Schlafen, träumen, besser werden - Training im Traum

Ein Mann schläft im Bett

Spitzensport und Schlafforschung

Schlafen, träumen, besser werden - Training im Traum

Von Nicklas Eckert

Entspannt ins Bett legen, acht Stunden schlafen, um dann die schwierige Kür zu schaffen oder den perfekten Sprung in die Grube setzen: So könnte Training bei Spitzensportlern aussehen.

Denn im Traum zu trainieren, ist tatsächlich möglich. Aber wenn das wirklich so einfach geht, warum nutzen nicht alle Athleten diese Methode?

Die Antwort auf diese Frage ist so simpel wie ernüchternd. Das bewusste Training im Traum ist nur in sogenannten Klarträumen möglich, und die hat eben nicht jeder. In den sogenannten Klarträumen, auch luzides Träumen genannt, wissen die Schlafenden, dass sie sich gerade im Traum befinden und so die Kontrolle über das Geschehen übernehmen können.

"Es ist wie im Wachzustand", sagt Daniel Erlacher, Sportwissenschaftler und Klartraumforscher an der Universität Bern, im Interview mit der Sportschau: "Ich mache das, was ich machen möchte, aber eben in dieser Traumsimulation, die dann losgelöst ist von sozialen oder physikalischen Gesetzen."

Klarträume - "Man kann einen Traum als Spielwiese nutzen" Sportschau 05.05.2021 05:00 Min. Verfügbar bis 05.05.2022 Das Erste

Erlebtes fühlt sich sehr realistisch an

Fliegen oder zaubern - alles kein Problem im Klartraum. Das Besondere dabei ist, dass sich das Erlebte sehr realistisch anfühlt. Und so kann die Trainingseinheit auch in den Traum verlagert werden.

Die positiven Effekte von luzidem Träumen auf sportliche Leistungen hat Erlacher schon nachgewiesen und dabei festgestellt: Klarträume sind sogar effektiver als Mentaltraining. Erlacher sagt auch: "Natürlich sind die Trainingseffekte im Wachen aber am größten. Deshalb sollte man Klartraumtraining eher als Ergänzung sehen."

Andere Effekte als im Wachzustand

Dazu kommt, dass das Training im Traum andere Effekte hat als das Training im Wachzustand. An der Physiologie eines Marathonläufers werde sich im Traum nichts ändern.

Ein Mann liegt schlafend auf dem Boden

Im Schlaf den Weg zum Touchdown "trainieren"?

Aber er könne seine Lauftechnik verbessern, und das hätte auch eine bessere Ausdauerleistung zur Folge, sagt der Klartraumforscher. Deshalb eignen sich vor allem technisch komplexe Bewegungsabläufe oder technische Sportarten wie Skifahren oder Turnen für das Training im Traum.

Verletzungsgefahr gleich Null

Für eine Studie hat Daniel Erlacher Interviews mit klarträumenden Sportlern geführt. Dabei hat sich gezeigt, dass vor allem Kampfsportler diese Trainingsmethode nutzen, um verschiedene Kicks und Kombinationen zu üben.

Neben dem technischen Aspekt bietet das Training im Traum aber noch einen weiteren großen Vorteil: Die Verletzungsgefahr ist gleich null. Befragte haben angegeben, im Traum spektakuläre Sprünge auf Skiern auszuführen oder Felswände hinaufzuklettern. "Man kann auch mal was wagen. Man kann den Traum als Spielwiese nutzen", erklärt Erlacher.

"Nicht einfach, sich das Klarträumen beizubringen"

In diesen Genuss kommen aber längst nicht alle Menschen. Laut Erlacher erleben etwa 20 Prozent der Bevölkerung solche Träume häufiger und nur ein bis zwei Prozent haben regelmäßig luzide Träume. Verlass ist auf diese Trainingsmethode also nicht unbedingt.

Ein Laptop, der die Messung von Hirnströmen anzeigt

Ein Laptop, der die Messung von Hirnströmen anzeigt

Um Klarträume besser nutzen zu können, forscht Erlacher auch an Methoden, durch die Klarträume von außen, zum Beispiel durch einen Forscher im Schlaflabor, herbeigeführt werden können. Und auch jeder und jede Einzelne kann Techniken nutzen, mit deren Hilfe man die Wahrscheinlichkeit, einen Klartraum zu erleben, erhöhen kann.

Methoden nutzen - Schlaf unterbrechen

Ein Beispiel dafür wäre die Unterbrechung des Schlafs. Man wird in der zweiten Hälfte der Nacht geweckt und muss sich daraufhin eine Stunde lang intensiv mit dem beschäftigen, wovon man träumen möchte. Danach schläft man wieder ein.

Währenddessen sind regelmäßige Realitätschecks nötig: Ist irgendetwas komisch? Kann man zum Beispiel durch den geschlossenen Mund atmen? Dann ist man im Traum.

Solche Methoden funktionieren aber nicht immer. "Es ist nicht ganz einfach, sich das Klarträumen beizubringen. Grundsätzlich geht es, aber man braucht Geduld, Motivation und Ausdauer", sagt Erlacher. Auch luzides Träumen selbst muss eben trainiert werden. Und so ist auch das Training im Traum, wie fast alles im Sport, oft harte Arbeit.

Stand: 02.05.2021, 12:00

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