Es ist nicht nur Gold, das glänzt

Eisenbichler: "Mir macht es genauso viel Spaß wie vor zehn Jahren" Sportschau 25.02.2019 05:47 Min. Verfügbar bis 25.02.2020 Das Erste

Halbzeitbilanz und Ausblick

Es ist nicht nur Gold, das glänzt

Von Raphael Honndorf, Seefeld

Zehn von 22 Wettbewerben sind bei der Nordischen Ski-WM absolviert und das Team des Deutschen Skiverbandes hat bereits vier Goldmedaillen eingesammelt. Aber das sind nicht die einzigen Glanzlichter.

Zufriedene Mienen im WM-Klub des Deutschen Skiverbandes (DSV) beim Pressegespräch am Montag (25.02.2019). Präsident Dr. Franz Steinle und Sportdirektorin Karin Orgeldinger hatten geladen und zogen eine überaus positive Halbzeitbilanz. "Wir sind überrascht, wie gut es gelaufen ist. Vier Goldmedaillen und eine Silbermedaille ist weit über dem, was wir hoffen durften", erklärte Steinle vor den Medienvertretern. Ähnlich sieht es auch Sportdirektorin Karin Orgeldinger, die von einem "einfach grandiosen" Start sprach. Sie hatte sich im Vorfeld geweigert, eine Medaillenprognose abzugeben und ist daher mit der Ausbeute nach vier von zehn Wettkampftagen mehr als zufrieden.

Eisenbichler kommt aus dem Schreien nicht mehr heraus

Den Urschrei der Nordischen Ski-WM gab Markus Eisenbichler ab. Der 27-Jährige, der bis dato noch keinen Einzel-Weltcup-Sieg gefeiert hatte, hob sich den Sprung auf das oberste Podest ausgerechnet für die ganz große Bühne auf. Und er kam aus dem Schreien nicht mehr heraus. Nach der Landung, bei der Flower-Zeremonie und bei der Siegerehrung - immer sah man Eisenbichler mit weit aufgerissenem Mund. Da ging der Silberplatz des ebenfalls überragend springenden Karl Geiger fast ein wenig unter. Am Sonntag im Teamspringen folgte der nächste Goldsatz. Die Skispringer sind also mehr als nur im Soll.

Markus Eisenbichler

Markus Eisenbichler schreit die Freude heraus

Davon ist auch ARD-Experte Dieter Thoma etwas überrascht: "Als Team waren sie wirklich dominant - richtig dominant. Ich weiß nicht, wann ein deutsches Team so überlegen gewesen ist." Der Saisonverlauf hatte einige Ausschläge nach oben und nach unten. Karl Geiger holte seine ersten beiden Weltcup-Siege, Markus Eisenbichler war zu Beginn der Vierschanzentournee vorne dabei. Der einzige Saisonsieg als Team gelang in Zakopane, aber dort folgte auch ein Bruch. David Siegel verletzte sich beim Triumph schwer am Knie. Was folgte war ein "emotionales Tief", wie Thoma es beschreibt. "Die große Frage bleibt, was dann passiert ist?", so der 49-Jährige. In Willingen habe das Team dann wieder zu alter Stärke zurückgefunden. "Es ist vor allem eine psychische Sache", analysiert Thoma.

Der Blick auf die zweite Woche ist auch sehr verheißungsvoll. Am Dienstag gibt es die Premiere des Teamspringens der Frauen bei einer WM. Dort sind die DSV-Springerinnen Carina Vogt, Katharina Althaus, Juliane Seyfahrt und Ramona Straub die Favoritinnen. Sie führen in der Nationenwertung mit großem Vorsprung und haben die beiden Wettbewerbe im Weltcup souverän gewonnen. Die Herren sind nach den Auftritten von der Großschanze natürlich auch im Favoritenkreis auf der kleinen Anlage in Seefeld. Im Mixed-Springen am vorletzten WM-Tag geht das deutsche Team als Titelverteidiger an den Start.

Frenzel überrascht in der Nordischen Kombination

Ähnlich dominant wie die Skispringer sind auch die nordischen Kombinierer in Seefeld und Innsbruck unterwegs. Nach den beiden Rennen wurde jeweils die deutsche Nationalhymne gespielt. Eric Frenzel siegte nach einem grandiosen Sprung im Einzelrennen und bejubelte zwei Tage später gemeinsam mit Fabian Rießle die nächste Goldmedaille. "Mit Eric muss man immer rechnen. Aber er war angesichts des Saisonverlaufes kein Favorit. Man weiß aber, dass er, wenn er eine kleine Chance hat, diese nutzt", sagte Georg Hettich, Olympiasieger von 2006, bereits nach dem ersten Triumph. Dieser Titel habe schließlich für Ruhe im Team gesorgt und gezeigt, dass man "nicht schlecht in Form ist", erklärt Hettich weiter. Im Vorfeld habe es große Anspannung wegen der Unsicherheit nach den Weltcup-Ergebnissen gegeben. Nun sei die Stimmung gelöster.

Fabian Rießle und Eric Frenzel

Fabian Rießle und Eric Frenzel bejubeln ihren Triumph

DSV-Sportdirektorin Orgeldinger sieht die Leistungen als Folge einer wichtigen Entscheidung, welche das Team um Hermann Weinbuch vor der WM getroffen hat. "Die anderen Nationen haben sich in dieser Phase eventuell zu sehr auf die Ergebnisse fokussiert. Unser Team hat einen Trainingsblock eingelegt und beim Material und dem Springen noch weiter gearbeitet. Das war der richtige Schritt", so Orgeldinger.

Eine Prognose für die anstehenden Wettkämpfe ist für den ehemalige Kombinierer Hettich schwierig. Aber sein Geheimtipp lautet Vinzenz Geiger. "Er wurde bisher unter Wert geschlagen, weil er krank war", sagt der 40-Jährige. Dennoch dürfe man die Athleten, die bisher im Weltcup vorne waren, nicht ignorieren - besonders Jarl Magnus Riiber müsse man stets auf dem Schirm haben. Die Zeit-Abstände werden nach den Sprüngen auf der kleinen Schanze kleiner sein, prognostiziert Hettich. In den daraus entstehenden größeren Laufgruppen seien schließlich die sprintstarken Läufer bevorteilt: "Es gibt einen sehr großen Favoritenkreis."

Langläufer einen Schritt weiter als gedacht

Obwohl die Langläufer bisher ohne Edelmetall geblieben sind, gibt es beim Blick auf die Ergebnislisten Grund zum Strahlen. "Wir sind auf Kurs. Wir haben diese Weltmeisterschaft als Zwischenschritt angesehen, jetzt sind wir sogar einen Schritt weiter gekommen", erklärte Orgeldinger. Insgeheim habe man beim DSV eher auf tolle Ergebnisse in der zweiten Woche spekuliert, mit dem fünften Platz von Victoria Carl im Sprint und dem sechsten Platz von Carl und Ringwald im Team sei man deshalb "voll zufrieden". Schon vor den Titelkämpfen war die WM in Seefeld als Zwischenschritt mit Blick auf die Heim-WM in Oberstdorf 2021 und die Winterspiele 2022 in Peking ausgerufen worden.

Victoria Carl (r) aus Deutschland umarmt Siegerin Maiken Caspersen Falla (l) aus Norwegen

Victoria Carl (r) aus Deutschland umarmt Siegerin Maiken Caspersen Falla (l) aus Norwegen

Einer der Gründe für die Leistungssteigerung ist die Einbindung ehemaliger Spitzenathleten in das Trainerteam. Angeführt von Bundestrainer Peter Schlickenrieder profitieren die vielen jungen Athleten von einem "riesigen Erfahrungsschatz", erklärt Orgeldinger. Auch der verletzte Thomas Bing, der am Sonntag als Gast bei der WM weilte, sieht besonders seine Kolleginnen auf einem guten Weg: "Die deutschen Frauen sind gut in Form. Die Männer hinken leider noch ein bisschen hinterher." Bing selbst galt als sicherer Kandidat für die Staffel, genau dort sieht er auch das größte Potential auf eine mögliche Langlauf-Medaille. "Bei den Staffeln kann immer etwas rausspringen. Man muss aber auch sagen: So wie sich die anderen Nationen - auch außerhalb der Skandinavier und Russen - präsentieren, wird es auch da sehr, sehr schwer werden", so der 28-Jährige.

DSV-Verantwortliche warnen vor Nachlässigkeiten

Das Fundament für die tollen Ergebnisse liegt laut Präsident Steinle im "Teamspirit. Den kann man nicht hoch genug einschätzen." Zudem finde er es großartig, dass Langläufer, Nordische Kombinierer und Skispringer voneinander profitieren. "Alle Disziplinen sind in einem Hotel untergebracht und die Athleten, Betreuer und Trainer können sich untereinander austauschen. Das ist hervorragend", sagte Steinle.

Trotz der Erfolge will sich der DSV nicht auf dem Geleisteten ausruhen. Das Motto für die nächste Woche gab Präsident Steinle vor: "Fokussiert bleiben". Aus der Erfahrung vergangener Titelkämpfe, als das Team in der zweiten Woche etwas nachließ, habe man gelernt, erklärte Sportdirektorin Orgeldinger. "Wir wollen die Herangehensweise nicht verändern, nur weil wir Erfolg haben. Wir tun gut daran, jetzt keinen Höhenflug zu bekommen. Stattdessen wollen wir angreifen", lautet ihr Ziel.

Skispringen - die Siegerehrung nach dem Team-Springen Sportschau 24.02.2019 13:57 Min. Verfügbar bis 24.02.2020 Das Erste

Nordische Kombination - der Langlauf des WM-Teamsprints Sportschau 24.02.2019 33:26 Min. Verfügbar bis 24.02.2020 Das Erste

Langlauf der Damen - der WM-Teamsprint aus Seefeld Sportschau 24.02.2019 18:03 Min. Verfügbar bis 24.02.2020 Das Erste

Thema in: Sportschau, Das Erste, 26.02.2019, 15.10 Uhr

Stand: 25.02.2019, 14:25

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