Ungerechte Sportförderung in Corona-Zeiten?

Spieler des ESV Kaufbeuren

ARD-Radio-Recherche Sport

Ungerechte Sportförderung in Corona-Zeiten?

Von Sebastian Krause

Nicht nur die Fußballvereine sind von der Corona-Krise betroffen. Auch Profi-Klubs in anderen Sportarten kämpfen ums Überleben. Die Unterstützung, die sie von ihrem Bundesland bekommen, ist dabei zum Teil völlig unterschiedlich. Das sorgt für Unmut.

Sachsen hat ein Zehn-Millionen-Euro Hilfspaket aufgelegt, für 21 Profi-Klubs im Freistaat aus Sportarten wie Fußball, Eishockey, Handball und Basketball. Die Klubs können, wenn sie Geldprobleme durch die Corona-Krise haben, ein zinsloses Darlehen von bis zu 500.000 Euro bekommen.

Das ist einmalig in Deutschland und sorgt bei Ligakonkurrenten der sächsischen Vereine in anderen Bundesländern für Kritik. Auf Anfrage der ARD-Radio-Recherche Sport sprechen etliche Vereine sogar von Wettbewerbsverzerrung - darunter Handball-Zweitligist Bayer Dormagen und der Traditions-Eishockey-Klub ESV Kaufbeuren.

Freistaat Sachsen mit großer Unterstützung für seine Profisportvereine

Sportschau 01.05.2020 02:42 Min. Verfügbar bis 01.05.2021 Das Erste Von Peer Vorderwuelbecke


"Sehr hohe Bedeutung"

Sachsens Innenminister Roland Wöller weist den Vorwurf zurück. Dann sei die Tatsache, dass generell im Westen große Unternehmen mit großen Sponsoring-Beiträgen Profi-Klubs unterstützen, auch Wettbewerbsverzerrung. Der Profisport habe für das Land Sachsen eben eine sehr hohe Bedeutung, so der Minister, gerade auch was die Jugendarbeit angehe. Die Kritiker der Regelung fordern im Sinne der Chancengleichheit ein einheitliches Vorgehen für ganz Deutschland.

Existenzangst in Kaufbeuren

Michael Kreitl, der Geschäftsführer des ESV Kaufbeuren aus der DEL 2, steht in der leeren Eishalle und schüttelt den Kopf. Keine Zuschauer, kein Eishockey mehr seit Mitte März. Die Kaufbeurer hatten sich gerade für die Playoffs qualifiziert, als die Corona-Krise kam. "Man sagt ja immer die Playoff-Zeit ist die geilste Zeit im Eishockey. Das ist ja auch so, volle Stadien. Ist natürlich für uns jetzt ein herber Verlust. Der richtig schmerzhaft ist und richtig wehtut", sagt Kreitl.

DEL2 - Kreitl wünscht sich einheitliche Unterstützung

Sportschau 30.04.2020 02:19 Min. Verfügbar bis 30.04.2021 Das Erste


Einnahmen von mindestens 100.000 Euro sind den Kaufbeurern verloren gegangen. Der Klub hat die Sofort-Hilfe beim Freistaat Bayern von 30.000 Euro beantragt und auch bekommen. Das hat kurzfristig erstmal geholfen. Aber wie es jetzt weitergeht, niemand weiß es. "Wir haben laufende Kosten, wir haben Wohnungen zu bezahlen. Verschiedene Dinge die einfach durchlaufen. Wir haben Verwaltungskosten. Wenn keine Sponsorengelder und Zuschauereinnahmen kommen, ob es uns dann in einem Jahr noch gibt, das kann keiner sagen", erklärt der Geschäftsführer.

"Eine gewisse Wettbewerbsverzerrung"

Ein bisschen neidisch schauen die Kaufbeurer auf ihre Liga-Konkurrenten aus Sachsen. Dresden, Crimmitschau und die Lausitzer Füchse. Die haben es jetzt einfacher und haben mehr Sicherheit. "Wir werden uns jetzt nicht mokieren und sagen, wir wollen nicht, dass Ihr das macht. Klar, weil wir wären auch froh, wenn wir Hilfe bekämen. Aber natürlich ist das schon eine gewisse Wettbewerbsverzerrung", sagt der Kaufbeurer.

Einheitliche Unterstützung in ganz Deutschland gefordert

Jetzt, in der Corona-Krise, wünschen sich die Kaufbeurer jedenfalls wie viele andere Klubs auch im Sinne der Chancengleichheit eine einheitliche Unterstützung in ganz Deutschland. Das würde Vereinen wie Kaufbeuren auf alle Fälle helfen. Bis das Hauptproblem gelöst ist. Die fehlenden Zuschauereinnahmen. "Wir können nur ganz oder gar nicht", sagt Kreitl: "Wenn von der Regierung das Signal kommt, dass bis Ende des Jahres oder bis nächstes Jahr keine Zuschauer zugelassen werden, dann wird es auch so in der Form keine DEL2-Eishockey-Saison geben."

Stand: 01.05.2020, 08:00

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