Der schönste Tag im Langlauf-Leben von Victoria Carl

Langlauf-Sprint bei der Ski-WM

Nach Platz fünf im WM-Langlauf-Sprint

Der schönste Tag im Langlauf-Leben von Victoria Carl

Von Dirk Hofmeister, Seefeld

So etwas gab es lange nicht - erstmals seit 2003 stand in einem WM-Sprint wieder eine deutsche Langläuferin im Finale. Platz fünf versöhnt nicht nur Victoria Carl mit der WM. Der Bundestrainer hofft jetzt auf eine Initialzündung.

"Heute Morgen habe ich nicht einmal gewusst, ob ich den Prolog überstehe. Und jetzt bin ich Fünfte bei der WM. Das ist so unglaublich. Ich bin so happy. Das ist der beste Tag meines Lebens." Als das Sprint-Finale endlich vorbei war, sprudelte es aus Victoria Carl nur so heraus. Gleich im ersten WM-Rennen der Titelkämpfe von Seefeld lief die 23-Jährige zum größten Erfolg ihrer Karriere - und wäre wohl sprachlos gewesen, wenn sie nicht gerade von ihren Gefühlen überwältigt gewesen wäre. "Ich war extrem nervös im Finale und zittere immer noch", sagte sie in eins der zahllosen Mikrofone im Zielbereich.

Ausgerechnet Carl

Der beste Tag im noch jungen Leben der Victoria Carl. Man könnte auch sagen: Ausgerechnet. Ausgerechnet Victoria Carl. Im Juniorenbereich mit einem Medaillenabonnement bei allen Großveranstaltungen hieß es im Erwachsenenbereich seit ihrem Weltcup-Auftakt 2012: Beziehungsstatus - kompliziert.

Die besten Bilder zur Langlauf-Überraschung von Carl und den Favoritensiegen

Langlauf-Sprint bei der Ski-WM

So sieht eine glückliche Fünftplatzierte aus!

So sieht eine glückliche Fünftplatzierte aus!

Vor mitreißender Kulisse in Seefeld musste sich ...

... Victoria Carl zwar im Finale der Langlauf-Sprints von Seefeld ...

... der norwegischen Favoritin Maike Caspersen Falla (vorn rechts) geschlagen geben.

Dass Carl nach Siegen u.a. gegen die Schwedin Maja Dahlqvist überhaupt ins Finale kam, war allerdings eine faustdicke Überraschung.

So jubelte nicht nur Falla ...

... sondern auch Carl, die der Siegerin hier zum Erfolg gratuliert.

Große Freude bei den Siegerinnen. Falla (Mitte) verteidigte ihren Titel, die drittplatzierte Norwegerin Mari Eide (re.) erlebte einen sehr emotionalen Moment. Rund zwei Monate nach dem überraschenden Herzinfarkt-Tod ihrer Schwester lief sie zu ihrer ersten WM-Medaille.

Aus deutscher Sicht konnte sich Sandra Rindwald (re.) noch über Rang zwölf freuen. Wobei sie sich nicht so richtig freuen konnte. Auf der Ziellinie ihres Halbfinales lag sie noch auf Rang zwei, schied dann aber als Letzte aus.

Bereits im Viertelfinale war für Laura Gimmler (re.) und Sofie Krehl (li.) Endstation.

Gimmler (li.) wurde 20., Krehl 28.

Viel Pech hatte die junge Norwegerin Kristine Stavaas Skistad (re.), die in ihrem Halbfinale an vorderer Position stürzte, ausschied, ...

... und bittere Tränen vergoss.

Richtig sauer war dagegen der Russe Sergej Ustjugow (vorn), der in seinem Halbfinale mit dem vor ihm laufenden Norweger Johannes Hoesflot Klaebo kollidierte, ins Straucheln kam und ausschied.

So machten den Sieg in den Sprints andere aus.

Und zwar Topfavorit Johannes Hoesflot Klaebo (li.) und Titelverteidiger Federico Pellegrino aus Italien (re.).

Vor mehreren tausend Zuschauern sahen die beiden Deutschen Sebastian Eisenlauer und Janosch Brugger die Konkurrenz ...

... nur von hinten. Die beiden schieden schon in der Qualifikation aus.

Und während nach dem Finale die beiden Erstplatzierten Klaebo und Pellegrino eher kühl blieben ...

... ging der drittplatzierte Russe Gleb Retivykh richtig aus sich heraus - er lief erstmals in seiner Karriere auf das Podest, und dann gleich bei einer WM.

Bisher keine Erfolgsgeschichte

Bei mehr als 60 Weltcupstarts schaffte es die Thüringerin lediglich in vier Einzelrennen in die Top 10 - unter die besten fünf gelangte Carl jedoch vor der WM von Seefeld nie. Zwischenzeitlich liebäugelte Carl 2014 sogar mit einem Wechsel zum Biathlon - blieb dann aber doch dem Langlauf treu. Dort kam zu taktischen Fehlentscheidungen immer wieder Pech. So wie bei der WM 2017 in Lahti, als sie als Viertschnellste der Sprint-Qualifikation im Viertelfinale schlimm auf den Kopf stürzte und sogar ins Krankenhaus musste. Oder im Januar 2019, als sie gemeinsam mit Teamsprint-Partnerin Sandra Ringwald im Weltcup-Halbfinale von Dresden in Führung liegend wegen eines Sturzes von Ringwald ausschied.

Schlickenrieder: "So entsteht ein richtiger Spirit"

Langlauf-Teamchef Peter Schlickenrieder hatte seine Vorgänger im Amt erst kürzlich noch dafür kritisiert, dass sie Carl "zu früh in diesen Hexelkessel" Weltcup geworfen haben, "anstatt sie kontinuierlich Schritt für Schritt zu entwickeln". Nun scheint der Neuaufbau im Langlauf erste Früchte zu tragen. Carl wird seit zwei Jahren u.a. vom früheren Weltklasseläufer Axel Teichmann betreut, unter ihm wurde ein Neuaufbau in der Trainingssteuerung vorgenommen. Bundestrainer Schlickenrieder setzt zudem auf mehr Eigenverantwortlichkeit seiner Sportler und Spaß im Training. Für Seefeld hofft er nun, dass der Erfolg von Carl eine Reaktion des gesamten Teams nach sich zieht. Der fünfte Platz von Carl sei "eine Motivation für das gesamte Team. Die eine legt vor, der andere legt nach, so entsteht ein richtiger Spirit", erklärte der 49-Jährige und schaut schon Richtung Heim-WM 2021:  "Wir sind nicht mehr allzu weit davon entfernt, Medaillen zu holen."

Carl: "Etwas ganz Neues"

Langlauf-Sprint bei der Ski-WM

Langlauf-Sprint bei der Ski-WM

Nach der ersten WM-Sprint-Finalteilnahme einer deutschen Langläuferin seit WM-Silber 2003 von Claudia Nystad erhofft sich nun auch Carl einen ordentlichen Schub. "Ich konnte im Finale zwar noch nicht dagegenhalten. Dass ich den ganz Großen im Langlauf etwas Angst machen konnte, das ist für mich etwas ganz Neues. Die Weltspitze ist nicht mehr so weit weg."

Nächste Chance Teamsprint

Am Sonntag im Teamsprint könnte sich für Allrounderin Carl erneut die Chance ergeben, die Großen etwas zu ärgern. Wie Schlickenrieder vor der WM schon angedeutet hattem, laufen die beiden Sprintbesten gemeinsam den Teamsprint. Neben Carl ist das noch Sandra Ringwald, die Sprint-Zwölfte wurde. Carl meinte schon vor der Nominierung dazu: "So ein Teamevent ist sehr geil, da hoffe ich drauf. Sandra und ich sind ein gutes Team." Es ist zudem die Chance, eine weitere im Weltcup gemachte Negativ-Erfahrung zu löschen.

Langläuferin Carl überrascht bei Fallas Sprint-WM-Sieg Sportschau 21.02.2019 00:41 Min. Verfügbar bis 21.02.2020 Das Erste

Thema in: Sportschau live, Ski-WM, 21.02.2019, 14.10 Uhr

Stand: 21.02.2019, 22:59

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