IOC-Präsident Thomas Bach.

Exekutivsitzung in Lausanne IOC hält an Russland-Sanktionen fest

Stand: 07.12.2022 19:00 Uhr

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hält an den Sanktionen gegen Russland und Belarus in Folge des Angriffskrieges gegen die Ukraine fest. Es sucht aber nach einer einheitlichen internationalen Lösung für die Teilnahme von Athleten aus den beiden Ländern, wie der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach am Mittwoch (07.12.2022) bekräftigte.

"Es dürfte keine Überraschung sein, dass die Sanktionen gegen die Länder Russland und Belarus und deren Regierungen in keiner Weise infrage gestellt wurden", sagte IOC-Präsident Thomas Bach nach einer Sitzung des Exekutivkomitees in Lausanne. Die Sanktionen wurden wegen des Verstoßes durch den Krieg gegen die olympische Charta verhängt.

Mögliche Rückkehr von Athleten aus Russland und Belarus

Zugleich warb Bach aber für eine offene Diskussion über die Rückkehr russischer und belarusicher Athleten in den Weltsport. "Sie können nicht für Handlungen ihrer Regierungen bestraft werden. Wir untersuchen Möglichkeiten, ihre Teilnahme zu ermöglichen", sagte Bach.

"Ich werde nicht müde zu erklären, dass die Teilnahme von Athleten sehr verschieden ist von den Sanktionen für ihre Regierungen", sagte Bach: "Die Position der olympischen Bewegung war und ist, Athleten dürfen nicht für Handlungen ihrer Regierungen bestraft werden."

Manche Regierungen hätten ihren Athleten gedroht, finanzielle Unterstützung zu streichen, wenn sie gegen Sportler aus den beiden Ländern antreten. "Alles das hat uns in ein großes Dilemma gebracht, weil der Start bei Wettkämpfen nicht mehr auf sportlichen Fähigkeiten basierte, sondern auf politischen Entscheidungen", sagte Bach.

Bach: "IOC musste gegen eigene Werte verstoßen"

Bach unterstrich nochmals die strikte Linie des IOC, dass der Sport von politischen Begleitumständen zu trennen sei - in einem minutenlangen Exkurs, unter anderem auf die UN-Vollversammlung im September oder den G20-Gipfel im November, bei dem mehrere Staatsmänner an die Unabhängigkeit des Sports von der Politik appelliert hätten.

"Wir mussten gegen unsere eigenen Werte verstoßen", kommentierte Bach: "Wir sollten Sportler nie wegen ihres Passes von Wettkämpfen ausschließen. Ihre Teilnahme sollte auf sportlichen Leistungen basieren, nicht auf politischer Einmischung."

Die olympische Bewegung müsse "eine vereinigende Kraft und keine spaltende Kraft" entfalten, wiederholte Bach die altbekannte Leitlinie, mit der das IOC zuletzt auch Bedenken gegen Olympia-Gastgeber mit problematischer Menschenrechtslage beiseite wischte, wie China oder Russland.

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Mit einer ähnlichen Argumentation möchte Bach nun wohl auch den Weg bereiten für eine Rückkehr der zuletzt geächteten Athleten aus Russland und Belarus. "Wir brauchen Wege, um das Dilemma zu lösen", betonte er.

Im Dialog mit den Athletenvertretern, den Weltverbänden und den Nationalen Olympischen Komitees solle nach einem Ausweg gesucht werden. Am Freitag beim digitalen olympischen Gipfeltreffen steht dieses Thema zur Debatte. Dort ist auch der russische NOK-Präsident Stanislav Podsniakow eingeladen.