Formel 1 in Frankreich: Die Karten werden neu gemischt

Lewis Hamilton 2019 in Le Castellet

Formel 1 in Le Castellet

Formel 1 in Frankreich: Die Karten werden neu gemischt

Mit dem Großen Preis von Frankreich steht das siebte Rennen im Formel-1-Jahr an. Bislang wurde die Hackordnung ordentlich durcheinandergemischt - mit deutlich schlechteren Karten für Weltmeister Lewis Hamilton. Doch in Le Castellet deutet einiges auf einen offenen Kampf hin. Alles Wichtige rund um das Rennen.

Die Lage

Die Strecke in Le Castellet kehrte 2018 nach 28 Jahren Pause wieder in den Rennkalender zurück. Zuvor diente der Circuit Paul Ricard nahe Marseille und nur gute zehn Kilometer vom Mittelmeer entfernt viele Jahre für Testzwecke. Der Kurs gilt als Vorbild in Sachen Sicherheit. Namensgeber ist der frühere Getränke-Unternehmer Paul Ricard, der den Bau der Piste initiierte.

Die Strecke

Der Circuit Paul Ricard ist mit 5,842 Kilometern eine der längeren Strecken im Kalender. Mit drei Geraden und 15 teils schnellen Kurven erwartet die Fahrer ein Hochgeschwindigkeitskurs. Kurve zehn wird mit bis zu 300 Stundenkilometern durchfahren und ist damit eine der schnellsten der Saison. Die Bauarbeiten an dem Kurs begannen 1969. 1971 gewann Jackie Stewart das Premierenrennen.

Die Statistik

Lewis Hamilton gewann sowohl 2018 als auch 2019 in Frankreich. Wegen der Corona-Pandemie hatte es im Vorjahr keinen Grand Prix auf der Strecke gegeben. Rekordsieger ist der Franzose Alain Prost mit vier Erfolgen (1983, 1988-1990).

Die Siegchancen

Seit Le Castellet 2018 in den Formel-1-Kalender zurückgekehrt ist, fuhr Mercedes jeweils durch Lewis Hamilton zwei ungefährdete Siege ein. Doch in diesem Jahr führen Max Verstappen und Red Bull die WM-Wertungen an. Mercedes holte aus den vergangenen beiden Rennen nur insgesamt sieben Punkte - so schlecht war das Weltmeisterteam zuletzt vor neun Jahren.

Beim Großen Preis von Frankreich deutet dennoch einiges auf einen offenen Kampf hin. Zum einen handelt es sich um eine "normale" Rennstrecke und nicht um einen Stadtkurs wie zuvor in Monaco und Baku, wo Mercedes unter anderem wegen des langen Radstandes Probleme hatte. Zum anderen führen die Regelhüter bei den umstrittenen Flexiwings seit dem 15. Juni verschärfte Tests durch. Der biegsame Heckflügel, der in den Kurven für Abtrieb sorgt und auf den Geraden durch den Luftdruck flacher wird und dadurch höhere Spitzengeschwindigkeiten ermöglicht, war bislang Red Bulls großer Trumpf gegenüber Mercedes. In Frankreich darf das Material per Reglement aber nur noch um 20 Prozent nachgeben, Mitte Juli soll auch diese Toleranz aufgehoben werden.

Die Aussichten von Sebastian Vettel

Der viermalige Weltmeister erklärte nach Platz zwei in Aserbaidschan, es habe "klick" gemacht. Allerdings stellt sich beim Heppenheimer und bei Aston Martin die Frage, inwiefern sich die starke Baku-Performance auf eine Rennstrecke klassischen Zuschnitts übertragen lässt. In jedem Fall hat Vettel aber Vertrauen ins Auto und in sich selbst gewonnen.

Die Reifenplatzer

Die Ursache für die Reifenschäden von WM-Spitzenreiter Max Verstappen (Niederlande/Red Bull) und Sebastian Vettels Aston-Martin-Teamkollegen Lance Stroll (Kanada) beim Formel-1-Rennen in Baku ist offenbar geklärt. Reifenhersteller Pirelli erklärte, bei einer eingehenden Untersuchung habe man bei keinem der betroffenen Pneus einen "Produktions- oder Qualitätsdefekt" festgestellt und auch keine Anzeichen von Materialermüdung gefunden. Ein "umlaufender Bruch an der inneren Seitenwand" sei Auslöser für die Explosion der beiden Reifen bei mehr als 300 km/h gewesen.

Red Bull und Aston Martin hätten sich an die vorgeschriebenen Parameter vor Rennstart gehalten, trotzdem müssten laut Pirelli Prozesse eingeführt werden, um die "Einhaltung der Mindestdrücke in Zukunft besser sicherzustellen". Red-Bull-Fahrer Verstappen hatte in Baku lange wie der sichere Gewinner ausgesehen, ehe ihm in der 47. von 51 Runden bei enorm hoher Geschwindigkeit plötzlich der linke Hinterreifen geplatzt war.

Die Zukunft von Valterri Bottas

Vizeweltmeister Valtteri Bottas droht laut übereinstimmenden Medienberichten am Saisonende das Aus bei Mercedes. An diesem Wochenende solle es während des Großen Preises von Frankreich Gespräche zwischen dem 31-jährigen Finnen und Teamchef Toto Wolff geben, berichtete RTL. Eine Entscheidung werde angeblich schon in den kommenden Wochen fallen. Auch andere Medien berichteten, dass der Brite George Russell im kommenden Jahr das Cockpit von Bottas erhalten soll und bereits in die Pläne eingeweiht wurde.

Eine Bestätigung für die Vorgänge gibt es noch nicht. Botas selbst dementierte die Meldungen am Donnerstag (17.06.2021). Fakt ist allerdings, dass der Finne zuletzt weit hinter den Erwartungen zurückblieb. In Baku und Monaco schaffte er es nicht in die Punkte und liegt in der Gesamtwertung als Sechster außer Titel-Reichweite.

Die Trainings

Dauer-Weltmeister Mercedes hat sich nach den desolaten Vorstellungen in Monaco und Baku berappelt. Valtteri Bottas und Formel-1-Rekordchampion Lewis Hamilton belegten im Freitagstraining die Plätze zwei und drei. Minimal schneller war nur WM-Spitzenreiter Max Verstappen.

Der Belgier setzte in 1:32,872 Minuten die Tagesbestzeit in Le Castellet. Bottas folgte bei bestem südfranzösischem Sommerwetter mit lediglich 0,008 Sekunden Rückstand. Der Finne war bei seinem besten Versuch allerdings mit einer härteren und damit langsameren Reifenmischung unterwegs als der Niederländer. Hamilton war 0,253 Sekunden langsamer als die Spitze.

Sebastian Vettel, vor zwei Wochen in Baku noch starker Zweiter, flog in der ersten Einheit am Mittag ab. In der zweiten Trainingsstunde kam der Heppenheimer nicht über Rang 15 hinaus und hatte 1,575 Sekunden Rückstand auf die Spitze.

dpa/sid/red | Stand: 18.06.2021, 16:36

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