Eishockey-WM in Belarus: Lettland fordert Ende der Hängepartie

IOC soll handeln

Eishockey-WM in Belarus: Lettland fordert Ende der Hängepartie

Von Robert Kempe

Nach den Sanktionen für den belarusischen Staatspräsidenten Alexander Lukaschenko durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) gerät zunehmend die Austragung der für Mai geplanten Eishockey-WM in Belarus und Lettland in die Kritik. Co-Ausrichter Lettland fordert ein Ende der Hängepartie.

Schon im August hatten die lettischen Co-Gastgeber signalisiert, dass sie die für Mai geplante Eishockey-WM nicht gemeinsam mit Belarus austragen wollen. Ein anderer Mit-Gastgeber solle gesucht werden, hieß es aus Riga. Doch die Internationale Eishockey-Föderation IIHF hat bislang nicht an der Austragung in Minsk gerüttelt. Der lettische Außenminister Edgars Rinkevics forderte jetzt in der ARD Sportschau ein Ende dieser Hängepartie.

"In der Praxis nutzen diese Art von großen Sportveranstaltungen autoritären Regimes, wie das von Herrn Lukaschenko, aus zwei Gründen. Erstens: Um ihre Macht gegenüber ihrem eigenen Volk auszubauen, zu sagen, schaut, wir sind gar nicht so schlimm. Und zweitens natürlich, um dies für Propaganda nach außen zu nutzen. Das kennen wir aus der Vergangenheit", so Rinkevics. "Wir sollten also nicht naiv sein. Auch die Verantwortlichen in internationalen Sportorganisationen sollten nicht naiv sein. Denn auch wenn sie großartige Absichten haben, die andere Seite hat sie nicht."

Norbert Röttgen: "Das IOC muss sich um seine Reputation sorgen" Sportschau 04.12.2020 00:43 Min. Verfügbar bis 04.12.2021 Das Erste

"Nicht das Ego eines Diktators streicheln"

Auch von anderer politischer Seite wird eine Absage gefordert. "Sie müssen verstehen, auf jeden Eishockeyspieler, der hier zu uns zur WM kommt, haben wir fünf politische Gefangene", sagte die belarusische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja der Sportschau und meinte mit Blick auf den belarusischen Diktator Alexander Lukaschenko: "Man kann doch nicht das Ego eines Mannes streicheln, während er Tausende seiner Bürger ins Gefängnis wirft. Es geht nicht um Sport, es geht um Gewalt."

Auch deutsche Spitzenpolitiker schließen sich der Kritik an. "Wenn es zur Eishockey-WM käme, wäre dies eine direkte Unterstützung von Lukaschenko, seiner diktatorischen Macht und wäre gegen das Volk gerichtet. Ich habe für das Verhalten schon jetzt überhaupt kein Verständnis. Der Sport darf nicht zum Helfershelfer von Diktatoren und von Diktator Lukaschenko werden. Und darum muss klar gesagt werden Wegen Lukaschenko findet das nicht statt", so Norbert Röttgen, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag.

Drei Szenarien

Der Eishockey-Weltverband sucht weiter das Gespräch mit dem belarusischen Staatspräsidenten Lukaschenko. "Ich glaube, dass man nicht nur die Gefahren sehen muss, sondern vielleicht auch die Chancen sehen muss. Vielleicht hat der Sport ja die Kraft, Dinge zu verändern. Diese Chance wollen wir wenigstens prüfen. Mit dem Risiko, das damit verbunden ist, denn das ist ja nicht an uns, etwas zu verändern", sagte IIHF-Generalsekretär Horst Lichtner in einem Interview mit der Sportschau und nannte drei mögliche Szenarien: "Szenario eins ist: Nichts ändert sich. Alles bleibt so, wie es ist. Dann wird es sehr schwer, eine WM in Belarus für die Sicherheit von allen Beteiligten ordentlich durchzuführen. Szenario zwei: es verändert sich etwas. Dass man Bedingungen vorfindet, die vielleicht sogar eine Chance sind und nicht ein Risiko, und für alle Beteiligten etwas Gutes bringen. Szenario drei ist, da bin ich auch ganz offen: Es eskaliert. Dann können wir keinesfalls in Belarus spielen." In der zurückliegenden Woche wollten sich die IIHF-Spitzenfunktionäre in Minsk mit Alexander Lukaschenko treffen, wegen Covid-19 Infektionen in der Verbandsspitze wurde daraus erst einmal nichts. Noch vor Weihnachten soll es einen neuen Anlauf für ein Treffen geben.

Belarus - Diktatur auch im Sport Sportschau 30.08.2020 32:46 Min. Verfügbar bis 30.08.2021 Das Erste

Lukaschenko: "Bach und seine Bande müssen alles beweisen"

Am 7. Dezember hatte das IOC den belarusischen Machthaber Alexander Lukaschenko von allen olympischen Aktivitäten einschließlich der Sommerspiele in Tokio ausgeschlossen. Die Führung des Nationalen Olympischen Komitees von Belarus unter seinem Präsidenten Lukaschenko habe die Athleten nicht ausreichend vor politischer Diskriminierung innerhalb der Sportorganisationen des Landes geschützt, so die Begründung. Lukaschenko kommentierte die Sanktionen gegen seine Person wenig zurückhaltend: "Ich weiß nicht, wie diese Entscheidung gerechtfertigt ist. Wir müssen vors Gericht gehen und da werden Bach und seine Bande alles beweisen müssen. Wo liegt meine Schuld? Dass ich mein Land verteidige?"

Stand: 12.12.2020, 17:23

Darstellung: