Ottesens großer Wunsch: "Mixed-Team bei Olympia 2026"

Lasse Ottesen

FIS-Renndirektor im Interview

Ottesens großer Wunsch: "Mixed-Team bei Olympia 2026"

Der ehemalige Skispringer Lasse Ottesen leitet seit 2012 die Geschicke der Nordischen Kombination beim Internationalen Skiverband. Im Gespräch während der WM in Seefeld blickt der 44-Jährige auf die ersten Wettkämpfe, erklärt wie er die Dopingenthüllungen mitbekommen hat und wie die Chancen der Nordische Kombination der Frauen auf eine Aufnahme ins Olympische Programm sind.

Frage: Herr Ottesen, die WM in Seefeld ist in vollem Gange. Wie zufrieden sind sie bisher mit den Wettkämpfen in der Nordischen Kombination?

Lasse Ottesen: "Wir sind sehr zufrieden. Die ersten beiden Wettbewerbe auf der Großschanze waren wirklich toll. Wir hatten etwas mehr Wind erwartet, konnten die Springen aber gut durchführen. Und dazu waren es spannende Wettkämpfe."

Frage: Hat sie von den Ergebnissen her etwas überrascht?

Lasse Ottesen: "Der Sieg von Eric Frenzel war schon eine Überraschung. Wir wissen, was er kann. Er gehört schließlich zu den ganz großen Athleten in unserer Sportart. Aber die Saison war bisher recht schwer für ihn. Deswegen kann man da schon von einer kleinen Überraschung sprechen."

Frage: Können sie die Gründe benennen, warum die deutschen Kombinierer gerade auf der großen Schanze so dominiert haben und dann auf der kleinen Schanze eher hinterher springen?

Lasse Ottesen: "Da müssen sie mit Hermann Weinbuch oder Ronny Ackermann [Trainer der deutschen Kombinierer, Anm. der Redaktion] reden, die werden die Gründe kennen. Aber sie haben einfach eine sehr gute Arbeit in Innsbruck gemacht. Aber auch hier in Seefeld haben die Deutschen noch die Chance auf eine Medaille."

Frage: Ein österreichischer Sieg würde der WM aber sicherlich auch gut tun?

Lasse Ottesen: "Das wäre natürlich fantastisch. Ich denke aber, dass die Österreicher auch mit dem bisher Erreichten recht zufrieden sind. Aber es bleibt spannend. Für eine Heimnation ist eine Goldmedaille immer gut."

Frage: Die Kombination besteht neben dem Springen auch aus dem Langlauf. Und da dominieren die Skandinavier und in erster Linie ihr Heimatland Norwegen. Haben sie Zeit, auch einen Blick darauf zu werfen?

Lasse Ottesen: "Ich bekomme zumindest die Resultate mit. Aber meine Tage sind sehr hektisch hier vor Ort. Ich bin viel mit meinen Wettbewerben beschäftigt. Natürlich schaue ich am Abend die Highlights im Fernsehen. Die Bilder, die rund um die Welt geschickt werden von Seefeld, mit der Kulisse und dem Wetter sind einfach fantastisch."

Frage: Der Langlauf hat aber am Mittwoch auch für die negativen Schlagzeilen der WM gesorgt. Wie und wo haben sie die Enthüllungen rund um den Dopingskandal mitbekommen?

Lasse Ottesen: "Das ist ohne Frage negativ. Ich habe die Nachrichten gelesen und wurde von meinen Leuten informiert. Leider ist das jetzt wieder passiert. Es ist gut, dass man diese Athleten, die dopen, erwischt hat. Aber das ganze System dahinter, ist das Schlimme. Bleibt zu hoffen, dass die restliche WM von weiteren Enthüllungen verschont bleibt."

Frage: Wie hoch sehen sie die Gefahr, dass auch in der Nordischen Kombination betrogen wird?

Lasse Ottesen: "Bis jetzt haben wir kaum Dopingfälle gehabt. Ich kann mich da nur an einen in den 1980er Jahren erinnern. Danach aber nicht mehr. Ich hoffe, dass das auch so bleibt. Wir haben da Vertrauen in unseren Sport, können aber letztlich nur hoffen, dass alles in Ordnung ist."

Frage: In der Nordischen Kombination wird das Springen immer wichtiger. Doping wird aber eher bei den Ausdauersportarten, wie dem Langlauf angewandt. Wenn man dort weniger trainieren müsste, hätte man mehr Zeit für das Sprungtraining ...

Lasse Ottesen: "Kombination ist ein wirklich schwerer Sport. Man muss in beiden Disziplinen gut sein und das ist schon schwer. Aber das Training ist bei allen Nationen so gut, dass man einfach nur hoffen kann, dass die Leistungen sauber zu Stande kommen."

Frage: Zurück zum Sportlichen und einem Thema, welches bei dieser WM am Rande auch viel diskutiert wird: Die Nordische Kombination der Frauen. Die ersten Wettkämpfe laufen, wie zufrieden sind sie damit?

Lasse Ottesen: "Bis jetzt ist die Entwicklung wirklich gut. Bei den ersten offiziellen Juniorenweltmeisterschaften in Lahti in diesem Winter waren 35 Damen aus 14 Nationen am Start. Die Unterstützung von den nationalen Verbänden ist gut. Wir arbeiten mit diesen zusammen, um die Wettbewerbe bis zur Nordischen Ski-WM, wo die Kombination der Frauen ebenfalls im Programm ist, weiter zu entwickeln."

Frage: 2017 sah der Plan des Internationalen Skiverbandes (FIS) vor, dass die Kombination der Frauen auch 2022 bei den Olympischen Spielen in Peking dabei sein wird. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat das jedoch abgelehnt ...

Lasse Ottesen: "Unser 2017 aufgestellter Plan geht bis zu den Weltmeisterschaften 2021 auf. Bis dahin können wir zeigen, dass die Damen auf hohem internationalem Niveau Wettkämpfe bestreiten und auch ins olympische Programm gehören. Dann haben wir 2026 die nächste Chance."

Lasse Ottesen

Lasse Ottesen springt in Planica 1997 mit 212 m einen neuen Weltrekord

Frage: Aber an der WM 2021 wird nicht gerüttelt nach diesem Rückschlag?

Lasse Ottesen: "Dort wird es definitiv Wettkämpfe geben."

Frage: Es stellt sich bei den Verbänden jedoch auch immer wieder die Frage nach der Finanzierung dieser Disziplin. Gibt es da Druck seitens der FIS, dass die Nordische Kombination der Frauen unbedingt gemacht werden muss?

Lasse Ottesen: "Druck nicht. Aber ich denke, es ist an der Zeit, dass die Damen auch in der Nordischen Kombination starten. Man sieht ja die Entwicklung im Skispringen. Dort sind die Damen auf einem sehr, sehr hohen Niveau inzwischen. Es gibt keinen Grund, warum das nicht auch die Kombiniererinnen in ein paar Jahren schaffen sollten. Natürlich möchte die FIS die Entwicklung vorantreiben. Es ist wichtig, in allen Disziplinen beide Geschlechter vertreten zu haben. Daran arbeiten wir gemeinsam. Dann kann man hoffentlich 2021 eine tolle Weltmeisterschaft mit Herren und Damen durchführen. Der große Wunsch wäre danach natürlich 2026 bei den Olympischen Spielen dabei zu sein. Am besten auch mit einem Mixed-Team-Event."

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Raphael Honndorf.

[Hinweis: Das Gespräch wurde zwischen dem Springen und dem Langlauf am Donnerstag geführt, deswegen gibt es keine Reaktion auf den Sieg von Jarl Magnus Riiber in diesem Wettbewerb.]

Thema in: MDR aktuell, 28.02.2019, 17.45 Uhr

Stand: 28.02.2019, 19:20

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