Verteilung von Fördermitteln

PotAS und der Sport - das Ende der Vielfalt

Von Robert Kempe

Der Spitzensport in Deutschland steht vor einem Paradigmenwechsel. PotAS und sportliche Vielfalt - das passt nicht zusammen. Gefördert wird nur noch, was Erfolg bringt. Ein Kommentar.

Es ist nicht nur sprachlich ein Ungetüm: Potenzialanalysesystem, kurz PotAS genannt. Ein öffentliches Verbands-Ranking der sogenannten PotAS-Kommission soll das Hauptkriterium für die Verteilung der finanziellen Zuwendungen an die olympischen Sommersportverbände werden. Dass sich schon kurz nach Vorstellung des Abschlussberichts einzelne Verbandsfunktionäre ungerecht behandelt fühlen, war vorhersehbar.

Jahrzehntelang war Sportförderung ein Fall für klandestine Treffen im Hinterzimmer. Die Fördersummen der Verbände waren weder öffentlich nachvollziehbar noch begründet. Selbst der Bundesrechnungshof monierte, wie intransparent Millionen von Steuergeld verteilt wurden. PotAS soll nun angeblich Klarheit bringen.

Abschlussbericht der PotAS-Kommission für Olympia liegt vor Sportschau 20.09.2021 00:43 Min. Verfügbar bis 20.09.2022 ARD

Eine Transparenzoffensive, die keine ist

Durch Bewertungen der Verbände, die dafür 130 Fragen in 13 Hauptattributen und 36 Unterattributen beantworten mussten, sollen Erfolgschancen erkannt, und daraus letztlich klare Kriterien für die Sportförderung geschaffen werden. Doch die Transparenzoffensive in der Sportförderung ist auf halbem Wege stehen geblieben.

Die Analyse ist zu einem für die Öffentlichkeit schwer zu verstehenden Diagramm- und Zahlendschungel verkommen. Belege oder Erklärungen, wie die Kommission letztlich auf das nun veröffentlichte Ranking kommt, lassen sich in dem für die Öffentlichkeit zugänglichen Bericht nicht finden. Mehr Informationen sind aber notwendig – auch weil die Kritik größer werden wird.

"Spreizung im deutschen Sport" könnte großer werden

Denn die Ergebnisse der PotAS-Kommission haben einschneidende Folgen. Sie sind die Hauptrichtlinie für die kommenden Gespräche der Förderkommission, bei denen die finanziellen Zuwendungen der einzelnen olympischen Sommersportarten beschlossen werden sollen. 38 Millionen Euro Verbandsförderung, der Kern der auf 300 Millionen budgetierten Spitzensportförderung, sollen auf dieser Grundlage verteilt werden.

Einige Verbände werden demnach im nächsten Jahr mit weniger Geld auskommen müssen. Zwei Disziplinen drohen gar massive Einschnitte – und weitere könnten folgen. Die "Spreizung im deutschen Sport", so teilte BMI-Staatssekretär Markus Kerber offen mit, werde größer werden. Gefördert wird nur noch, was Erfolg bringt. Mit diesem Credo wird die Vielfalt im deutschen Sport bald vorbei sein.