Frauen im Sport: Der Weg aus der Nische

WNBA-Basketballerin Natasha Howard beim Korbleger

Gender-Gerechtigkeit

Frauen im Sport: Der Weg aus der Nische

Von Dorian Aust

Sportlerinnen im Profi- sowie Amateurbereich fehlt es noch immer an Wertschätzung. Sie klagen über Sexismus und Ungerechtigkeiten. Doch wie könnte der Weg aus dieser Nische aussehen?

Extreme Gehaltsunterschiede, zu wenig gesellschaftliche Anerkennung und Sexismus on- und offline: Die Liste der Ungleichberechtigungen von Frauen im Sport ist lang. Eine exklusive SWR-Umfrage zeigte vergangene Woche eine lange Mängelliste auf.

Doch eins zeigt sich auch: Einhergehend mit einer gesellschaftlich immer breiter stattfindenden Feminismus-Debatte machen auch Sportlerinnen immer öfter auf ihre missliche Lage aufmerksam. Sie wollen die Ungerechtigkeit nicht länger über sich ergehen lassen - sie fordern Wandel.

"Es gibt aktuell eine Generation von Spitzensportlerinnen, die die Ungleichbehandlung nicht mehr hinnehmen wollen", so Ilse Hartmann-Tews von der Deutschen Sporthochschule im Sportschau-Gespräch. Hartmann-Tews leitet das Institut für Soziologie und Genderforschung und untersucht seit vielen Jahren, wie Frauen im Sport dastehen.

Fußballerinnen wenden sich an DFB

So haben vor Kurzem beispielsweise Fußballerinnen aus der Bundesliga sowie 2. Liga in einem offenen Brief an den DFB Konsequenzen gefordert, nachdem Gladbachs Heiko Vogel als Teil einer "Strafe" ein Frauenteam trainieren sollte - wohlgemerkt nach sexistischen Beleidigungen gegenüber einer Linienrichterin.

Immer öfter suchen Frauen die Flucht nach vorne und damit Öffentlichkeit. Das hat auch Hartmann-Tews beobachtet. Der Sport sei ein Spiegelbild der Gesellschaft: "Frauen im Sport trauen sich jetzt, das öffentlich zu machen. Das ist auch ein Effekt der #metoo-Bewegung."

Die Kraft der sozialen Netzwerke

In den USA hat die Basketballerin Sedona Prince bewiesen, dass das nimmermüde "Aufmerksam machen" Wirkung zeigen kann. Vor dem wichtigsten Turnier im College-Baketball präsentierte sie auf Twitter den irrwitzigen Unterschied des Kraftraums für Männer und des "Kraftraums" für Frauen, der aus einer handvoll Hanteln bestand.

Ihr Twitter-Video erreichte über 17 Millionen Menschen und wurde unter anderen von NBA-Star Stephen Curry geteilt. Und nur einen Tag später hatten die Organisatoren für gleiche Verhältnisse gesorgt.

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"Es ist genau richtig, wenn Betroffene die Ungleichbehandlung in den sozialen Netzwerken öffentlich machen", sagt Hartmann-Tews zu solchen Vorstößen. "Sie sollen zeigen, dass der Sport auch Schattenseiten hat." Das sei das Beste, was sie machen können.

Was tun die Verbände?

Bereits vor über 10 Jahren hat der Deutsche Olympische Sportbund die sogenannte Münchener Erklärung auf den Weg gebracht - eine Selbstverpflichtung, sich der Prävention von sexualisierter Gewalt zunehmend zu widmen. Das sei ein guter Schritt gewesen, allerdings sei die Erklärung bei einem Drittel der Vereine noch nicht umgesetzt worden.

Hartmann-Tews fordert deshalb ein Monitoring und Audit-Verfahren beim DOSB, sprich: mehr Qualitätsmanagement. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch der Verein "Athleten Deutschland", der im Februar ein "unabhängiges Zentrum für Safe Sport" fordert. Hier könnten beispielsweise Fälle von sexuellem Missbrauch von Athletinnen aber auch Außenstehenden gemeldet werden. Dabei "sollte der Bund die institutionelle Förderung übernehmen", meint Hartmann-Tews.

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Finanzielle Anerkennung

In England ist die Women's Super League (WSL) vor kurzem mit einem millionenschweren TV-Vertrag ausgestattet worden. Die beiden Sender Sky und BBC zahlen für die Übertragungsrechte einiger Spiele in den nächsten drei Jahren insgesamt rund 18 Millionen Euro. "Das ist ein Meilenstein und wegweisender Deal", sagte die zuständige Direktorin des englischen Verbands FA.

Doch helfen solche Finanzspritzen tatsächlich langfristig, um das Interesse zu steigern? Hartmann-Tews sagt: Ja. "Mit den Geldern aus TV-Verträgen können wir den Sport von Frauen mehr in die Öffentlichkeit rücken", so die Forscherin. "Nur so können Spitzensportlerinnen auch Vorbilder für Mädchen sein."

Die lange Liste an Ungleichbehandlungen von Frauen im Sport kann durch (TV)-Gelder sicher nicht von heute auf morgen abgearbeitet werden, aber für ein Umdenken in der Gesellschaft sorgen.

Frauen im Spitzensport: Veraltete Rollenbilder, wenig Anerkennung sport inside 25.03.2021 10:54 Min. Verfügbar bis 25.03.2022 WDR

Stand: 29.03.2021, 17:04

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