Ohne Auto ungenießbar - "Strietzel" Stuck wird 70 Jahre alt

Stuck über Mick Schumacher: "Bodenständiger, sauschneller Mann" Sportschau 30.12.2020 01:01 Min. Verfügbar bis 30.12.2021 Das Erste

Motorsport-Legende feiert Geburtstag

Ohne Auto ungenießbar - "Strietzel" Stuck wird 70 Jahre alt

Er fuhr in der Formel 1, der DTM, in Le Mans und immer wieder auf dem Nürburgring - und noch heute hält seine Frau Uschi ihn ohne Auto für ungenießbar. Die deutsche Rennfahrer-Legende Hans-Joachim "Strietzel" Stuck wird am Neujahrstag 70 Jahre alt.

An sein erstes offizielles Rennen kann sich Hans-Joachim Stuck noch genau erinnern. Damals war er 18 Jahre alt, und das Ergebnis war ausbaufähig. "Ein siebter Platz in meiner Altersklasse bei einem 300-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring. Ich musste ungefähr 17-mal anhalten, weil etwas kaputt gegangen war", erinnert sich Stuck lachend.

Das Rennen in der Eifel war der Auftakt einer Motorsport-Karriere, die ihn in die Formel 1, die DTM und nach Le Mans führte. Mehr als 40 Jahre war der gebürtige Garmisch-Partenkirchener dabei, am Neujahrstag wird Stuck 70 Jahre alt.

"Strietzel" - die Tante ist schuld

Gegen ein Leben für den Motorsport konnte sich "Strietzel" gar nicht wehren. Sein Vater war "Bergkönig" Hans Stuck, und der hielt auf dem Nürburgring Fahrerlehrgänge ab. "Von klein auf" sei er deswegen mit Rennwagen in Berührung gewesen, erinnert sich Stuck. Per Sondergenehmigung bekam er mit 16 Jahren den Führerschein. Den Spitznamen "Strietzel" verdankt er übrigens seiner Patentante Emmi. Als sie ihn bei der Taufe auf dem Arm hatte, will sie eine Ähnlichkeit mit einem Hefezopf gesehen haben.

DTM-Sieger und zweimal auf dem Formel-1-Podium

Stuck erinnert sich gerne an seine Karriere - und an seine unzähligen Erfolge. Zwischen 1974 und 1979 bestritt er 74 Rennen in der Formel 1, wurde bei zwei Rennen Dritter. 1970, 1998 und 2004 gewann Stuck das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. 1986 und 1987 siegte er beim Langstreckenklassiker in Le Mans, 1990 holte er den Titel in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft. "Der erste Le-Mans-Sieg war der schönste Moment in meiner Karriere", sagt Stuck - und zugleich einer seiner schlimmsten. Damals verstarb auch sein Freund Jo Gartner: "Als ich davon erfuhr, wollte ich erst nicht weiterfahren, aber mein Teamchef sagte: du musst. Immer wieder kam ich an der Unfallstelle vorbei. Es war furchtbar."

Sein Zimmer war immer aufgeräumt - falls er stirbt

Der Tod war in der Fahrergeneration Stucks ein ständiger Begleiter. "Ich habe das in der ersten Reihe erlebt, es waren große Belastungen", erinnert er sich: "Aber sobald ich im Auto saß und der Motor lief, war es weg." Sein Hotelzimmer habe er "immer so hergerichtet, dass man es vorzeigen konnte" - für den Fall, dass er nicht zurückkehren würde: "Nicht, dass die Leute einen Schreck kriegen." Stuck hat von seinen Unfällen ein künstliches Nasenbein davongetragen. "Sonst war da nix", sagt er. Dem Rennfahren blieb Stuck trotz aller Gefahren lange treu. Erst 2011 zog er sich vom aktiven Motorsport zurück, von 2012 bis Anfang 2020 war er Präsident des Deutschen Motorsport Bundes (DMSB).

Viel Lob für Mick Schumacher

Den modernen Motorsport verfolgt er weiter mit großem Interesse. Die Formel E sei eine "interessante Alternative", die durch "fantastische Konzepte" überzeuge. Eine "gute Zukunft" prophezeit Stuck auch der DTM, die 2021 als GT-Serie mit Privatteams in eine neue Epoche startet. Sein großes Augenmerk gilt aber der Formel 1 und Mick Schumacher. "Höchsten Respekt" habe er vor dem, was der Sohn des Rekordweltmeisters Michael Schumacher auf seinem Weg in die Königsklasse erreicht habe, sagt Stuck: "Nun muss man ihm die nötige Zeit geben. Er muss sich Erfahrung holen, das System Formel 1 verstehen. Wenn er das zwei Jahre lang getan hat und dann ein gutes Auto bekommt, wird er garantiert gewinnen."

Feier in kleinem Kreis

Eine Geburtstags-Sause wird es nicht geben, die Stimmung vor seinem 70. Geburtstag ist bei Stuck und seiner Frau Uschi gedämpft. Wegen der Corona-Pandemie und des Lockdowns in seiner Wahlheimat Österreich werde "gar nix gefeiert", sagt er, "meine beiden Buben kommen vorbei, wir sind dann zu viert. Das war's." Auch sein geliebtes Feuerwerk sei diesmal "nicht angebracht". Die Söhne Johannes und Ferdinand sind beide ebenfalls Rennfahrer. An deren Seite beendete Stuck 2011 nach dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring seine Karriere - also dort, wo damals alles begann.

Ob Le Mans oder Formel 1: Hans-Joachim Stuck geht's nicht zu schnell Sportschau 31.12.2020 01:24 Min. Verfügbar bis 31.12.2021 Das Erste

Von Autos kann er auch heute noch nicht lassen. Stuck ist für einen großen Autohersteller als Markenbotschafter unterwegs. Die Corona-Krise hat ihn ausgebremst. "Ich hoffe, dass ich im kommenden Jahr wieder mehr hinter das Lenkrad greifen kann", sagt er und ergänzt lachend: "Das ist mein Leben. Meine Frau sagt schon mal: Ohne Auto bist du ja ungenießbar. Das gebe ich gerne zu."

sid/dpa | Stand: 30.12.2020, 11:28

Darstellung: