Übergangsjahr 2021 - die Formel 1 im Wandel

Mick Schumacher, Sebastian Vettel, Fernando Alonso und Lewis Hamilton(L.-R.)

Saison 2021

Übergangsjahr 2021 - die Formel 1 im Wandel

Von Marco Schyns

Der Kampf um den WM-Titel war in dieser Saison ebenso unspannend wie in den Jahren zuvor. Aber: Die Formel 1 hat gezeigt, dass es durchaus wild zugehen kann. Das gilt auch für 2021 – mit vielen personellen Veränderungen.

Sergio Perez konnte seine Tränen nicht zurückhalten. Der Erfolg beim Großen Preis von Sakhir am Sonntag (06.12.2020) war sein erster Rennsieg überhaupt in seiner Formel-1-Karriere – in seinem möglicherweise zweitletzten Rennen. Nicht, dass Perez in Rente gehen würde. Es ist schlichtweg kein Platz für den Mexikaner. In einer Formel 1, die sich auch im kommenden Jahr im Wandel befindet – und spätestens 2022 wieder mal spannend werden dürfte.

Das Cockpit von Perez übernimmt Sebastian Vettel. Und dessen Team heißt dann auch nicht mehr Racing Point, sondern Aston Martin. Dieser Vorgang alleine steht für die (personellen) Veränderungen in der Königsklasse des Motorsports. Dass Vettels Teamkollege Lance Stroll - und nicht Perez - heißt, weist außerdem auf ein bekannt strukturelles Problem hin: das Geld.

Die Problematik Stroll

Stroll hat mehr als 50 Punkte weniger als Perez und war im Qualifying nur drei Mal besser platziert als sein Teamkollege. Und doch behält er sein Cockpit, während Perez gehen muss. Das Alter (22, Perez ist 30) mag ein Argument sein. Dass Strolls Vater Lawrence Milliardär und Teilhaber des Teams ist, lässt sich aber schwer ignorieren.

Das Auto wird trotz des Einstiegs von Aston Martin auch in der kommenden Saison mit Mercedes-Motor fahren. Der Erfolg in Sakhir ist angesichts der Entwicklung nicht überraschend, Racing Point hat sich zum drittbesten Team nach Mercedes und Red Bull entwickelt. Renault und McLaren konnten noch Schritt halten, Ferrari beendet am kommenden Sonntag in Abu Dhabi (13.12.2020) die schwächste Saison seit 1980.

Team-Hierarchie wird sich 2021 kaum verändern

An dieser Hierarchie wird sich wohl nichts grundsätzlich ändern. Mercedes wird auch 2021 allen davonfahren, Red Bull - besser gesagt Max Verstappen - ist der Herausforderer, und drei bis vier Teams dahinter kämpfen ums Podium der Konstrukteurs-Wertung. Das heißt auch: Alfa Romeo, Haas und Williams werden wieder hinterherfahren. Toro Rosso darf mal in die Punkteränge vorstoßen. Und wenn mal alles verrückt spielt, ist sogar ein Rennsieg drin - so wie im August in Monza.

Der damalige Sieger Pierre Gasly wurde für 2021 bestätigt, Teamkollege Daniel Kwjat bangt noch, sein Cockpit könnte entweder Nachwuchstalent Yuki Tsunoda aus der Formel 2 übernehmen oder Alexander Albon. Denn dass Albon 2021 noch im Red Bull sitzt, gilt nach dessen jüngsten Leistungen als ausgeschlossen. Womöglich eine Gelegenheit für Perez - oder sogar für Nico Hülkenberg, der in dieser Saison einige Male bei Racing Point eingesprungen war.

Fast jedes Team nimmt personelle Veränderungen vor

Während Alfa Romeo und Williams auf die Fahrerpaarungen aus dieser Saison setzen, tauscht Haas beide Piloten aus. Für die erfahrenen Romain Grosjean und Kevin Magnussen kommen zwei Jungspunde aus der Formel 2: Mick Schumacher und Nikita Masepin. Quantensprünge sind von keinem dieser Teams zu erwarten, selbst wenn im Williams dann wieder der zuletzt im Mercedes furios fahrende George Russell sitzt. Der Brite hat in Sakhir gezeigt, dass er für große Aufgaben bereit ist. Spätestens 2022 kann er das erneut zeigen.

Denn Valtteri Bottas geht in sein vermutlich letztes Jahr bei Mercedes. Lewis Hamilton hat Stand jetzt noch nicht einmal ein Arbeitspapier für 2021, eine Einigung soll aber bald erfolgen. Seinem 8. WM-Titel dürfte dann nicht viel entgegenstehen.

Teams und Fahrer 2021
TeamFahrer 1Fahrer 2
Mercedes-AMG Petronas*Lewis Hamilton (GBR)Valtteri Bottas (FIN)
Red Bull RacingMax Verstappen (NED)noch offen
Scuderia FerrariCharles Leclerc (MON)Carlos Sainz Jr. (ESP)
McLaren RacingLando Norris (GBR)Daniel Ricciardo (AUS)
Alpine F1 TeamFernando Alonso (ESP)Esteban Ocon (FRA)
Aston Martin F1 TeamSebastian Vettel (GER)Lance Stroll (CAN)
Scuderia Alpha TauriPierre Gasly (FRA)noch offen
Alfa Romeo RacingKimi Räikkönen (FIN)Antonio Giovinazzi (ITA)
Williams RacingGeorge Russell (GBR)Nicholas Latifi (CAN)
Haas F1 TeamMick Schumacher (GER)Nikita Masepin (RUS)

*Stand 10. Dezember: Noch ist Lewis Hamilton ohne Vertrag für 2021, die Verhandlungen mit Mercedes laufen

Denn für Verstappen und Red Bull wird es in der kommenden Saison vor allem darum gehen, Mercedes herauszufordern und da zu sein, wenn die mal nicht abliefern. Vorsicht ist aber geboten: Denn nicht nur Aston Martin hat sich mit Vettel neu aufgestellt, auch alle Teams in Lauerstellung nehmen Veränderungen vor: Fernando Alonso kehrt zu Renault zurück, Daniel Ricciardo verlässt die Franzosen in Richtung McLaren und übernimmt das Cockpit von Carlos Sainz Jr., der Teamkollege von Charles Leclerc im Ferrari wird. Alles ist im Wandel.

Technische Revolution: 2022 wird vieles anders

Dabei ist 2021 ein Übergangsjahr für die Formel 1. Erst mit den angekündigten Regeländerungen zur Saison 2022 sind sportliche Verschiebungen zu erwarten. Motorsport-Fachmagazine betiteln es als die "technische Revolution“. In Kurzform: Es gibt größere Reifen und ein neues Aerodynamik-System. Die Autos werden schwerer, die Getriebeentwicklung eingefroren und das Fahrwerk stark vereinfacht. Das führt zwangsläufig auch dazu, dass die Autos - trotz nahezu gleichbleibender Motoren - wieder langsamer werden. Ross Brawn, Sportdirektor der Formel 1, will "mehr Racing" sehen.

Die erfolgreichen - und auch reichen - Teams können ihre finanzielle Kraft nicht mehr voll ausschöpfen, weil beispielsweise die Windkanalzeiten stark begrenzt werden. McLaren, geleitet vom deutschen Teamchef Andreas Seidl, und andere Mittelfeld-Teams zeigten sich zufrieden mit diesem Kompromiss.

Bis dahin aber erwartet die Motorsport-Fans auch 2021 eine dominante Saison der Mercedes und aller Voraussicht nach ein Weltmeister Lewis Hamilton. Dahinter dürfte es mindestens so spannend werden wie zuletzt. Und auch wenn das auf den ersten Blick merkwürdig klingt: Vettels Chancen auf Podiumsplätze werden durch den Wechsel von Ferrari zu Aston Martin größer. Perez hat es vorgemacht.

Stand: 10.12.2020, 09:55

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