Wiederwahl zum IOC-Boss: Thomas Bach vergießt Tränen

Thomas Bach eröffnet am Mittwoch (10.03.2021) die 137. IOC-Session in Lausanne

Olympia

Wiederwahl zum IOC-Boss: Thomas Bach vergießt Tränen

Thomas Bach ist erwartungsgemäß am Mittwoch (10.03.2021) als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees wiedergewählt worden - und vergoss darüber Tränen der Rührung. Einen Gegenkandidaten gab es nicht.

Irgendwann wurde es Thomas Bach zu viel. All die Komplimente, all die Huldigungen, die den IOC-Präsidenten aus der ganzen Welt erreichten, trieben ihm noch vor seiner Wiederwahl die Tränen in die Augen. Bach bat "um einen kurzen Moment", schluckte schwer und fand die Fassung wieder. Mit so viel Liebe hatte er offenbar gar nicht gerechnet.

Die Bestätigung für weitere vier Jahre an der Spitze des Weltsports war in Ermangelung eines Gegenkandidaten ja Formsache gewesen - die Loblieder bewegten den abgebrühten Sportfunktionär dagegen offensichtlich sehr.

Nur eine Nein-Stimme - "wirklich überwältigend"

"Für mich ist es wirklich überwältigend, vor allem, wenn ich daran denke, wie zahlreich die Reformen und wie schwer die Entscheidungen waren", sagte Bach und regte an, das olympische Motto zu erweitern: Es soll nun in Anbetracht der Corona-Pandemie "Höher, schneller, stärker - gemeinsam" heißen.

Von den Mitgliedern des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) stimmten 93 für eine zweite Amtszeit des Tauberbischofsheimers, bei einer Nein-Stimme und vier Enthaltungen.

Schon die Wortbeiträge hatten verdeutlicht, wie sehr die Delegierten der 137. IOC-Session Bach verehren, manche Hymne erinnerte gar an einen Personenkult. Bach (67) verfolgte die Lobpreisungen aus der Kommandozentrale in Lausanne, vor ihm eine Wand mit Bildschirmen, auf denen die IOC-Mitglieder zugeschaltet waren.

Für vier weitere Jahre - Thomas Bach als IOC-Präsident wiedergewählt

Sportschau 10.03.2021 01:30 Min. Verfügbar bis 10.03.2022 ARD Von Dietrich Karl Mäurer


Hausmacht selbst erarbeitet

Seine Ausnahmestellung hat sich Bach mit dem Aufbau einer Hausmacht erarbeitet. Über 50 Mitglieder wurden ernannt, seitdem er das Sagen hat. Auch während Bachs Krönungsmesse war keine Kritik zu hören, Anerkennung umso mehr. "Sie haben alle Probleme gelöst" oder "Sie haben die olympische Ehre gerettet", lauteten Kommentare. Schon als Bach im Sommer 2020 seine Kandidatur verkündet hatte, brach in der Vollversammlung ein Jubelsturm aus.

Am Mittwoch ging es phasenweise schon in Richtung Slapstick: "Sie sehen frisch, ausgeruht und ganz toll aus", schmeichelte Samira Asghari aus Afghanistan, mit 26 Jahren das jüngste IOC-Mitglied, ihrem Präsidenten. Auch die großen Verbände verliehen ihrer Hoffnung Ausdruck, dass Bach mit seinem diplomatischem Geschick und seinen Kontakten zur G20 dafür sorgt, dass die Sommerspiele in Tokio (23. Juli bis 8. August) stattfinden können.

"Wir bemühen uns, dass die Impfstoffe möglichst schnell, global und fair verteilt werden" - IOC-Präsident Thomas Bach im Interview Sportschau 10.03.2021 07:13 Min. Verfügbar bis 10.03.2022 Das Erste

Harte Kritik aus dem Sportausschuss

Nicht alle nahmen dem IOC die Inszenierung ab. Die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag übte scharfe Kritik: "Es gab ganz große und hehre Worte: 'to make the world a better place' - wie soll das funktionieren, wenn die mächtigste Sportorganisation der Welt sich regelmäßig an die Seite von Autokraten stellt und zu Menschenrechtsverletzungen aber in aller Regel schweigt? Dopingskandale unfassbaren Ausmaßes elegant wegmoderiert? Ich bezweifle, dass Bach in den verbleibenden vier Jahren die wirklich kritischen Themen anpackt. Taktieren gehört zu seinem Geschäft."

Bach warb für den Kurs des IOC, "mit voller Kraft" daran zu arbeiten, die Spiele zu einem "Manifest der Sicherheit für Frieden, Solidarität und Widerstand im Kampf gegen die Pandemie" zu machen. Wie "olympische Athleten" werden er und seine Mitstreiter gegen das Corona-Virus kämpfen, sagte Bach und fügte hinzu: "Wir haben keinen Grund, daran zu zweifeln, dass die Eröffnungszeremonie am 23. Juli in Tokio stattfinden wird."

IOC-Präsident Bach vor Wiederwahl Mittagsmagazin 09.03.2021 03:09 Min. Verfügbar bis 09.03.2022 Das Erste Von Hajo Seppelt, Nick Buttler, Jörg Winterfeldt

Herber fordert mehr Mitsprache

Kritisch wird Bach von Athletinnen und Athleten gesehen - nicht zuletzt in seiner Heimat. Sie fordern mehr Mitsprache, eine Begrenzung der Machtfülle, die das IOC und sein Präsident in Fragen der Olympischen Spiele besitzen, und ein Bekenntnis zu Menschenrechten.

"Die Reformen, die er bereits zu Beginn seiner letzten Amtszeit angekündigt hat, müssen sich jetzt in Ergebnissen wiederfinden", fordert Johannes Herber, Geschäftsführer der Athleten Deutschland. Herber weiter: "Es geht um nicht weniger, als die Zukunftsfähigkeit der olympischen Bewegung sicherzustellen. Dafür muss das geringe Vertrauen in den Weltsport aufgebaut und die Glaubwürdigkeit seiner Organisationen gestärkt werden. Die Athletinnen und Athleten dürfen nicht nur rhetorisch in den Mittelpunkt der olympischen Bewegung gestellt werden, vielmehr muss sich diese Haltung in echter Teilhabe und Mitbestimmung ausdrücken."

Vetter will "verschärfte weltweite Dopingkontrollen"

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes: "Wir wünschen Thomas Bach für die wohl schwierigste Managementaufgabe des Weltsports viel Fortune und wertvolle Wegbegleiter an seiner Seite. Die Herausforderungen während und nach der aktuellen Coronakrise werden erkennbar groß und erfordern eine hochprofessionelle Führung des IOC."

Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter hat eine klare Botschaft: "Glückwunsch. Aber jetzt muss der volle Fokus auf einer sauberen Ausrichtung der Olympischen Spiele, auf verschärften weltweiten Dopingkontrollen sowie auf dem Bereitstellen eines optimalen Hygienekonzeptes liegen. Außerdem brauchen wir ein faires Qualifikationssystem vor allem für die Sportarten, bei denen sich die Wettkämpfe aufgrund der Coronalage als besonders schwierig erweisen."

IOC-Präsident Bach vor Wiederwahl: Thank you, Mr. President sport inside 07.03.2021 08:37 Min. Verfügbar bis 07.03.2022 WDR Von Robert Kempe

red/sid/dpa | Stand: 10.03.2021, 23:23

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