Die Gewinner und Verlierer von Seefeld

Katharina Althaus

Nordische Ski-WM 2019

Die Gewinner und Verlierer von Seefeld

In Seefeld ist eine wahrlich denkwürdige Nordische Ski-WM zu Ende gegangen. In guter Erinnerung werden die Erfolge der deutschen Athleten bleiben. Seinen Eintrag ins Schwarzbuch des Weltsports erhält der Dopingskandal.

Ein Gewinner ist die WM an sich. Kurze, bestens organisierte Wege auf dem Seefelder Hochplateau, perfekte Sportstätten, meist herrlichstes Winterwetter: Was das WM-OK planen und umsetzen konnte, tat es in perfekter Weise, bei allem anderen half das nötige Glück. Die Latte für Oberstdorf, den WM-Gastgeber in zwei Jahren, liegt hoch.

Gewinner Markus Eisenbichler

Einen besseren Werbeträger kann sich eine Sportart nicht wünschen. Der dreifache Skisprung-Weltmeister von Seefeld war sportlich über jeden Zweifel erhaben und blieb auch in den Momenten des größten Erfolges der authentische Sympathieträger mit den klaren Werten. Der "Eisei" eben.

Gewinner Eric Frenzel

Früher hat der kleine Sachse die Weltcup-Saison dominiert und dazu noch eine WM-Goldmedaille geholt So war es zum Beispiel 2013 und 2015. Diesmal verpatzt er die Weltcup-Saison schon mal gründlich und wird dann eben gleich zwei Mal Weltmeister. Frenzel bleibt ein Phänomen.

Gewinner Gleichberechtigung

Seyfarth, Vogt, Althaus und Straub jubeln über Gold

Seyfarth, Vogt, Althaus und Straub jubeln über Gold

Der neue Teamwettkampf der Skispringerinnen in Seefeld war spannend und - was in dieser Form nicht unbedingt zu erwarten war - durchaus hochklassig. 2021 in Oberstdorf soll ein Großschanzen-Springen der Frauen hinzukommen, zudem feiern die Kombiniererinnen Premiere. Das Programm von Männern und Frauen wird dann fast angeglichen sein - noch 2007 hatten die Herren doppelt so viele Wettkämpfe wie die Damen.

Gewinner Norwegen

Erstmals seit 2001 blieben die norwegischen Skisprung-Männer ohne Medaille. Dass Norwegen trotzdem ein neues Rekordergebnis erzielte und mit himmelweitem Vorsprung vor Deutschland erfolgreichste WM-Nation wurde, darf der Konkurrenz durchaus Angst machen: Finden die Springer zu alter Stärke zurück, wird es für die Gegner der nordischen Großmacht hässlich.

Verlierer Skilanglauf

Dominik Baldauf

Einer der Dopingsünder: Dominik Baldauf

Die Dopingrazzien Mitte der zweiten WM-Woche warfen einen großen Schatten auf die WM. Ein österreichischer Langläufer, der mit Nadel im Arm verhaftet wurde, ist nur ein Bild, das hängenbleiben wird. Der Schaden für den Skilanglauf ist riesig, zumal die herausragende Athletin von Seefeld, Therese Johaug, eine Ex-Sünderin ist. Dass die deutsche Loipensparte eine bemerkenswerte Renaissance erlebte, war da leider Nebensache.

Verlierer Peter Schröcksnadel

Wer über den Dopingskandal berichtete, kam am ewigen Präsidenten des österreichischen Skiverbandes nicht vorbei. Es ist erstaunlich, wie der 77-Jährige seit 1990 sämtliche Krisen und Skandale aussitzt. Zu den Betrügern in seinem Team fiel Schröcksnadel nur ein, dass "Eltern ja auch erst als letztes erfahren, wenn die Kinder Drogen nehmen". Klang alles wie Satire, war es aber leider nicht.

Verlierer Walter Hofer

Der letzte WM-Einzelwettbewerb unter der Regie des scheidenden FIS-Renndirektors verkam zur Farce. Weil Hofer und seine Mitstreiter das Springen von der Normalschanze durchprügeln wollten, obwohl der Schnee die Anlaufspur minütlich unbrauchbarer machte, fiel auf die Siegerprämie vermutlich Glücksspielsteuer an. Das einzig Ehrenrettende: Im Polen Dawid Kubacki gewann einer, der auch unter regulären Bedingungen dazu fähig gewesen wäre.

Verlierer Andreas Wellinger

Im Vorjahr war er als Olympiasieger die große Nummer unter den deutschen Skispringern. Jetzt lief die WM völlig an ihm vorbei. Auf der Großschanze belegte Wellinger Platz 32, es blieb sein einziger Einsatz und er der einzige männliche DSV-Adler ohne Medaille. Tröstlich: Mit 23 Jahren wird es nicht seine letzte Chance gewesen sein.

Verlierer Innsbruck

Blick vom Bergisel

Blick vom Bergisel

Der Plan klang gut: Die Seefelder Organisatoren wollten die Begeisterung glorreicher Vierschanzentournee-Tage in die WM hinüberretten und ließen von der 30 Kilometer entfernten Großschanze in Innsbruck springen. Den Bergisel hatten die Österreicher aber schon zuletzt bei der Tournee nicht ausverkaufen können, nun schwankten die Besucherzahlen zwischen nicht mehr messbar (Kombinations-Springen) und ordentlich (Spezialspringen). Die offiziellen Angaben wurden deutlich geschönt. Allerdings: Die Innsbrucker Variante war immer noch deutlich dem Bau einer zusätzlich Großschanze in Seefeld vorzuziehen.

Thema in B5 Sport, 03.03.2019, 15.55 Uhr

sid/red | Stand: 03.03.2019, 13:56

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