Razzien während Nordischer Ski-WM decken Doping-Netz um Erfurter Arzt auf

Operation Aderlass

Jahresrücklick 2019

Razzien während Nordischer Ski-WM decken Doping-Netz um Erfurter Arzt auf

Von Hajo Seppelt und Jörg Winterfeldt

Es war der Sportskandal des Jahres: Razzien bei der Ski-WM in Seefeld und im thüringischen Erfurt decken einen internationalen Blutdoping-Ring um den Mediziner Mark Schmidt auf. Die Justiz ermittelt noch immer.

Für gewöhnlich begeistern nordische Ski-Weltmeisterschaften über den Veranstalterort hinaus in erster Linie ein Fachpublikum und viele Gelegenheitszuschauer an kalten, bisweilen gar tristen Februartagen. Selten kommt diesem Treffen der weltbesten Skispringer, Ski-Langläufer oder nordischen Kombinierer eine übergreifende Bedeutung zu. Dass ausgerechnet die Titelkämpfe in Seefeld im Februar 2019 ein Echo weit über das Ausrichterland Österreich hinaus erfuhren, lag dann auch weniger am Treiben auf Loipen und Schanzen.

Vielmehr lieferte der Sport nur den Tatort für einen Krimi, der die Justiz bis heute beschäftigt. In den frühen Morgenstunden des 27. Februar begann das Einsatzkommando Cobra die "Operation Aderlass". Nacheinander schnappten die Fallen zu, die die Ermittler in mühevoller Kleinstarbeit dank sorgfältigen Observationen in den Tagen zuvor gestellt hatten, obwohl ihnen in der Kälte der Alpen zuweilen die Mikrofone eingefroren waren.

Teure Indiskretion

Der mutmaßliche Doping-Drahtzieher Mark Schmidt wird in Erfurt festgenommen.

Der mutmaßliche Doping-Drahtzieher Mark Schmidt wird in Erfurt festgenommen.

Das Bundeskriminalamt nahm sieben Personen fest, unter ihnen fünf des Dopings verdächtige Athleten. Darunter auch der österreichische Langläufer Max Hauke, den die Elitepolizisten in einem privat angemieteten Appartement in flagranti mit der Nadel im Arm erwischten, als ihm sein Eigenblut aus einem Beutel wieder zurückgeführt wurde. Die Ermittler dokumentierten die Szene mit einem Video für die Staatsanwaltschaft. Einer stellte es allerdings auch in eine polizeiinterne Whatsapp-Gruppe, aus der ein Kollege es zur Veröffentlichung weitergab.

Zwar kam dem Video so ein enorme öffentliche Aufklärungsbedeutung zu, doch musste der Beamte die Indiskretion teuer bezahlen: Das Landesgericht Innsbruck verurteilte ihn wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses zu einer Geldstrafe von 4.760 Euro, die Hälfte zur Bewährung, und zu einem Teilschmerzensgeld an Hauke in Höhe von 500 Euro.

"Grandiose Beweislage"

Bei einer ebenfalls am 27. Februar zeitgleich zum Zugriff in Seefeld koordinierten Razzia in Erfurt hob die Polizei das zugehörige Dopinglabor mit Blutkonserven aus und nahm den Sportmediziner Mark Schmidt fest. Zusammen mit einem später festgenommenen Helfer sitzt Schmidt wegen anhaltender Verdunkelungsgefahr bis heute in Untersuchungshaft. Sein im vergangenen Februar beim Zugriff in Österreich ebenfalls als Handlanger des Netzwerks festgenommener Vater, im Hauptberuf eigentlich renommierter Thüringer Jurist, ist inzwischen wieder auf freiem Fuß.

Mark Schmidt und sein Umfeld Sportschau 03.03.2019 05:10 Min. Verfügbar bis 03.03.2020 Das Erste

Stand: 11.12.2019, 09:14

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