"Offener Brief" – Erste Rücktrittsforderung an DOSB-Präsident Hörmann

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB)

Turbulenzen beim DOSB

"Offener Brief" – Erste Rücktrittsforderung an DOSB-Präsident Hörmann

Von Bianka Schreiber-Rietig und Robert Kempe

In einem angeblich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verfassten Brief werden schwere Vorwürfe gegen DOSB-Präsident Alfons Hörmann erhoben. Während der Verband das anonyme Schreiben erst einmal prüfen will, wird aus dem Landesportbund NRW bereits Hörmanns Rücktritt gefordert.

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, gerät durch einen angeblich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verfassten offenen Brief unter Druck. In dem Schreiben, das am Donnerstag (06.05.2021) öffentlich wurde und der Sportschau vorliegt, wird Hörmanns Führungsstil massiv kritisiert. Dieser lasse "jegliche Form des Respekts und Anstands vermissen", wird darin behauptet.

Seit das Schreiben mit dem Betreff "Warum wir eine/n neue/n Präsident*in brauchen: Offener Brief aus der Mitarbeiterschaft des Deutschen Olympischen Sportbundes" publik wurde, herrscht Aufruhr im DOSB. Der Verband bestätigte auf Sportschau-Anfrage den Eingang des Schreibens per E-Mail. Ein "anonymer Absender oder Absenderin" verwende "einen Fake-Account, um Vorwürfe zu erheben", hieß es. Inhaltlich ging der DOSB nicht auf die dargestellten Vorwürfe ein, sondern teilte lediglich mit, das "anonyme Schreiben" zu prüfen.

"Teamplayer statt Autokratie" - Klett fordert Hörmann zum Rücktritt auf Sport im Westen 07.05.2021 00:53 Min. Verfügbar bis 07.05.2022 WDR

Rücktrittsforderung aus dem Landessportbund NRW

Während man im DOSB nun erst einmal prüfen will, ob der Brief tatsächlich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verfasst worden ist, werden erste Forderungen nach Konsequenzen laut. Der Präsident des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen, Stefan Klett, verlangte gegenüber der Sportschau den sofortigen Rücktritt Hörmanns.

Offener Brief gegen DOSB-Chef Hörmann

Sportschau 07.05.2021 02:20 Min. Verfügbar bis 07.05.2022 ARD Von Anke Feller


"Nach der desaströsen wiederholten Olympiapleite, dem zerschnittenen Tischtuch mit dem IOC, dem Dilettantismus im Umgang mit der Einwirkung auf das Impfschutzgesetz bringt dieser Vorgang das Fass zum Überlaufen. Sein mangelnder Respekt vor den Mitarbeiter*innen und gleichsam der Breitensportbasis in den Sportvereinen schadet den wichtigen gesellschaftlichen Aufgaben des DOSB", sagte Klett, dessen Verband mit rund fünf Millionen Mitgliedern der größte Landessportbund in Deutschland und die drittgrößte von rund 100 Mitgliedsorganisationen im DOSB ist.

"Herr Hörmann sollte umgehend zurücktreten und den Weg für eine Neuwahl frei machen. Der gemeinnützige deutsche Sport braucht Vertrauen, Transparenz und Menschlichkeit in der Pandemiezeit und einen Präsidenten, der seinen Mitgliedsorganisationen und der Basis aktiv zuhört, statt sie zu ignorieren."

"Klima der Angst"

In dem anonymen Schreiben werden zahlreiche schwere Vorwürfe gegen Hörmann erhoben. So heißt es unter anderem: "Unter der Führung des derzeitigen Präsidenten hat sich unter den Mitarbeiter*innen eine 'Kultur der Angst' im DOSB etabliert". So soll Deutschlands höchster Sportfunktionär Stifte oder "sonstige Gegenstände" in "Richtung Mitarbeiter*innen des Verbands" geworfen haben, schreiben die anonymen Verfasser der Mail. "Aufgrund solcher Verhaltensweisen haben Mitarbeiter*innen gekündigt; andere befinden sich in psychotherapeutischer Behandlung."

Außerdem behaupten die Verfasser in dem Schreiben, ihnen sei kein Meeting im "Haus des Sports" bekannt, “in dem Alfons Hörmann eine Maske getragen hätte". Was sie in Bezug auf die Regeln zur Bekämpfung der Corona-Pandemie schockiere. Dieses Verhalten sei nicht nur "uns Mitarbeiter*innen, sondern vor allem der gesamten Sportbasis gegenüber respektlos". Mehr als ein Drittel "der Mitarbeiter*innen des DOSB" hätten sich deshalb in "den vergangenen Wochen und Monaten zusammengefunden", um ihre "Stimme hörbar" zu machen.

Hörmann kündigt schnelle Aufklärung an

Sollten sich die Vorwürfe gegen Hörmann bestätigen und das Schreiben tatsächlich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des DOSB verfasst worden sein, geriete der Verband weniger als drei Monate vor Beginn der Olympischen Spiele in Tokio in schwere Turbulenzen, die bis dahin kaum zu klären wären.

Am Abend kündigte Hörmann eine schnelle Aufklärung an. "In den letzten Stunden haben sich zahlreiche Führungskräfte und Mitarbeiter deutlich von diesem Stil und den Inhalten distanziert. Auch seitens der DOSB-Führungsgremien wird es zeitnah entsprechende Klarstellungen dazu geben", sagte der DOSB-Chef laut dpa der in Kempten erscheinenden "Allgäuer Zeitung".

Hörmanns Appell an die Politik: "Geben Sie dem Sport eine Chance" Sportschau 16.04.2021 01:06 Min. Verfügbar bis 16.04.2022 Das Erste

Stand: 06.05.2021, 21:35

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