Turnskandal Chemnitz: Kinderschutzbund fordert mehr Kontrolle in den Leistungszentren

Ein Olympiastützpunkt-Schild

Hintergrund

Turnskandal Chemnitz: Kinderschutzbund fordert mehr Kontrolle in den Leistungszentren

Von Markus Schmidt

Die  stellvertretende Geschäftsführerin beim Deutschen Kinderschutzbund, Martina Huxoll-von Ahn, hat im Interview mit Sport inside schärfere Vorschriften für den Turn-Leistungssport gefordert – so wie sie jetzt bereits für Kindertagesstätten und Internate gelten.

Denn Kinder und Jugendliche lebten über einen Großteil des Tages in bestimmten Einrichtungen in der Kinder und Jugendhilfe, und für diese Einrichtungen bräuchte es eine Betriebserlaubnis. "Und dies setzt voraus, dass Konzepte vorgelegt werden, also Beachtung der Kinderrechte, Mitsprachemöglichkeiten, Konzepte, die den Schutz der Kinder sicherstellen, die sicherstellen, dass sie sich beschweren können. Und das wäre natürlich etwas, was genauso … für Olympiastützpunkte und Leistungszentren gelten müsste", sagte Huxoll-von Ahn.

Die Bereitschaft, Kindeswohlgefährdung im Turn-Leistungssport anzuzeigen, sei gering, so Huxoll von Ahn. Sportler wie auch ihre Eltern fürchten um die Karriere. Und es geht früh los: Im Leistungssport Turnen beginnt das Training schon im Kindesalter. Das Startalter für internationale Wettkämpfe beträgt 16 Jahre.

Die Angst der Turnerin vor ihrem Trainer

WDR 5 Sport inside – der Podcast: kritisch, konstruktiv, inklusiv 06.03.2021 49:34 Min. Verfügbar bis 28.02.2041 WDR 5


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Misshandlungen beim Training

Im November 2020 hatten deutsche Athletinnen öffentlich über Misshandlungen beim Training geklagt. Sechs Turnerinnen, unter ihnen auch die frühere Weltmeisterin Pauline Schäfer, erhoben schwere Vorwürfe gegen die Trainerin Gabriele Frehse vom Olympiastützpunkt Chemitz.

Der Deutsche Turner-Bund setzte eine unabhängige Untersuchung ein und sieht es inzwischen als erwiesen an, dass die Trainerin "psychische Gewalt" an den Turnerinnen ausgeübt habe. Die Trainerin bestreitet alle Vorwürfe vehement.

Ihr Arbeitgeber - der Olympiastützpunkt in Chemnitz - muss nun entscheiden, ob die in der Vergangenheit so erfolgreiche Trainerin entlassen wird.

Stand: 05.03.2021, 10:58

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