Hörmann weiter unter Druck - Koch: "Kein Missverständnis"

DOSB kurz vor Olympia in der Führungskrise Sportschau 16.05.2021 04:20 Min. Verfügbar bis 16.05.2022 Das Erste

Umstrittene Ehrenerklärung im DOSB

Hörmann weiter unter Druck - Koch: "Kein Missverständnis"

Von Hajo Seppelt und Jörg Mebus

Die dubiosen Vorgänge rund um eine Ehrenerklärung für Alfons Hörmann halten den DOSB-Präsidenten und sein Präsidium in Atem. Während Athletenvertreter Jonathan Koch weiter auf eine Klarstellung drängt, steht sogar der Verdacht einer Straftat im Raum.

Urkundenfälschung, Vortäuschung falscher Tatsachen, fehlende Transparenz – die Liste der Vorwürfe gegen den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in der Affäre um eine dubiose Ehrenerklärung für den schwer unter Druck geratenen Präsidenten Alfons Hörmann ist lang. Doch neue Stellungnahmen aus der DOSB-Zentrale in Frankfurt/Main ließen am Wochenende zunächst weiter auf sich warten.

Dafür meldete sich Jonathan Koch zu Wort, der Athletenvertreter im DOSB-Präsidium, der sich gerade mit aller Macht gegen Hörmann und seine übrigen Kollegen an der Spitze des Sportdachverbandes stemmt.

"Es gab nie eine Zustimmung, dass dieses Statement mit meinem Namen unterzeichnet und veröffentlicht wird", sagte Koch im Gespräch mit der Sportschau mit Blick auf die Pro-Hörmann-Erklärung und betonte: "Mir ist es wichtig, dass das richtiggestellt wird und dass ich mich korrekt verhalten habe."

"Kein mündliches oder schriftliches OK"

Nach der Veröffentlichung eines Schreibens mit anonymem Absender, in dem vorgeblich ein Drittel der DOSB-Belegschaft Hörmann für ein "Klima der Angst" in der Verbandszentrale verantwortlich macht und ihm eine katastrophale Menschenführung vorwirft, schien das Präsidium dem Boss schnell zur Seite gesprungen zu sein. In dem fraglichen Statement, namentlich gezeichnet von sieben Präsidiumsmitgliedern, war von "uneingeschränktem Vertrauen" und "vollumfänglicher Unterstützung" für Hörmann die Rede. Koch stellte nun erneut klar, dass er für die Erklärung nie sein "mündliches oder schriftliches Ok" gegeben habe.

Auf der Website des DOSB erscheint die Mitteilung mittlerweile ohne Namensnennung der Präsidiumsmitglieder, allerdings ansonsten unverändert. Und der Dachverband bleibt ungeachtet aller Dementis des ehemaligen Ruderers und dreimaligen Olympiateilnehmers dabei, dass auch dieser seine Zustimmung für eine Veröffentlichung gegeben habe.

Koch schloss aus, dass diese DOSB-Haltung, die ein Sprecher auf Anfrage nochmals bestätigte, auf einem Missverständnis beruhen könnte: "Aus meiner Sicht liegt hier kein Missverständnis vor. Ich bin der Aufforderung, meine digitale Unterschrift einzureichen, nicht nachgekommen. Weil es eben noch keine Abstimmung gab."

Verdacht auf Urkundenfälschung

Nun steht Aussage gegen Aussage - und der Vorwurf im Raum, dass womöglich in vorauseilendem Gehorsam und unter Vortäuschung falscher Tatsachen eine Unterstützung für Hörmann suggeriert wurde, die de facto nie bestand.

Alexander Freys, Professor für Medien- und Kommunikationsrecht in Berlin, sagte der Sportschau, es liege sogar der Verdacht einer strafbaren Urkundenfälschung vor. Der objektive Tatbestand der Urkundenfälschung "bestünde darin, dass jemandem eine Erklärung zugeschrieben wird, der diese gar nicht erklärt hat", sagte Freys.

Dass nicht Kochs elektronische Unterschrift genutzt, sondern nur sein Name unter die Erklärung gesetzt wurde, wäre dafür unerheblich. Voraussetzung für diesen Tatbestand sei allerdings weiterhin eine Täuschungsabsicht. Der Täter müsse mit seinem Handeln bezwecken, dass Dritte auf die Echtheit der Urkunde vertrauen und sich entsprechend verhalten.

Freitag "erschüttert"

Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, zeigte sich "erschüttert, wie hier mit einem Athleten umgegangen" werde. "Ich denke, so etwas kann nicht ohne Konsequenzen bleiben." Sie betonte: "Der Vorgang ist ja öffentlich. Und nach meinem Kenntnisstand sind Staatsanwaltschaften gehalten, wenn sie von einer möglichen Straftat Kenntnis erlangen, Ermittlungen aufzunehmen."

Die Ethikkommission des DOSB unter Leitung von Ex-Innenminister Thomas de Maiziére ermittelt bereits wegen der Vorwürfe in dem anonymen Mitarbeiter-Brief. Nun soll nach ARD-Informationen das Gremium auch in der Causa Koch tätig werden. Allerdings kann die Kommission keine Sanktionen verhängen, sondern nur Empfehlungen aussprechen. Über mögliche Sanktionierungen gegen Mitglieder des Präsidiums entscheiden laut Verfahrensordnung tatsächlich: "das Präsidium ohne das betroffene Präsidiumsmitglied."

Stand: 16.05.2021, 17:00

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