Tiger Woods: Traum-Comeback beim Masters

Tiger Woods

Jahresrückblick 2019

Tiger Woods: Traum-Comeback beim Masters

Von Christian Hornung

Im Juli 2017 war Tiger Woods am absoluten Tiefpunkt angekommen: vierte Operation am Rücken, Sturz aus den Top-Tausend der Golf-Weltrangliste, Festnahme wegen Drogenmissbrauchs am Steuer - ein Comeback schien ausgeschlossen. Doch 2019 triumphierte er beim Masters.

Aufstieg und Fall hat Eldrick Tont Woods, den alle Fans und Freunde nur "Tiger" nennen, schon mehrmals durchlebt. Schon ein Jahr nach seinem Profidebüt vor 23 Jahren ließ sich der Mann aus Cypress in Kalifornien zum ersten Mal das Grüne Jacket überstreifen, das es für den Sieg beim Masters gibt. Es folgten Jahre der Dominanz, phasenweise war Woods seiner Konkurrenz so weit entrückt, dass es nach einer anderen Sportart aussah, die er betrieb: Insgesamt führte er 683 Wochen die Weltrangliste an, davon 281 am Stück - das gab es vorher noch nie.

"Tigergate" und peinliche Pressekonferenz

Einen so krachenden und öffentlichkeitswirksamen Absturz in dieser elitären Golfwelt aber auch noch nie. 2009 kam es zum "Tigergate", Woods zog sich nach dem Bekanntwerden zahlreicher außerehelicher Affären und der Trennung von seiner Frau Elin Nordegren aus dem Turnierzirkus zurück und gab noch eine Pressekonferenz, in der er sich für sein Fehlverhalten entschuldigte. Woods gelobte, ein besserer Mensch zu werden - es war eine erbärmliche Veranstaltung.

Tiger Woods gelingt das Comeback des Jahres

Sportschau 19.12.2019 03:13 Min. Verfügbar bis 19.12.2020 ARD


Doch er kam zurück. Und verpasste plötzlich Cuts. Es waren Jahre, in denen der Tiger schwerfällig spielte, übergewichtig wirkte, seinen Schwung verlor: Der Außerirdische strauchelte. Doch er kämpfte, gewann 2012 wieder Turniere, wenn auch keine Majortitel. Aber er holte sich die Nummer Eins zurück.

Vier Operationen am Rücken

Und stürzte wieder ab. Die Knie- und Rückenprobleme wurden immer schlimmer, es begann ein Ärzte-Marathon. Im April 2017 musste er sich zum vierten Mal am Rücken operieren lassen. Einen Monat später folgte der nächste Tiefpunkt: Festnahme wegen Drogenmissbrauchs am Steuer. Es gab ein Video, in dem Woods unfähig war, den Anweisungen der Polizei Folge zu leisten, er sah verwahrlost aus und bekam ein Verfahren wegen "DUI" - driving under influence.

Diesmal schien seine große Karriere mit 14 Majortiteln wirklich am Ende, er begab sich in stationäre Behandlung. Dass ihn die Weltrangliste zu diesem Zeitpunkt erstmals seit Beginn seiner Laufbahn auf Platz 1.005 ausspuckte, war fast schon unwichtig: Seine verbliebenen Fans wünschten ihm nur noch, wieder gesund zu werden.

"Ich bekomme professionelle Hilfe"

Woods twitterte damals: "Ich bekomme jetzt professionelle Hilfe, um mit meinen Medikamenten zurechtzukommen. Ich habe Rückenschmerzen und Schlafstörungen." Doch er begann wieder zu trainieren. Das Jahr 2018 startete er auf Weltranglistenplatz 656, für viele Turniere brauchte er plötzlich eine Einladung. Doch immer wieder blitzte sein altes Genie auf. Bei der British Open wurde er Sechster, bei der PGA Championsship Zweiter, und im August gelang ihm bei der Tour Championsship tatsächlich sein erster Turniersieg seit 2013.

Als er dann 2019 tatsächlich wieder beim Masters triumphierte und damit nach elf Jahren Unterbrechung seinen 15. Majortitel feierte, ließ er anschließend noch einmal kurz die quälende Zeit zuvor Revue passieren: "Ich hatte keinen Golf-Schwung mehr, ich hatte null Geschwindigkeit. Mein kurzes Spiel war weg. Mein Gott, ich hatte zwei Jahre nicht gespielt, ich wusste nicht mehr, wie gut ich wieder spielen kann."

Geadelt von Michael Jordan

So gut, dass es jetzt sogar wieder möglich erscheint, dass Woods seinen unzähligen Rekorden auch noch den der meisten Majorsiege hinzufügen kann: Jack Nicklaus steht bei 18. Die Bestmarke bei den spektakulärsten Auferstehungen hält Tiger Woods aber jetzt schon, das sagte nach dem Masters 2019 zumindest einer, der es ganz genau wissen muss: Michael Jordan.

Die Basketball-Legende der 80er und 90er Jahre hatte mal einen zweijährigen Ausflug in den Baseballsport erfolglos beendet, war in die NBA zurückgekehrt und gewann danach mit den Chicago Bulls noch einmal drei Titel. Jetzt adelte Jordan seinen Landsmann: "Niemand hatte erwartet, dass Tiger so wie jetzt zurückkommt. Er war wahrscheinlich der einzige, der daran geglaubt hat. Für mich ist das das größte Comeback, das ich je gesehen habe."

Stand: 12.12.2019, 14:42

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