Nationale Strategie gegen Missbrauch im Sport gefordert

Eine Öffentliche Sitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestag am 4.März 2020

Debatte im Sportausschuss des Bundestages

Nationale Strategie gegen Missbrauch im Sport gefordert

Es kommen immer mehr Fälle von physischer, psychischer oder sexualisierter Gewalt ans Tageslicht. Der Sportausschuss des Bundestages hat in einer öffentlichen Anhörung darüber debattiert. Braucht es ein unabhängiges SafeSport-Zentrum oder nicht?

Der Verein Athleten Deutschland hat eine umfassende, bundesweit gültige Konzeption gegen Gewalt und Missbrauch im Sport gefordert.

Athletenvertreter Klein fordert Strategie und Dialog

"Es gibt eine nationale Strategie für Sportgroßveranstaltungen. Warum gibt es keine nationale Strategie gegen Gewalt und Missbrauch?", fragte Athletenvertreter Maximilian Klein bei einer öffentlichen Anhörung des Bundestags-Sportausschusses zum Thema "Physische, psychische oder sexualisierte Gewalt gegen Sportlerinnen und Sportler".

"Was wir hier alles hören, sind zerfaserte, kleinschrittige Dinge, die dieses ganze Themenfeld nicht strategisch angehen", kritisierte er. Was in dieser Debatte fehle, sei eine systematische Auseinandersetzung und ein Dialogprozess zwischen den relevanten Organisationen im und außerhalb des Sports.

Unabhängiges SafeSport-Zentrum als Lösung?

Ein von Athleten Deutschland vorgeschlagenes unabhängiges "SafeSport-Zentrum" sei ein wichtiger Baustein. Zugleich müssten aber auch regionale Beratungsstellen und die Sportorganisationen gestärkt werden - strukturell wie finanziell. "Wir haben akuten Handlungsbedarf und müssen schauen, was wir als Gesellschaft bereit sind zu investieren. Und wie kommen wir dahin?", sagte Klein.

Immer mehr Fälle von Gewalt und Missbrauch kommen ans Licht

In den vergangenen Wochen und Monaten hatten zahlreiche Athletinnen und Athleten von Fällen berichtet, in denen sie schikaniert, gequält, bedrängt, im schlimmsten Fall sexuell missbraucht worden seien. Von Trainerinnen oder Trainern. Fälle aus dem Boxen, Nachwuchsfußball, Fechten, Turnen oder Judo wurden bekannt.

DOSB: "SafeSportZentrum" nicht die alleinige Lösung

Der Deutsche Olympische Sportbund sieht ein "SafeSport-Zentrum" nicht als alleinige Lösung. "Die Notwendigkeit einer unabhängigen Anlaufstelle für Betroffene sehen wir ebenso", sagte DOSB-Vizepräsidentin Petra Tzschoppe. "Wir möchten trotzdem darauf drängen, auch innerhalb des Sports Ansprechpersonen zu haben." Wenn das Vertrauen dort nicht gegeben sei, müsse man auch externe Angebote machen. Der Vorwurf, dass es an Vertrauen von betroffenen Sportlern zu Verbandsbeauftragten fehle, müsse durch "belastbare Zahlen" belegt werden. Tzschoppe: "Da brauchen wir eine Datenbasis."

Einig waren sich die Sachverständigen bei der Anhörung, dass die vor fünf Jahren veröffentlichte Studie "Safe Sport" zu Ausmaß und Form von Gewalt im Spitzensport durch eine auf den Breiten-, Kinder-, Jugend- und Schulsport ausgeweitete Untersuchung ergänzt werden sollte. "Es ist nur ein ganz kleiner Teil der Sportler in Deutschland. Wir würden uns freuen, wenn es viel mehr Erkenntnisse im Breitensport gäbe", sagte Christina Gassner, Geschäftsführerin der Deutschen Sportjugend.

red/dpa | Stand: 05.05.2021, 23:15

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