Kombi-Weltmeister Eric Frenzel - vom König zum Überraschungs-Kaiser

Nordische Kombination - 13. WM-Medaille für Eric Frenzel

Kombi-Weltmeister Eric Frenzel - vom König zum Überraschungs-Kaiser

Von Dirk Hofmeister

Vor ein paar Wochen hätte Eric Frenzel am liebsten noch aufgegeben - doch nun ist er erneut Weltmeister in der Nordischen Kombination. Wie konnte es in einem Winter voller Rückschläge zu so einer Punktlandung kommen?

"Meine Ladys und Gentlemen, der Tagessieger und Weltmeister heißt Eric Frenzel." Wenn es nach dem Stadionsprecher an der Bergisel-Schanze in Innsbruck gegangen wäre, hätte es für die Goldmedaille in der Nordischen Kombination den üblichen zweiten Teil, den 10-Kilometer-Langlauf, überhaupt nicht gebraucht. Nachdem Frenzel am Freitagmorgen (22.02.2019) im Sprunglauf von der Großschanze die Bestweite landete und damit am als Erster am Nachmittag in die Loipe durfte, war  für den Stadionsprecher offensichtlich schon klar, wer sich am Ende die goldene Schneeflocke des Weltverbandes umhängen durfte. Er war damit vermutlich nicht der einzige.

Seefeld plus Nordische Kombination gleich Frenzel-Triumph

Eric Frenzel bei der Ski-WM in Seefeld

Eric Frenzel nach seinem Sieg bei der Ski-WM in Seefeld

Seefeld plus Nordische Kombination gleich Frenzel-Triumph. Diese Rechnung ist nicht völlig aus der Welt gegriffen. Von seinen 39 Einzelsiegen im Weltcup feierte der Sachse 13 in der Tiroler 3.000-Einwohner-Gemeinde. Nachdem Frenzel das prestigeträchtige Nordic Triple 2017 zum vierten Mal in Folge gewonnen hatte, wurden im Ort die Benennung einer Straße nach dem Deutschen, eine Ehrenbürgerschaft oder ein Hausgeschenk diskutiert. Nichts davon wurde realisiert, was aber blieb, ist die ehrenvolle Zuschreibung: "König von Seefeld".

"Es sah richtig düster für ihn aus"

Am Freitag (22.02.2019) krönte sich Frenzel zum Kaiser - mit einem starken Sprunglauf und einem taktisch klugen und körperlich starken Rennen. Frenzel siegte. Mal wieder. Obwohl Strecken und die Schanze komplett andere waren als im Weltcup üblich. Und obwohl ein WM-Erfolg für den 30-Jährigen noch vor Kurzem so unrealistisch erschien wie nur irgendwas. Frenzel war nach einer Erkältung geschwächt und kam auf der Schanze immer noch nicht richtig weg. "Vor einer Woche haben wir einen Langlauf-Test-Wettkampf gemacht. Da ist er von den anderen Jungs richtig niedergekämpft worden. Da sah es richtig düster für ihn aus", sagte ein verblüffter Bundestrainer Hermann Weinbuch nach dem Überraschungs-Gold.

"Ein Tag, von dem man träumt"

Frenzel durchlebte in diesem Winter nicht nur läuferisch die schwierigste Saison seiner mittlerweile zwölfjährigen Weltcup-Karriere. Immer wieder Pausen, immer wieder Rückschläge und Infekte, kein Fluggefühl an der Schanze, Defizite beim Laufen. "Der Winter war nicht einfach. In den letzten Wochen habe ich fast den Glauben verloren, dass ich das Ruder noch einmal rumreißen kann", blickte Frenzel nach dem Gold-Triumph zurück. Und ergänzte schnell: "Umso glücklicher bin ich heute. Das war ein perfektes Rennen. Ein Tag, von dem man träumt."

Weinbuch: "Unheimlich bewegt"

Bundestrainer Weinbuch war im ARD-Interview sogar den Tränen nah: "Ich bin unheimlich bewegt. Unglaublich, was der Sport für Geschichten schreibt. Wenn mich gestern einer gefragt hätte, ob Eric Weltmeister werden kann, den hätte ich für wahnsinnig erklärt", sagte der 58-Jährige. "Unglaublich, was der Junge immer wieder leistet." Dabei hat Weinbuch selbst einen großen Anteil an der Goldmedaille. Weinbuch und Frenzels Heimtrainer Frank Erlbeck.

Extra-Schichten mit Heimtrainer Erlbeck

Mit Erlbeck absolvierte der Sechsfach-Weltmeister Anfang Februar ein spezielles Training auf der Skiflugschanze von Planica. Frenzel hatte zu diesem Zeitpunkt das Gefühl, komplett den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren. "Ich musste aus dem Weltcup raus und mich auf mich selbst konzentrieren. Ich war zu weit weg von der Weltspitze, ich hab gemerkt, dass die Sprünge im Weltcup nicht reichen, um die Lücke zu schließen", erklärt Frenzel. Statt sich über kurze Sprünge mit wenig Anlauf zu ärgern, feilte Frenzel mit Heimtrainer Erlbeck auf dem ganz großen Bakken am Fluggefühl. In vielen Trainings- und Analysestunden konnte sich Frenzel Stück für Stück verbessern und dann ins Mannschaftstraining zurückkehren. Dankbar schrieb Frenzel über Erlbeck Anfang Februar in einer Kolumne: "Ich kenne ihn seit Jahren, schätze seine Ansprache und seine Kompetenz. Ihm verdanke ich meine Karriere".

Besondere Beziehung zu Weinbuch

Und auch mit Weinbuch verbindet den Dreifach-Olympiasieger ein besonderes Verhältnis. Beide machten mit dem jeweils anderen das Meisterstück. Unter Weinbuch wurde Frenzel zum erfolgreichsten Kombinierer im Weltcup und 13-fachen WM-Medaillengewinner. Dank Frenzel ist Weinbuch der erfolgreichste Trainer in der Nordischen Kombination. Ausdruck dieses besonderen Verhältnisses sind nicht nur die Tränen, mit denen Weinbuch nach Frenzels Sieg von Seefeld kämpfen musste. Erst Anfang Januar schickte Weinbuch seinen Sprungtrainer Ronny Ackermann mit der gesamten Weltcup-Mannschaft zu den Wettkämpfen in Otepää, um mit Frenzel im Einzeltraining an der Sprungform zu feilen.

Nächste Superlative?

Das Einzeltraining von Weinbuch mit Frenzel fand übrigens in Seefeld statt. Und wenn Frenzel durch die Extraschichten mit der kleinen Schanze genauso gut klarkommt wie mit der großen in Innsbruck, könnte dem Stadionsprecher leicht der nächste Versprecher von den Lippen gehen. Nur mit den ganzen Krönungs-Superlativen wird es nach dem "Kaiser von Seefeld" langsam eng.

Bilder eines goldenen Freitags

Es gab Nebel, Nieselregen, einen spektakulären Sturz und einen Super-Sprung von Eric Frenzel. Der Sachse führte und holte sich völlig überraschend den Weltmeister-Titel. Hier gibt es die schönsten Bilder.

Schanze im Nebel

Grau zeigte sich die Olympiaschanze von 1976 in Innsbruck.

Grau zeigte sich die Olympiaschanze von 1976 in Innsbruck.

Es war kein einfaches Springen für die Kombinierer. Zu Nebel und Regen gesellte sich auch Wind.

Der Blick nach Innsbruck war etwas getrübt.

Der Este Kristjan Ilves machte schmerzhafte Erfahrungen mit der Schanze.

Er blieb unverletzt, ein Ski schoss aber durch das Fangnetz, verfehlte aber zum Glück die TV-Kollegen.

Er galt als aussichtsreichster Deutscher: Johannes Rydzek. Doch nach dem Springen muss er mehr als eine Minute aufholen.

Fabian Rießle hatte gut lachen. Als Sechster geht es in das Rennen über zehn Kilometer.

Und auf Olympiasieger Eric Frenzel ist eben bei Großveranstaltungen Verlass. Mit 130,5 Metern setzte sich der Sachse durch und geht in Führung liegend in die Loipe.

Daran bissen sich die Topfavoriten die Zähne aus. Weltcup-Gesamtsieger Jarl Magnus Riiber liegt als Zehnter eine knappe Minute zurück.

Auch die im Training überragenden Österreich knackten die Frenzel-Weite nicht. Franz-Josef Rehrl als Vierter und auch Mario Seidl (2.) sind in der Loipe in der Verfolgerrolle.

Noch lagen zehn Kilometer vor Eric Frenzel, der mit Rehrl, Seidl und Jan Schmid aus Norwegen drei Begleiter hatte.

Die Verfolger gingen verflixt schnell an, besonders Johannes Rydzek (vorn) und Jarl Magnus Riiber. Doch das Führungsquartett konnten sie nicht knacken.

Es blieb packend bis zum Schluss. Die bessere Taktik und die schnelleren Beine hatte der Deutsche.

Gold! Unfassbar! Nach dieser so wechselhaften Saison. Glückwunsch Eric Frenzel.

So richtig realisiert hat es der Sachse noch nicht. Es ist bereits seine dritte Einzel-Goldmedaille bei einer WM. Die sechste goldene insgesamt.

Aber auch Jan Schmid und Franz-Josef Rehrl freuten sich ausgelassen über Silber und Bronze.

Stand: 23.02.2019, 01:55

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