VfL Gummersbach: Neue Hoffnung nach Abstiegsschock

VfL Gummersbach Geschäftsführer Christoph Schindler, Drago Vukovic

Jahresrückblick 2019

VfL Gummersbach: Neue Hoffnung nach Abstiegsschock

Von Jens Mickler

Der VfL Gummersbach stieg im Juni erstmals in seiner ruhmreichen Geschichte aus der Handball-Bundesliga ab. Der Schock ist einigermaßen verarbeitet und die Hoffnung im Klub groß, dass es wieder nach oben geht.

Das Saisonfinale am 9. Juni war an Dramatik kaum zu überbieten. Der VfL Gummersbach trat in höchster Abstiegsnot bei der SG BBM Bietigheim an. Als die Schlusssirene ertönte, war der VfL dank des 25:25-Remis noch erstklassig. Doch wenige Sekunden später überschlugen sich 120 Kilometer nordwestlich die Ereignisse. Die Eulen Ludwigshafen erzielten kurz vor Ende gegen Minden den 31:30-Siegtreffer und jubelten über ein kleines Handball-Wunder. In der Kabine des VfL sah man dagegen weinende Männer.

Heiner Brand: "Das hat sehr weh getan"

VfL Gummersbach: Brand lächselt

Klub-Legende Heiner Brand

Erstmals in seiner langen Geschichte und nach 53 Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit musste der VfL Gummersbach den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. "Das hat natürlich sehr weh getan", sagt Heiner Brand, eine Legende des Klubs, heute. Es sei damals am Pfingstsonntag alles zusammengekommen, was nicht hätte zusammenkommen dürfen. "Das war nicht normal, was in den Schlusssekunden passierte, und der VfL hat auch viel Pech gehabt. Andererseits hatte man die Jahre davor viel Glück. Irgendwann ist das mal aufgebraucht", meint Brand.

Diesen schmerzlichen Abstieg des nach dem FC Barcelona immer noch erfolgreichsten Handball-Klubs der Welt (12 x Deutscher Meister, 5 x Europapokalsieger der Landesmeister) will Brand aber nicht an diesem einen verpfuschten Saisonende festmachen. "Die Schwierigkeiten haben sich über Jahrzehnte angehäuft. Letztlich seit dem Jahr 1991 mit dem Gewinn der letzten Meisterschaft musste man immer Löcher stopfen und Altlasten mitschleppen", so der Weltmeistertrainer von 2007. Es habe sich über lange Zeit eine Mentlität entwickelt, die ihn gestört habe. "Die Erziehung der Spieler war nicht so, wie man das eigentlich haben möchte", sagt Brand.

Altlasten noch immer im Nacken

VfL Gummersbach: Schindler nachdenklich

Gummersbachs Geschäftsführer Christoph Schindler

Auch Christoph Schindler, den aktuellen Geschäftsführer des Klubs, beschäftigen die Altlasten noch immer, auch jetzt in der 2. Bundesliga, wo man sportlich wieder in der Spitzengruppe mitmischt. Oberste Prämisse von Schindlers täglicher Arbeit: den Klub auf dem Weg zur Gesundung weiter zu konsolidieren. Nach dem Abstieg habe man bereits radikal an der Kostensenkung gearbeitet und dabei "weit mehr" eingespart als die öffentlich kolportierte halbe Million Euro.

Mit den noch immer abzutragenden Altlasten, der teuren Halle und der Nachwuchsakademie sei der VfL mit anderen Klubs der 2. Liga nicht recht zu vergleichen, so Schindler, der den Radikalkurs auch am eigenen Leibe spürt. Lenkte der Ex-Profi den Klub in der vergangenen Saison noch gemeinsam mit Peter Schönberger und Sebastian Glock zu dritt, macht Schindler die Arbeit von Sportdirektor, Geschäftsführer und Marketingchef mittlerweile ganz alleine.

Nie so viele Dauerkarten verkauft

Und dabei seien durchaus Fortschritte zu erkennen. "Nach dem Abstieg sind der Verein und sein Umfeld enger zusammengerückt", sagt Schindler zu sportschau.de. Mit einem Zuschauerschnitt von mehr als 3.000 ist man Liga-Spitze. Noch nie hat der Klub so viele Dauerkarten verkauft wie in dieser Zweitliga-Spielzeit. Auch Gesellschafter und Sponsoren zögen mit. Fehlt nur noch, dass möglichst bald die Rückkehr in die erste Liga gelingt. "Das muss aber nicht auf Teufel komm raus passieren. Wichtig ist erstmal, dass wir die alten Schulden bezahlen", sagt Schindler.

Auch Legende Heiner Brand hofft auf eine baldige Rückkehr ins Oberhaus. An die Situation in der 2. Liga, wo der VfL aktuell auf Platz vier steht (Stand 17.12. 2019), habe er sich einigermaßen gewöhnt, zufrieden ist er damit nicht. "Ich bin als Junge dem Klub beigetreten und habe mehr als 60 Jahre mit meinen Brüdern in diesem Verein erlebt. Das kann und will ich nicht einfach abschütteln", sagt Brand. Ein Traineramt kommt für ihn nicht mehr in Frage, halbe Sachen wie ein Sitz im Beirat des Klubs, den er schon inne hatte, sind nichts für ihn. Dauergast in der Halle wird Heiner Brand aber bleiben und das, so hofft er, bald wieder in der Bundesliga.

Stand: 16.12.2019, 08:00

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