51 Corona-Fälle nach Leichtathletik-Hallen-EM in Torun

Sprint bei der Hallen-EM in Torun

Auch sieben deutsche Athleten betroffen

51 Corona-Fälle nach Leichtathletik-Hallen-EM in Torun

Von Anke Feller

Wie sicher ist in Corona-Zeiten eine Leichtathletik-Hallen-Europameisterschaft mit einem strengen Hygienekonzept? Nicht sehr sicher, wie sich anderthalb Wochen nach Ende der Wettkämpfe zeigt.

Über 700 Athleten aus 47 Ländern waren im polnischen Torun vom 4. bis zum 7. März am Start. Von immer mehr europäischen Verbänden werden positive Testergebnisse ihrer Athleten bekannt. Laut der britischen "Times" sowie dem Branchendienst "Inside the Games" sind es mittlerweile neun britische, acht niederländische, fünf französische, vier ukrainische und jeweils ein Teammitglied aus Polen, Österreich und Irland. 15 italienische Athleten und Athletinnen sollen sich laut der italienischen Zeitung "Gazzetta dello Sport" infiziert haben.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband DLV hat mitgeteilt, dass nach der Rückkehr von der Hallen-Europameisterschaft sieben Athleten und Athletinnen positiv getestet wurden. DLV-Chefbundestrainerin Annett Stein ist ratlos: "Für mich waren die Hygiene-Regeln in Torun vor Ort sehr, sehr grenzwertig. Nicht, weil sie zu lax waren, sondern, weil sie sehr streng waren. Wir können uns das nicht erklären."

Przybylko berichtet über Symptome: "Das war relativ heftig!"

Mateusz Przybylko bei der Hallen-EM in Torun

Mateusz Przybylko bei der Hallen-EM in Torun

Zwei der sieben deutschen Athleten kommen aus Leverkusen. Hochsprung-Europameister Mateusz Przybylko ist einer von ihnen. Durch Schmerzen im Fuß gehandicapt, belegte er am letzten Tag der Hallen-Europameisterschaft Platz 7. Nach einem negativen Corona-Test durfte er die Rückreise nach Deutschland antreten. Fünf Tage später wachte er mit schweren Armen auf und fühlte sich angeschlagen. Ein Corona-Test brachte noch am selben Tag ein positives Ergebnis. Abends stellten sich schlagartig starke Kopf- und Gliederschmerzen ein, dazu Fieber bis 39,5 Grad, Schüttelfrost und ein schmerzhafter trockener Husten. "Bis auf den Verlust des Geschmacks- und Geruchssinnes hatte ich alle Symptome. Ich wünsche das keinem. Das war relativ heftig!"

Infektionsherd Aufwärmhalle?

Wo sich Przybylko angesteckt hat, weiß er nicht. "Wir waren in einer Blase, ich habe mich sicher gefühlt. Alle Athleten wurden getestet." Für den Hochsprung-Europameister von Berlin 2018 kommen verschiedene Möglichkeiten in Frage. "Ein Mitarbeiter aus dem polnischen Organisationsteam, dessen Infektion nicht bekannt war. Oder ein fehlerhaftes Testergebnis eines Sportlers, der weitere Athleten angesteckt hat, und wir hatten einfach Pech." Auch die Möglichkeit sich in der Aufwärmhalle infiziert zu haben, in der der österreichische Verband einen Infektionsherd vermutet, kommt für Przybylko in Betracht. "Da waren zu viele Sportler ohne genügend Abstand auf viel zu engem Raum."

Drei Fälle während der Wettkämpfe

Weitere deutsche Teammitglieder berichten, dass einzelne Verbände die vor Ort geltenden Hygieneregeln lax gehandhabt hätten. Konsequenzen seien ausgeblieben. Schon während der Wettkämpfe war die Infektion von drei polnischen Staffel-Läufern bekannt geworden.

Mateusz Przybylko geht es seit dieser Woche von Tag zu Tag besser. Nur der trockene Husten hält sich hartnäckig. Wenn der nächste PCR-Test negativ ist und die Ärzte grünes Licht geben, will er vorsichtig wieder ins Training einsteigen.

Stand: 18.03.2021, 15:29

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