Judo - unterschiedliche Reaktionen nach Aufhebung der Sperre gegen Iran

Judoka Saeid Mollaei bei einem Kampf in Tel Aviv

CAS-Urteil

Judo - unterschiedliche Reaktionen nach Aufhebung der Sperre gegen Iran

Von Bamdad Esmaili

Der internationale Sportgerichtshof CAS hat die Sperre gegen den iranischen Judo-Verband aufgehoben. Die Reaktionen sind unterschiedlich - wie es weitergeht, ist noch unklar.

Im Oktober 2019 hatte der Judo-Weltverband IJF den Iran von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen. Der Anlass für diese Sperre waren Enthüllungen des iranischen Judoka Saeid Mollaei über die WM in Tokio 2019. Dort sei er von iranischen Verbandsfunktionären angewiesen worden, gegen den Belgier Matthias Casse zu verlieren. Der Grund: Es sollte unbedingt vermieden werden, dass Mollaei im Finale gegen Sagi Muki, einen Judoka aus Israel, antreten muss. Der Iran verbietet seit der Gründung der islamischen Republik vor 42 Jahren jegliche sportliche und kulturelle Begegnung mit Israelis, da der Iran den Staat Israel nicht anerkennt.

Der IJF sperrte daraufhin den Iran auf unbestimmte Zeit mit der Begründung, dass die islamische Republik gegen die olympische Charta und den Ethikcode des Judoverbandes verstoße. Gegen die Sperre von 2019 hatte der Iran beim Sportgerichtshof in Lausanne Einspruch eingelegt und nun Recht bekommen. Laut CAS habe der internationale Judoverband seine Befugnisse überschritten.

Iran hat gegen die Regeln verstoßen, der Verband  IJF aber auch

Das CAS-Gremium stellte in seinem Urteil fest,  der Iran habe schwere Verstöße gegen die geltenden IJF-Regeln begangen und dass deshalb Sanktionen verhängt werden dürften - aber diese müssten dem selbstgesetzten Regelwerk des IJF entsprechen. Das CAS-Gremium kam  zu dem Schluss, dass die unbegrenzte Sperre keine Rechtsgrundlage in den IJF-Vorschriften habe. Deshalb gab das CAS der Berufung des Iran statt  und hob die Entscheidung der IJF-Disziplinarkommission vom 22. Oktober 2019 auf. Der Fall  wurde zur weiteren Beratung an die IJF-Disziplinarkommission zurückverwiesen.

Der iranische Judoverbandschef Arash Miresmaili feierte die CAS Entscheidung als großen Sieg: "Zweifellos erkennt sich die Judo-Föderation der Islamischen Republik Iran weiterhin als Gegenstand der Grundsätze der Olympischen Charta und der Bestimmungen des Statuts der Weltjudoföderation an und wird die zunehmende Zusammenarbeit und Interaktion mit der Welt-Judo-Föderation in diesem Zusammenhang begrüßen."

Aus dem Kreise des Judokas Mollaei heißt es jedoch, noch sei nichts entschieden. Der Iran dürfe bis zur endgültigen Entscheidung weiterhin nicht an internationalen Judo-Wettkämpfen teilnehmen.

Weiteres Vorgehen des IJF unklar

Ein Sprecher des IJF wollte gegenüber der Sportschau das Urteil nicht kommentieren. "In den nächsten Tagen werden wir nun die nächsten Schritte einleiten." Was der IJF nach dem CAS Urteil nun machen wird, ist zur Zeit unklar. Der offiziellen Internetseite des Verbandes ist jedenfalls (Stand 2. März, 16:45 Uhr) nicht zu entnehmen, dass die Sperre aufgehoben ist.

Der iranische Judoka  Saeid Mollaei war 2019 nach Deutschland geflohen und hatte hier Asyl erhalten. Zur Zeit tritt der Sportler für die Mongolei an. Aus seinem Umfeld heißt es, er hoffe, dass der Iran für diese politisch motivierte grobe Unsportlichkeit zur Rechenschaft gezogen wird. Er warte nun gespannt auf die Entscheidung der IJF-Disziplinarkommission. Momentan hält sich Mollaei in der Hauptstadt Usbekistans, in Taschkent auf. Er kämpft am Wochenende beim dortigen Grand Slam, damit er seinem Traum, bei der Olympiade in Tokio im Sommer dabei zu sein, ein Stückchen näher rückt.

Stand: 02.03.2021, 18:28

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