Nach Doping-Razzia - Beweislage "nahezu erdrückend"

Doping-Kontrolle

Doping-Beben bei der Ski-WM

Nach Doping-Razzia - Beweislage "nahezu erdrückend"

Nach der Dopping-Razzia in Seefeld und Erfurt spricht Staatsanwalt Kai Gräber von einer "nahezu erdrückenden" Beweislage. DSV-Präsident Franz Steinle bekräftigte noch einmal, dass kein deutscher Athlet verwickelt sei.

"Uns tut es etwas weh und uns verärgert es etwas, dass man nicht hinreichend differenziert zwischen einem Netzwerk und dem Sport als solchem. Wir haben mehrfach betont, dass nach unseren Recherchen im DSV kein Athlet in irgendeiner Betreuung bei diesem Arzt ist", sagte DSV-Präsident Franz Steinle am Sonntag (03.03.) bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld.

Der DSV hatte nach den Durchsuchungen in Seefeld und Erfurt am Mittwoch geprüft, ob es Verbindungen zu dem Erfurter Arzt Mark S. gegeben habe. Dies soll nach Angaben des Verbandes nicht der Fall sein. "Ich kann von ganzem Herzen sagen, dass wir eine Null-Toleranz-Politik haben, was Doping angeht. Unsere einzige Chance ist, die Athleten zu erziehen, dass das keineswegs ein Weg ist. Wir tun das mit Inbrunst, und da sind wir auf einem ganz guten Weg", sagte Steinle.

Zuvor hatte Staatsanwalt Kai Gräber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" gesagt: "Mir fällt kein Fall ein, der ähnlich spektakulär vom Aufschlag und ähnlich gut von der Beweislage gelaufen ist." Die Razzia sei der größte Erfolg einer deutschen Staatsanwaltschaft im Kampf gegen Doping. Die Beweislage sei noch nicht abschließend zu bewerten. "Aber es hat schon schlechtere Beweislagen gegeben. Sie ist nahezu erdrückend", wird Gräber, Abteilungsleiter der zuständigen Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft in München, zitiert. Rund 40 Blutbeutel waren laut Angaben des Staatsanwalts in einer "Garage in Erfurt gefunden worden, entfernt von der Praxis". Aktuell sind die Ermittler dabei, die kodierten Zuordnungen der Beutel zu den Athleten zu entschlüsseln.

 Gräber - Noch keine Erkenntnisse zu deutschen Sportlern

Gräber weiß noch nicht, ob Deutsche unter den Kunden des Erfurter Sportarztes Mark S. waren: "Ich formuliere es so: Mir liegen bislang keine Erkenntnisse vor, dass deutsche Athleten zum illegalen Patientenstamm des Beschuldigten gehört haben." Für "ein bisschen übertrieben" hält er die Bezeichnung "kriminelles Netzwerk" in diesem Fall. Als "durchaus denkbar" bezeichnete er die Vermutung, dass auch Radsportler zu den Klienten gehören.

Video zeigt Langläufer beim Dopen Sportschau 01.03.2019 01:40 Min. Verfügbar bis 01.03.2020 Das Erste

Sportarzt will aussagen

Im Zuge einer Doping-Razzia im WM-Ort Seefeld waren am Mittwoch (27.02.2019) fünf Langläufer (Max Hauke, Dominik Baldauf/beide Österreich, Alexei Poltoranin/Kasachstan und Andreas Verpaalu, Karl Tammjärv/beide Estland) festgenommen worden. Alle haben inzwischen Eigenblutdoping gestanden und sind wieder auf freiem Fuß. Unter Verdacht steht der Erfurter Arzt Mark S., der inzwischen in München in Haft ist. Andreas Kreysa, Anwalt des Erfurter Mediziners, sagte im ARD-Interview: "Wir haben uns dazu entschlossen, vollumfänglich und rückhaltlos mit der Staatsanwaltschaft zu kooperieren." Dem Mediziner droht eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren - sofern ihm und seinen mutmaßlichen Komplizen ein gewerbs- oder bandenmäßiges Delikt nachgewiesen werden kann.

Staatsanwalt spricht von "All-inclusive-Paket"

Die Bild-Zeitung hatte zuvor von Zahlungen von 5.000 Euro pro Sportler an S. für dessen Dienste berichtet. Gräber kann sich auch höhere Preise vorstellen. "Die Summen dürfen aber durchaus auch höher gewesen sein, zwischen acht- und fünfzehntausend Euro", sagte der Staatsanwalt: "Nicht pro Jahr gezahlt, sondern pro Saison nach unseren Erkenntnissen. Das war ein All-inclusive-Paket."

Langauf-Trainer erwägt Klage gegen Dürr

Peter Schröcksnadel, seit 1990 Präsident des Österreichischen Skiverbands (ÖSV), war nach dem Doping-Beben in den Angriffsmodus gegangen. "Ich habe Informationen, dass auch deutsche Athleten betroffen sind", sagte er auf Nachfrage des MDR. Für Schröcksnadel ist Österreich im jüngsten Doping-Skandal mehr Opfer als Täter.

Österreichs Langlauf-Chef Gandler erwägt sogar eine Klage gegen "Whistleblower" Johannes Dürr. Der des Dopings überführte Langläufer Dürr hatte in einer ARD-Dokumentation behauptet, er sei bei der Manipulation auch von Offiziellen des Österreichischen Skiverbandes unterstützt worden. Im Radiosender Ö3 verlangte Gandler nun, dass Dürr Namen nennen solle. Dies wolle er auch mit anwaltlicher Hilfe durchsetzen.

red/sid/dpa | Stand: 03.03.2019, 09:36

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