wie Exoten - sie kommen aus Brasilien, Ecuador und Mexiko: Gleich drei Langläufer aus Brasilien erfüllten sich in Seefeld ihren WM-Traum. Einer überstand sogar die Langlauf-Qualifikation, sah die WM als "tolle Sache". Raus in der Quali und trotzdem glücklich war der 29-jährige Andreas Razafimahatratra aus Madagaskar, dessen Name den Stadionsprecher an seine Grenzen brachte. Auch Starter aus der Mongolei, Mexiko und Ecuador sorgten dafür, dass die Titelkämpfe in Seefeld zu einer wörtlichen "Welt"-Meisterschaft wurden.

F wie Frischlinge - Newcomer mischen munter mit: Es gibt sie bei jeder WM, die Youngster, die erstmals weltmeisterliche Luft schnuppern dürfen. Frida Karlsson (19) aus Schweden ist so eine. Bei ihrer ersten WM fährt die Langläuferin mit drei Medaillen nach Hause. Ein Star der Zukunft! Auch Skispringerin Nika Križnar (18) aus Slowenien machte mit Schanzenrekord (108,5 m) bei ihren ersten großen Titelkämpfen von sich reden. Schon etwas älter, aber trotzdem WM-Frischlinge waren die Deutschen Laura Gimmler (25) und Pia Fink (23) im Langlauf.

G wie Goldrausch - Triumphe im Skispringen und in der Noko: Gold für Deutschland - bei fünf Wettbewerben standen die Deutschen auf dem Platz an der Sonne. Als Gold-Hamster kehren Skispringer Markus Eisenbichler (3x Gold), Kombinierer Eric Frenzel (2 x Gold) und Skispringerin Katharina Althaus (2 x Gold) aus Seefeld zurück.

H wie "Hohe Munde" - der felsige Bergkoloss: Gelegen auf einer Hochebene zwischen Wettersteingebirge und Karwendel bietet Seefeld im Sommer wie Winter eine Traumkulisse. Zahlreiche Wanderwege, Abfahrtspisten und Langlaufloipen machen den kleinen Ort zum Aktiv-Paradies. Westlich von Seefeld sticht jedoch der Berg "Hohe Munde" heraus. Er ist zwar nicht der höchste Berg (2.662 m) der Region, auf Grund seiner Dominanz jedoch nicht zu übersehen.

I wie Invasion der Norweger - Skifans errichten Winkinger-Dorf: Norwegen ist die erfolgreichste Nation in der Geschichte der Nordischen Ski-WM. Das hohe Einkommen im nördlichsten Land Europas führt zudem zu einer ausgeprägten Reiseleidenschaft bei Sport-Events. Nicht rot-weiß-rot war omnipräsent in Seefeld, sondern rot-weiß-blau. Zehntausende Norweger kamen nach Seefeld. Auch der König, ein begeisterter Sportfan, kam zu Besuch. Richtig verrückt war eine Gruppe von 35 Männern, die sich ein kleines "Wikinger-Dorf" mit Zelten in Seefeld errichtete. Dafür wurden 7,5 Tonnen Material aus dem hohen Norden angekarrt -1,5 Tonnen davon waren Delikatessen wie etwa Elchzunge. Und ganz viel Aquavit - das norwegische "Lebenswasser". Skål.

J wie Therese Johaug - die Rückkehr aus dem Doping-Exil: Die Schneekönigin aus Norwegen betrat nach 1.457 Tagen wieder die WM-Bühne. In ihrer Schatzkammer hatte sie bis dahin sieben Goldmedaillen. In Seefeld holte Johaug die Titel acht bis zehn. Dabei zeigte sie ihre alte Dominanz. Im Skiathlon zum Beispiel distanzierte sie die Konkurrenz um fast eine Minute. "Es ist ein großer Tag für mich. Die Zeit seit meiner letzten WM war lang", so Johaug nach ihrem WM-Comeback. Die Titelkämpfe 2017 und Olympia 2018 hatte die 30-Jährige wegen einer Dopingsperre verpasst. Die Verwendung eines Lippenbalsams mit unerlaubten Wirkstoffen war ihr zum Verhängnis geworden. Tränenreich hatte sie ihre Unschuld beteuert, dennoch verhängte der CAS eine 18-monatige Sperre.

K wie Kasspatzln - daran kommt keiner vorbei: Wer viel draußen ist, muss auch gut essen. Und das kann man in Tirol sehr gut, wenn man es denn deftig mag. Eines der bekanntesten Gerichte sind die Kasspatzln – die Käsespätzle. Sie stehen auf jeder Tiroler Speisekarte und sorgen erst für große Augen und dann für einen vollen Magen. Wer dann immer noch Hunger hat, kann sich am Tiroler Speck, den verschiedensten Knödelvariationen oder den Schlutzkrapfen (Teigtaschen mit Kartoffelfüllung) laben. Alles in allem eine gute Grundlage für die Fan-Party am Abend.

L wie Langlauf-Skandal - die Nadel noch im Arm: Alle überführten Dopingsünder sind Langläufer. Max Hauke, Dominik Baldauf (beide Österreich), Alexei Poltoranin (Kasachstan) sowie die Esten Andreas Verpaalu und Karl Tammjärv haben Eigenblutdoping gestanden. Das Bild, welches um die Welt ging, war das von Max Hauke. Der Österreicher wurde kurz vor dem 15-km-Rennen beim Eigenblutdoping mit einer Nadel im Arm auf frischer Tat ertappt.

M wie Medaillenspiegel - keine Überraschung an der Spitze: Norwegen, wer sonst?! Team Norge ist zum elften Mal in Serie die erfolgreichste Nation bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften. Die Skandinavier haben bei 22 Entscheidungen in Seefeld 13 Gold-, 5 Silber- und 7 Bronzemedaillen eingesammelt. Deutschland begeisterte als zweitbeste Nation (6 x Gold, 3 x Silber).

N wie Nordic Mile - das stimmungsvolle Rahmenprogramm: Die Fußgängerzone im beschaulichen Seefeld verwandelte sich während der Ski-WM in eine Party-Zone, die "Nordic Mile" getauft wurde. Essen, Trinken, Tanzen und Feiern - wer nach den Wettbewerben in die Verlängerung gehen wollte, war hier richtig.

O wie Oberstdorf - der WM-Austragungsort 2021: Nach der WM ist vor der WM: 2021 ist Oberstdorf Gastgeber der Nordischen Ski-Weltmeisterschaften. Nach 1987 und 2005 steht die Gemeinde im Allgäu wieder im Fokus der Wintersportwelt, wenn die Titel im Skispringen, Langlauf und der Nordischen Kombination vergeben werden. Fans können sich den 25.02.2021 schon mal notieren. Dann fällt die erste Entscheidung. Der letzte Weltmeister wird am 7. März gekürt.

P wie Pendeln - Stresstest vor allem für Kombinierer: Auch wenn die WM offiziell in Seefeld stattgefunden hat, gab es in der ersten Woche einen weiteren wichtigen Austragungsort – Innsbruck. Die Tiroler Landeshauptstadt war Schauplatz der Wettbewerbe von der Großschanze. Die Langlaufwettbewerbe und die Medaillenübergaben fanden dann wiederum in Seefeld statt. Das sorgte natürlich ab und zu für überfüllte Straßen und überfüllte Bahnen. Alles in allem haben die Gastgeber dieses Problem aber gut gelöst.

Q wie Qual der Wahl - wenn Weltmeister zuschauen müssen: Dieses Schicksal ereilte Johannes Rydzek in der Nordischen Kombination und Carina Vogt bei den Skispringerinnen. Der sechsmalige Weltmeister Rydzek wurde beim Team-Sprint nicht nominiert, weil sich Bundestrainer Hermann Weinbuch für die stabileren Springer Eric Frenzel und Fabian Rießle entschied. Diese holten dann auch Gold für Deutschland. Carina Vogt hat fünf Weltmeistertitel auf dem Konto und sie stand bei allen drei Mixed-Wettkämpfen der bisherigen WM-Geschichte auf dem Podest. In Seefeld erhielten in diesem Wettbewerb Katharina Athaus und Juliane Seyfarth den Vorzug.

R wie Rekordhalter - Eric Frenzel besteigt den Thron: Aus dem "König" wurde der "Kaiser" von Seefeld. Eric Frenzel ist mit zweimal WM-Gold und einmal Silber in der "ewigen" Bestenliste der Weltmeisterschaften auf den ersten Platz gestürmt. Vorbei an seinem Teamkollegen Johannes Rydzek, der sich mit "nur" einer Medaille (Staffelsilber) zufrieden geben musste.

S wie Sonnenschein - die heißen Tage von Seefeld: Kurzärmlig und ohne Mütze waren viele Athleten in den Tagen von Seefeld unterwegs. Ein Wintermärchen im Sonnenschein erlebten die Aktiven und Fans an den meisten Tagen der Ski-WM.

T wie Teamspringen - endlich auch für die Frauen: In Seefeld wurde Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal traten die Skispringerinnen in einem Teamwettbewerb an. Als erste Weltmeisterinnen trug sich das deutsche Quartett in die Geschichtsbücher ein. In der Besetzung Carina Vogt, Katharina Althaus, Juliane Seyfarth und Ramona Straub holte Deutschland Gold vor Gastgeber Österreich. Bundestrainer Andreas Bauer musste erst einmal tief durchschnaufen: "Es war sehr emotional, die Mädels haben grandiose Sprünge rausgehauen. Nach dem Sieg bei der Olympia-Premiere 2014 durch Carina hat es wieder geklappt, irgendwie sind wir für Premieren gemacht."

U wie Überflieger - Markus Eisenbichler mit Dreifach-Gold: Der "Eisei" war endlich mal dran! Im Weltcup wurde Markus Eisenbichler zuletzt immer wieder knapp geschlagen und kam ohne Sieg zur WM nach Seefeld und Innsbruck. Aber es brodelte, es war nur noch eine Frage der Zeit, bis er endlich mal ganz oben stehen würde. Gleich auf der Großschanze war es soweit, Teamkollege Karl Geiger sagte, er habe es schon am Vortag gerochen. Eisenbichler aber offenbar nicht, denn: "Jetzt bricht alles total raus. Ich weiß nicht, was ich fühlen soll. Ich bin voll mit Adrenalinich und am Zittern gerade. Jetzt bin ich Weltmeister, ich kann es gar nicht fassen." Und weil das Gewinnen so schön ist, legte er Gold mit dem Team und im Mixed nach und wurde damit der erfolgreichste Springer der WM.

V wie Verpasst - Keine Einzel-Medaille für Ryoyu Kobayashi: Der Japaner Ryoyu Kobayashi ist zweifelsfrei der beste Skispringer dieser Saison. Entsprechend hoch wurde er als Anwärter auf WM-Gold gehandelt. Am Ende gab es für Kobayashi in den Einzel-Konkurrenzen nichts zu holen. Auf der Großschanze wurde er undankbarer Vierter, auf der Kleinschanze fiel er als Führender nach dem ersten Durchgang noch auf Rang 14 zurück. Er war einer der Betroffenen vom Wetterchaos. Das einzige Edelmetall gewann er im Teamspringen - es wurde Bronze.

W wie Werner & Weinbuch - zwei Trainer im Goldrausch: Werner Schuster und Hermann Weinbuch - zwei Trainer-Ikonen, zwei Weltmeister-Macher. Unter Werner Schuster hat das deutsche Skispringen in elf Jahren eine wahre Renaissance erlebt. Die WM in Seefeld war seine letzte Großveranstaltung als Bundestrainer. Sie wurde ihm mit vier Medaillen versüßt. Schon seit 1996 ist Hermann Weinbuch bei den deutschen Kombinierern der Inbegriff für Erfolg. 52 Mal haben seine Athleten Edelmetall bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften gewonnen. 

Z wie Zukunft - die Langläufer blicken auf Heim-WM: Die deutschen Langläufer können derzeit in der Weltspitze nicht ganz vorn mithalten. In Seefeld blieben die Schützlinge von Bundestrainer Peter Schlickenrieder komplett ohne Medaille. Doch der Coach hatte schon vorher betont, dass die WM 2019 nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zurück zur internationalen Spitze ist. "Wenn wir die Schlagzahl beibehalten, sind wir spätestens bis 2021 wieder weltspitzentauglich", sagte Schlickenrieder mit Blick auf die Heim-WM in Oberstdorf.

Stand: 01.03.2019, 18:34 Uhr

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