DSV treibt die Entwicklung mit Blick auf 2021 weiter voran

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Nordische Kombination der Frauen

DSV treibt die Entwicklung mit Blick auf 2021 weiter voran

Von Raphael Honndorf, Seefeld

Blickt man auf die Wettbewerbe bei der Nordischen Ski-WM, gibt es eine Disziplin, in der die Frauen keine Rolle spielen: Die Nordische Kombination. Das wird sich ändern. Ganz so einfach ist das jedoch nicht. Die Wichtigkeit ist unbestritten - auch in Bezug auf die Kombination der Männer.

Im Herbst 2017 hatte der Internationale Skiverband (FIS) beim Nordic Forum einen Fahrplan für die Entwicklung der Nordischen Kombination der Frauen vorgestellt. Etappenpunkte waren unter anderem die Einführung von internationalen Wettbewerben, etwa dem Continental-Cup, der Junioren-WM, ersten Weltcup-Events und der nordischen Ski-WM 2021. Der 'Zielbahnhof' dieser Auftaktreise waren die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. Daraus wird nun schon einmal nichts. Das Executive-Board des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erteilte einer Aufnahme der Nordischen Kombination der Frauen im vergangenen Sommer eine Absage.

Nun ist das große Ziel also die Weltmeisterschaft 2021 in Oberstdorf. Der Deutsche Skiverband hält an einer Austragung eines Einzelwettbewerbs mit einem Springen und einem 5-Kilometer-Langlauf fest. "Wir wollen ein Zeichen setzen, weil wir überzeugt sind, dass die Nordische Kombination der Frauen ein Erfolg wird", erklärte DSV-Präsident Dr. Franz Steinle am Rande der Titelkämpfe in Seefeld. Er verwies dabei auf Ähnlichkeiten im Damenbereich des Skispringens. Auch da habe es vor zehn Jahren viele Diskussionen gegeben, mittlerweile sind die Wettbewerbe nicht mehr wegzudenken. In Seefeld gab es zudem die WM-Premiere des Teamwettbewerbs. Eine ähnliche Entwicklung erhofft sich der DSV auch bei der Nordischen Kombination.

Eigenes Kadersystem erst nach der WM

Doch der Weg ist noch weit, und ganz einfach ist er auch nicht. Das größte Problem ist es, genügend konkurrenzfähige Kombiniererinnen zu finden - nicht nur in Deutschland, sondern international. Bei der Junioren-WM in Lahti im Januar diesen Jahres gab es erstmals einen offiziellen Wettbewerb in der Nordischen Kombination der Mädchen. Über 30 Athletinnen aus 14 Nationen waren am Start. Die Leistungsspanne war dennoch recht groß. Aber aller Anfang ist schwer. DSV-Sportdirektorin Karin Orgeldinger sieht ihren Verband auf einem guten Weg: "Wir glauben an das Potential in der Nordischen Kombination der Frauen. Es ist ein sehr wichtiges Thema im DSV, wir werden als Verband mit Blick auf die WM in eine Grundförderung gehen."

Ein eigenes Kadersystem soll jedoch erst nach Oberstdorf 2021 aufgebaut werden. Dort sind dann die Vereine und Landesverbände gefragt, um an der Basis die Strukturen zu schaffen, wie der Sportliche Leiter der Nordischen Kombination im DSV, Horst Hüttel, erklärte. Bis dahin bleiben die Kombiniererinnen im System des Skispringens und erhalten zusätzliche Lauf-Lehrgänge. Zudem wird ihnen mit Klaus Edelmann ein erfahrener Trainer zur Seite gestellt. Jahr für Jahr wird die Entwicklung vom Kinder- bis in den Topbereich vorangetrieben und professionalisiert.

FInanzierung muss geklärt werden

Das kostet natürlich auch. Da hofft DSV-Präsident Steinle auf zwei Dinge: Zum Einen die Spitzensportreform, die öffentliche Gelder in die Kassen spülen könnte und zum anderen anderen auf die Ausweitung der Zusammenarbeit mit der Bundeswehr. In Gespächen mit Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen in Seefeld wurden weitere Stellen in Aussicht gestellt.

Bei der Junioren-WM sprangen für die deutschen Athletinnen drei Top-10-Plätze heraus. Im Continentalcup liegt die 16-jährige Jenny Nowak auf Rang drei. "Wir sind leistungsmäßig auf einem sehr guten Weg, müssen aber auch sagen, dass uns aktuell einige Damen, die die Nordische Kombination in den vergangenen Jahren bereits intensiviert haben, voraus sind", schätzt Hüttel die Ergebnisse ein.

Die Nordische Kombiniererin Jenny Nowak

Kein Druck von Seiten des Weltverbandes, Hoffnung auf Olympia

FIS-Renndirektor Lasse Otessen erklärte im Interview, dass es wichtig sei, dass es Geschlechter-Gleichheit nun endlich auch in der Nordischen Kombination gebe. Druck wird vom Weltverband deswegen aber nicht ausgeübt. Ähnlich sieht man es auch in Deutschland. "Ich finde es ganz toll, diese letzte Passion in die FIS-Familie zu integrieren. Das fehlt noch. Dann wäre der nordische Sektor vollständig", so Hüttel. Besonders mit seinen Kollegen in Österreich und Norwegen steht der Sportliche Leiter des DSV in regem Austausch. In diesem Sommer ist ein gemeinsames Sommercamp in Planung.

Eine kleine Hoffnung auf eine Reise zu den Olympischen Spielen 2022 besteht dennoch, wie Hüttel erklärte. China als austragende Nation der Winterspiele hat die Option einen Antrag ans IOC zu stellen, zusätzliche Disziplinen aufzunehmen - in dieses Fall eben die Nordische Kombination der Frauen. Dann würde sich der Fahrplan des Weltverbandes doch noch erfüllen. Eine Aufnahme in das Olympische Programm ist auch in Hinblick auf den Verbleib der Männer wichtig. Denn im Internationalen Olympischen Komitee gibt es kritische Stimmen, dass die Nordische Kombination bisher ohne die Frauen stattfindet. "Deswegen müssen gerade die starken Nationen zusammenstehen und gemeinsam die Mädchen auf ihrem Weg unterstützen", so Hüttel.

Thema in: Sportschau, Das Erste, 22.02.2019, 16.05 Uhr

Stand: 28.02.2019, 17:06

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