Bing: "Bringt mich nicht weiter, dauerhaft darüber nachzudenken"

Thomas Bing zu Besuch bei der Nordischen Ski-WM

WM-Aus schnell abgehakt

Bing: "Bringt mich nicht weiter, dauerhaft darüber nachzudenken"

Anfang Februar zerbrachen die WM-Hoffnungen von Thomas Bing im wahrsten Sinne des Wortes. Bei einem Trainingsunfall zog er sich eine Unterschenkel-Fraktur zu. Seine Nicht-Teilnahme hatte er schnell abgehakt und den Blick nach vorne gerichtet. Am Sonntag (24.02.2019) reiste er als Tourist und Fan zur nordischen Ski-WM. Dort analysierte er zudem den Langlauf-Teamsprint der Männer im TV. Sportschau.de bat ihn anschließend zum Interview.

Frage: Thomas Bing, die WM verpassen sie auf Grund ihres Beinbruchs. Wie geht es Ihnen aktuell?

Thomas Bing: "Ganz verpassen tue ich sie ja nicht, ich kann nur leider nicht starten. Soweit geht es mir ganz gut. Die Operation ist gut verlaufen, das Ergebnis ist sehr zufriedenstellend - annähernd perfekt. Nachts ist es noch sehr unangenehm, aber es wird von Tag zu Tag in kleinen Schritten besser."

Frage: Wie sieht ihr Tagesablauf aktuell aus?

Thomas Bing: "Ganz ohne Training geht es natürlich nicht. Ich arbeite in Erfurt mit zwei Physiotherapie-Praxen zusammen, die sich jeweils auf verschiedene Dinge spezialisiert haben. Mit Hilfe von speziellen Gerätschaften kann man, kann man die Beine komplett ausblenden und nur den Oberkörper trainieren. Das Problem daran ist, dass es kein effizientes Training für den Skilanglauf ist. Das ist eben nur auf Skiern möglich."

Frage: Für wann ist die Rückkehr auf Skier geplant?

Thomas Bing: "In diesem Frühjahr wird es sehr eng. Außer, wenn der Schnee bis in den Mai liegen bleibt, dann könnte ich noch ein paar Kilometer machen. Ansonsten wird es auf andere Trainingsformen wie Laufband oder Skiroller hinauslaufen. Dort steht man relativ stabil drauf und kann trotzdem ein gutes Ausdauertraining machen."

Thomas Bing zu Besuch bei der Nordischen Ski-WM

Frage: Wie sehr schmerzt es sie, bei der WM nicht dabei sein zu können?

Thomas Bing: "Es war erstaunlicherweise so, dass ich, als ich im Schnee lag und realisiert habe, dass ich mir das Bein gebrochen habe, bereits nach drei Sekunden ein Haken hinter die WM gemacht habe. Ab diesem Moment habe ich mir gesagt: 'Es bringt mich nicht weiter, wenn ich jetzt dauerhaft darüber nachdenke und rumheule'. Es ist ärgerlich, dass ich jetzt nicht dabei bin. Aber ich konnte es auch nicht mehr ändern. Von da an musste ich das Beste aus der Situation machen und habe geschaut, dass ich nicht zu viele Muskeln abbaue und das die Heilung schnell vonstatten geht."

Frage: Wie haben Sie die WM bisher verfolgt?

Thomas Bing: "Die ersten Tage habe ich alles, was übertragen wurde, im Fernsehen verfolgt. Und natürlich stehe ich auch mit den Athleten hier vor Ort im täglichen Austausch. Da bekommt man sehr viel mit. Das ist ganz schön. Wir reisen auch heute direkt wieder ab, weil morgen der Ruhetag ist. Dann bin ich wieder am TV dabei."

Frage: Wie lautet ihr bisheriges Fazit zu den Wettbewerben im Langlauf?

Thomas Bing zu Besuch bei der Nordischen Ski-WM

Während einer Pause fachsimpeln die verletzten Langläufer Nicole Fessel un Thomas Bing

Thomas Bing: "Der Sprint bei den Frauen war schon sehr stark. Die deutschen Frauen sind gut in Form. Die Männer hinken leider noch ein bisschen hinterher. Aber so eine WM ist lang und einige Athleten haben schon viele Kilometer in den Beinen, daher bin ich optimistisch. Auch wenn es heute bei den Teamsprints bei manchen nicht danach aussah, dass sie bereits den dritten Wettkampf bestreiten. Aber in der nächsten Woche, und gerade beim 50-Kilometer-Wettkampf, sehe ich schon noch Chancen auf eine Platzierung um die Top 10."

Frage: Das deutsche Langlauf-Team ist bisher noch ohne Medaille. Gibt es da noch eine Chance und wo sehen Sie das größte Potenzial auf Edelmetall?

Thomas Bing: "Bei den Staffeln kann immer etwas rausspringen. Man muss aber auch sagen, dass so wie sich die anderen Nationen - auch außerhalb der Skandinavier und Russen - präsentieren, wird es auch da sehr, sehr schwer werden. Da denke ich zum Beispiel an Frankreich, die heute wieder ein starkes Rennen geliefert haben und auch im Skiathlon am Samstag zu Beginn gut dabei waren. Aber bei den Staffel kann wie gesagt viel passieren. In den Einzelrennen wird es deutlich schwerer."

Frage: Wer hat sie von den anderen Teams bisher am meisten beeindruckt?

Thomas Bing: "Wirklich die Franzosen. Auch wenn sie noch keine Medaillenplatzierung geholt haben, aber als Team haben sie einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Das freut mich als Europäer, dass man nicht aus Skandinavien kommen muss, und es trotzdem hier funktionieren kann."

Vielen Dank für das Interview.

Mit Thomas Bing sprach Raphael Honndorf.

Langlauf der Herren - der WM-Teamsprint aus Seefeld Sportschau 24.02.2019 20:07 Min. Verfügbar bis 24.02.2020 Das Erste

Das Thema im Programm: Sportschau, Das Erste, 24.02.2019, 09.00 Uhr

Stand: 24.02.2019, 17:43

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