NASCAR-Neuling Jordan - Mehr Diversität im Motorsport

Der ehemalige Basketballspieler Michael Jordan spricht während einer Pressekonferenz

NASCAR

NASCAR-Neuling Jordan - Mehr Diversität im Motorsport

Als Basketballer war Michael Jordan schon zu Lebzeiten eine Legende. Nun wagt er beim NASCAR etwas Neues. Jordan ist der einzige schwarze Eigner der Rennsportserie. Das soll auch neue Fans und Sponsoren locken.

Die Liste der Gratulanten war lang: Auch Lewis Hamilton meldete sich im Herbst nach Bekanntgabe der "Breaking News" via Twitter und gratulierte. Seitdem der frühere Basketballer Michael Jordan seinen Einstieg als Team-Eigner bei NASCAR verkündete, hat die Rennserie plötzlich eine andere, eine größere, ja sogar eine globale Wahrnehmung.

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Zeit scheint jetzt perfekt zu sein

Jordan ist ein Wiederholungs- und Überzeugungstäter: Als Besitzer der Charlotte Hornets seit 2010 ist er bereits der einzige schwarze Mehrheitseigentümer der NBA - nun füllt er eine ähnliche Rolle beim NASCAR aus. Dort hatte es zuletzt vor rund 50 Jahren mit Wendell Scott einen afro-amerikanischen Team-Eigner gegeben.

"Historisch gesehen hat NASCAR immer Probleme mit Diversität gehabt. Doch die Zeit scheint jetzt perfekt zu sein, da NASCAR sich entwickelt und soziale Veränderungen mehr und mehr begrüßt", meinte Jordan in einer Pressemitteilung.

Und so sei es für ihn "selbstverständlich gewesen", betont der 58-Jährige, dass mit Darrell "Bubba" Wallace der gegenwärtig einzige schwarze NASCAR-Pilot für seinen Rennstall fahre. "23XIRacing" heißt das Team, das Jordan zusammen mit dem dreimaligen Daytona 500-Champion Denny Hamlin gründete. Die 23 ist natürlich eine Anlehnung an Jordans Rückennummer auf dem Trikot der Chicago Bulls.

Jordan wuchs mit NASCAR auf

"His Airness" machte den Verein in den Neunzigern weltweit bekannt, führte die Bullen zu sechs NBA-Meistertiteln. Seine Wurzeln liegen jedoch in North Carolina. Als er fünf Jahre alt war, zog die Familie von New York in den südlichen Bundesstaat, wo schnelle Autos mindestens so populär sind, wie es Basketball ist.

"Ich bin mit NASCAR aufgewachsen. An den Wochenenden hat mein Vater unsere gesamte Familie zu allen berühmten Rennen mitgenommen. Seitdem bin ich Feuer und Flamme für diesen Sport", sagte Jordan dem US-TV-Sender "Fox". 

Ein Engagement kam trotz aller Begeisterung bislang jedoch nie in Frage. Denn NASCAR hatte keine gute Reputation. Die Rennen sind vor allem im erzkonservativen Süden der USA beliebt - und die größtenteils weißen Fans präsentieren regelmäßig stolz die Confederate Flag.

Die als Südstaaten- oder auch Rebel-Fahne bekannte Flagge gilt als Symbol für Sklaverei und Ungerechtigkeit. Und sie schreckt vor allem Minderheiten ab. "NASCAR kämpft seit 20 Jahren damit, sich jenseits des weißen Mannes aus dem Süden auszudehnen", sagt Dr. Brett Boyle, Professor für Marketing an der Universität von St. Louis gegenüber "CNBC".

NASCAR im Wandel

Doch in Zeiten von Black Lives Matter scheint sich auch NASCAR zu wandeln. Er sei, sagt Bubba Wallace, oft von den Verantwortlichen gefragt worden, was man tun könne, um Minderheiten anzulocken? "Ich meinte nur, dass die nicht kommen, bevor diese Fahne nicht verschwindet. Wenn die weg ist, öffnen wir unsere Türen für eine ganz neue Schar von Interessenten", betonte Wallace bei "Fox".

Er war es letztlich, der im Sommer forderte, die Flagge auf allen Rennstrecken zu verbieten. Und er hatte damit Erfolg. "Die Präsenz dieser Fahne steht im Gegensatz zu unserem Bekenntnis, bei unseren Veranstaltungen eine einladende Atmosphäre zu bieten - frei von anstößigen Symbolen", begründete NASCAR.

"Tiger Woods-Moment" für NASCAR? 

Das Verbot der Fahne war das Startsignal für Jordan. Er will durch sein Engagement mithelfen, "neue Fans und Sponsoren zu gewinnen sowie Schwarzen mehr Möglichkeiten im Rennsport eröffnen." Boyle sieht in der Kombination Jordan/Wallace einen möglichen "Tiger Woods-Moment" für NASCAR. Als Woods in den Neunzigern auftauchte, hätten sich plötzlich "jüngere Leute für Golf interessiert", so Boyle.

Durch einen Michael Jordan, betont der Marketing-Experte, würden "nicht nur jüngere Fans angelockt, sondern auch Afro-Amerikaner und andere Randgruppen." Und NASCAR hat neue Interessenten dringend nötig. Zwischen 2014 und 2019 gingen die TV-Zuschauerzahlen von 5,3 auf 2,92 Millionen zurück.

Jordan unterschreibt "keine Gehaltszettel für Verlierer"

In der Vergangenheit waren andere Sportstars bereits in NASCAR involviert. Allen voran ehemalige NFL-Spieler wie Troy Aikman, Brett Favre, Roger Staubach, Randy Moss, Dan Marino oder auch Terry Bradshaw. Doch keiner hatte eine derartige Strahl- und Anziehungskraft wie Michael Jordan.

Der will jedoch nicht nur ein Fan-, Sponsoren- Promimagnet auf den Rennovalen sein, sondern vor allem mit seinem Team konkurrenzfähig. Und deshalb macht er eine klare Ansage. "Ich unterschreibe keine Gehaltszettel für Verlierer." Nach den ersten beiden Rennen führt Hamlin die Punktewertung an, Wallace ist 13.

Stand: 25.02.2021, 12:25

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