Katar 2019: Eine Leichtathletik-WM der Extreme

Malaika Miahambo

Jahresrückblick 2019

Katar 2019: Eine Leichtathletik-WM der Extreme

Schwierige Menschenrechtslage, extremes Klima, kaum Zuschauer: Die Leichtathletik-WM im Wüstenstaat Katar sorgte für viel Diskussionsstoff. Sportlich gab es für die Deutschen aber auch Grund zu jubeln.

Die Leichtathletik-WM 2019 in Katar war unter denkbar ungünstigen Vorzeichen gestartet. Sowohl Beobachter als auch Athleten hatten die Wahl des Austragungsortes im Vorfeld scharf kritisiert. Der Tenor: Nicht das Sportliche habe dabei den Ausschlag gegeben, sondern sportpolitische und vor allem finanzielle Interessen.

Zwei Punkte wurden besonders angeprangert: Zum einen die mehr als problematische Menschenrechtslage in dem kleinen Wüstenstaat, zum anderen die extremen klimatischen Bedingung im Austragungsort, der Hauptstadt Doha.

Leichtathletik-WM: Deutsche Leichtathleten rücken ins Rampenlicht

Sportschau 18.12.2019 02:35 Min. Verfügbar bis 18.12.2020 ARD Von NDR-Reporter Jens Gideon


Groteske Wettkampfbedingungen

Zwar konnte das Khalifa-Stadion, in dem ein Großteil der Wettkämpfe ausgerichtet wurde, mithilfe von Kaltluftdüsen auf angenehme 25 Grad heruntergekühlt werden, Athleten aus den Ausdauersportarten aber, die nicht im Stadion stattfinden konnten, mussten unter teilweise grotesken Bedingungen starten.

Die Marathonveranstaltungen beispielsweise wurden, um die Temperaturen auf einem zumindest erträglichen Niveau zu halten, erst um Mitternacht gestartet. Es half nicht. Allein beim Marathon der Frauen schafften es nur 40 der 68 gestarteten Athletinnen ins Ziel. Die immer noch brutalen Bedingungen, 32 Grad und 73 Prozent Luftfeuchtigkeit, führten dazu, dass mehre Läuferinnen noch auf der Strecke kollabierten und versorgt werden mussten. Vor geisterhafter Kulisse gewann die Kenianerin Ruth Chepngetich. Ihre 2:32:43 Stunden waren die langsamste Siegeszeit der WM-Geschichte. Bei den Männern zeigte sich ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so dramatisches Bild. Bei etwas weniger schlimmen Bedingungen mussten hier 18 Athleten vorzeitig aufgeben. Es gewann der Äthiopier Lelisa Desisa in 2:10:40 Stunden.

Gesa Felicitas Krause holt Bronze

Für die ersten sehr erfreulichen Nachrichten aus deutscher Sicht sorgte Gesa Felicitas Krause über 3.000 Meter Hindernis. Im schnellsten Hindernisrennen der WM-Geschichte zeigte die Frankfurterin eine sowohl taktisch als auch läuferisch bärenstarke Leistung und erkämpfte sich in 9:03,30 Minuten die Bronze-Medaille hinter Emma Coburn aus den USA und Siegerin Beatrice Chepkoech aus Kenia. Gleichzeitig verbesserte die 27-Jährige damit ihren eigenen deutschen Rekord um mehr als vier Sekunden.

Klosterhalfen schafft Historisches

Ebenfalls Bronze gab es für Konstanze Klosterhalfen über die 5.000 Meter. Wenige Monate nach ihrem, bei den deutschen Meisterschaften aufgestellten Rekord, sicherte sich die Leverkusenerin, die lange in der Spitze hatte mithalten können, in 14:28,43 Rang drei hinter den beiden Kenianerinnen Margaret Chelimo Kipkemboi (Silber) und Hellen Obiri (Gold). Damit gelang ihr Historisches: Klosterhalfen ist die erste deutsche Athletin, die über diese Strecke WM-Edelmetall gewinnen konnte.

Klosterhalfen war im Vorfeld der Wettkämpfe für ihre Teilnahme am "Nike Oregon Project" unter der Leitung des umstrittenen amerikanischen Trainers Alberto Salazar kritisiert worden. Salazar wurde vor Beginn der WM für vier Jahre wegen Dopings gesperrt, er soll seine Athletinnen teilweise auch emotional sowie körperlich misshandelt haben. Klosterhalfen hatte stets beteuert, nichts davon beträfe sie und geäußert, auch weiterhin in den USA trainieren zu wollen. Mittlerweile wurde das Projekt offiziell eingestellt.

Mihambo deklassiert die Konkurrenz

Für die erste deutsche Goldmedaille der Weltmeisterschaften sorgte Weitspringerin Malaika Mihambo. Die 25-jährige aktuelle Europameisterin hielt dem Druck als Favoritin auf den WM-Sieg stand und sicherte sich mit neuer persönlicher Bestleistung von 7,30 Metern die Goldmedaille. Sie lag damit ganze 38 Zentimeter vor der Zweitplatzierten Ukrainerin Maryna Bekh-Romanschuk (6,92m). Ese Brume aus Nigeria gewann Bronze (6,91m).

Mit dem Titel veredelte die Athletin der LG Kurpfalz eine herausragende Saison. Sie hatte im Jahr 2019 bereits mehrfach die magische Sieben-Meter-Marke übersprungen, Anfang August mit 7,16 Meter bei den deutschen Meisterschaften ihre bis zum WM-Finale gültige persönliche Bestleistung aufgestellt. In der ewigen Weltbestenliste im Weitsprung liegt sie als zweite Deutsche hinter Heike Drechsler, die mit dem deutschen Rekord von 7,48 Meter (aufgestellt 1988) dort Rang drei inne hat, auf Rang zwölf.

Im Dezember 2019 wurde Mihambo zu Deutschlands Sportlerin des Jahres gewählt.

Kaul schafft die Sensation

Die aus deutscher Sicht größte Sensation gelang dem erst 21-jährigen Zehnkämpfer Niklas Kaul. Völlig überraschend sicherte sich der Mainzer die Goldmedaille und machte sich damit zum jüngsten Weltmeister der Geschichte.

Der U23-Europameister startete als Elfter nach dem ersten Tag eine dramatische Aufholjagd. Mit einer Serie von persönlichen Bestleistungen brachte er sich vor dem abschließenden 1.500-Meter-Lauf in eine nahezu perfekte Ausgangsposition. Als bester Läufer ließ er in 4:15,71 Minuten dann den bis dahin führenden Esten Maicel Uibo hinter sich, der Silber holte. Bronze ging an Damian Warner aus Kanada.

Im Dezember 2019 wurde Kaul zu Deutschlands Sportler des Jahres gewählt.

red | Stand: 17.12.2019, 17:24

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