Covid-19 im Hochleistungssport - "Zieht sich wie Kaugummi"

Ilkay Gündogan bei einem Spiel der DFB-Elf

Corona-Pandemie

Covid-19 im Hochleistungssport - "Zieht sich wie Kaugummi"

Von Anke Feller

Das Coronavirus breitet sich weiter aus und auch die Liste der Sportler, die sich mit dem Virus infiziert haben, wird länger. Einige Sportler hatten keine oder kaum Symptome. Andere leiden noch immer unter den Folgen der Erkrankung.

Fußballprofis wie Kai Havertz, Cristiano Ronaldo, Neymar, Kylian Mbappé, Ilkay Gündogan, Paul Pogba und Serge Gnabry finden sich auf der Liste positiv getester Sportler, genauso wie Tennisspieler Novak Djokovic, NBA-Star Kevin Durant, Formel-1 Pilot Lewis Hamilton, Skiflugweltmeister Karl Geiger oder Ringer Frank Stäbler.

Einige von ihnen hatten keine oder kaum Symptome. Andere leiden noch immer unter den Folgen der Erkrankung. Wie zum Beispiel der dreifache Ringer-Weltmeister Frank Stäbler, der sich im Oktober infizierte. Ärzte haben ihm bestätigt, dass das Coronavirus seine Lunge angegriffen hat. Mehr als 20 Prozent seiner Leistungsfähigkeit hat Stäbler durch die Viruserkrankung eingebüßt, und er fragt sich, ob er jemals wieder so fit wird, wie vor der Corona-Infektion.

Auch Fußballnationalspieler Ilkay Gündogan litt nach seiner Diagnose im September unter Symptomen: Anfangs unter Fieber und Gliederschmerzen, dazu starke Hals- und Kopfschmerzen, später kam Geschmacksverlust dazu. Der Spieler von Manchester City berichtete, er habe sich ständig müde gefühlt und nach fast jedem Training einen Mittagsschlaf gemacht. Was früher nicht der Fall gewesen sei.

Gündogan: "Corona macht psychisch etwas mit einem" Sportschau 10.11.2020 02:04 Min. Verfügbar bis 10.11.2021 Das Erste

Wie groß ist die Gefahr von Langzeitfolgen nach einer Infektion?

Die Gefahr von Langzeitfolgen ist nicht zu unterschätzen, das zeigt das Beispiel von Eishockey-Spieler Janik Möser, der eigentlich am Sonntag mit den Grizzlys Wolfsburg gegen die Krefeld Pinguine in die neue DEL-Saison starten würde. Im Oktober wurde Möser positiv auf Corona getestet. Er fühlte sich topfit, allerdings zeigten Untersuchungsergebnisse ein völlig anderes Bild. Bei nachfolgenden Untersuchungen durch einen Spezialisten an der Berliner Charité wurde eine Herzmuskelentzündung diagnostiziert, die auf die Infektion mit dem Coronavirus zurückgeführt wird. Training und Ligaspiele sind derzeit undenkbar. Der Wolfsburger Abwehrspieler darf nur spazieren gehen und wird vermutlich den Großteil des Winters ausfallen.

"Nicht auf die leichte Schulter nehmen"

Vor drei Wochen haben die Grizzlys Wolfsburg und Möser gezielt die Öffentlichkeit gesucht, um für das Thema zu sensibilisieren: "Ich möchte mit meinem Fall andere Profi- und Hobby-Sportler darauf hinweisen, dass sie eine Corona-Infektion nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen." Denn: Corona greift nicht nur die Lunge an, auch das Herz kann geschädigt werden. Das bestätigen unter anderem Kardiologen der Universitätsklinik Frankfurt. Sie haben herausgefunden, dass selbst eine mild verlaufende SARS-CoV-2-Infektion zu Herzschäden führen kann. Offenbar unabhängig von der Schwere der Infektion, bestehender Vorerkrankungen und dem generellen Verlauf der akuten Erkrankung.

Selbst wer nichts von einer Infektion bemerkt, kann sich nicht sicher sein, dass Sars-CoV-2 spurlos vorübergeht. Als hartnäckige Langzeitfolgen gelten Erschöpfung, Luftnot, Kopfschmerzen, Herzstolpern und Schlafstörungen. Betroffen sind nicht nur Patienten mit schwerem, sondern auch mit mildem Infektionsverlauf. Und das, obwohl sämtliche Untersuchungswerte im Normbereich liegen können.

Sportmedizinische Untersuchung von Spitzensportlern

Mit Langzeitfolgen für Sportler nach einer Covid-19 Erkrankung beschäftigt man sich auch in Köln. Seit Anfang Juni führt das Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule gemeinsam mit dem Olympiastützpunkt Rheinland die Studie "Covid-19 im Hochleistungssport" durch. Bisher wurden circa 150 Kaderathleten im Rahmen der jährlich stattfindenden sportmedizinischen Untersuchung auf Covid-19 getestet. Dazu kamen weitere Sportler, die die Ärzte gezielt nach einer Corona-Infektion aufsuchten. Bei rund zehn Prozent aller Sportlerinnen und Sportler war der Antikörperstatus positiv.

Diese Athleten werden nun ein Jahr lang alle vier Monate sportmedizinisch untersucht. Haben die Athleten keine Symptome und die Untersuchungswerte sind unauffällig, dürfen sie wieder behutsam ins Training einsteigen. Athleten mit Symptomen werden weiter engmaschig kontrolliert.

"Ein klares Zeichen, dass etwas nicht in Ordnung ist"

Ein Belastungs-EKG oder ein Herzecho, also eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, reicht dabei nicht unbedingt aus, im Einzelfall sei auch eine Kernspintomographie sinnvoll, sagt der an der Studie beteiligte Kölner Kardiologe Dr. Thomas Schramm. "Mit einem Herz-Echo kann man eine schwere Herzmuskelentzündung ausschließen. Eine leichte dagegen nicht." Schramm empfiehlt nach einem positiven Corona-Test bis zur Wiederaufnahme des Trainings eine längere Pause, als nach einem normalen Infekt. "Wieso lässt man so einen Spieler wie Ilkay Gündogan wieder trainieren bzw. spielen, wenn sein Körper ihm sagt, ich bin nach jedem Training total kaputt und muss ins Bett? Das ist ein klares Zeichen des Körpers, dass etwas nicht in Ordnung ist."

Man sollte eine Corona-Infektion auf jeden Fall ernst nehmen, so Schramm. Denn es gäbe auch viele unklare Verläufe. "Wir haben das Glück, dass sich die meisten unserer Kaderathleten durch die Verschiebung der Olympischen Spiele in Ruhe von der Infektion erholen können. Den Druck, wieder schnell einsatz- und spielbereit sein zu müssen wie im Profifußball, haben wir nicht!"

"Es zieht sich wie Kaugummi"

Dafür plädiert auch der Leiter der Kölner Studie Dr. Jonas Zacher. Noch sei es zu früh für aussagekräftige Erkenntnisse. Zacher habe aber den Eindruck, dass sich eine Corona-Infektion häufig länger hinziehe als andere grippale Infekte. Betroffene Athleten hätten ihm berichtet, "es zieht sich wie Kaugummi." Bei einem der Sportler seien leichte Veränderungen in der Lunge festgestellt worden. Eine Athletin könne nach dem Verlust des Geschmackssinnes zwar wieder salziges, aber noch nicht wieder süßes schmecken.

Die meisten Sportler würden eine Corona-Infektion aber gut wegstecken. Zwar stärkt regelmäßige sportliche Aktivität das Immunsystem, Zacher empfiehlt Sportlern aber nach besonders intensiven und anstrengenden Trainingsphasen, sich noch bewusster zu schonen und vor Corona zu schützen. Nach hochintensiven Trainingseinheiten, einem Trainingslager oder Wettkämpfen ist das Immunsystem besonders anfällig für Infektionen. Der Sportwissenschaftler rät Sportlern, sich auch noch zwei Wochen nach Ende der letzten Symptome zu schonen: "Das Auskurieren nach einer Corona-Infektion ist superwichtig!"

Stand: 18.12.2020, 15:21

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