Vor Pokalspielen besonders viele Pillen - NADA legt Studie zu Schmerzmitteln vor

Hintergrundbild - Hau rein die Pille

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Vor Pokalspielen besonders viele Pillen - NADA legt Studie zu Schmerzmitteln vor

Von Hajo Seppelt, Peter Wozny und Wigbert Löer

Die Nationale Anti-Doping-Agentur hat ausgewertet, wie oft Profifußballer bei Kontrollen den Gebrauch von Schmerzmitteln angeben. Sie analysierte 8.344 Tests aus fünf Spielzeiten. Das Ergebnis ist eindeutig.

Vergangenen Juni hat die ARD-Dopingredaktion gemeinsam mit Reportern von "Correctiv" die "Pillenkick"-Recherche veröffentlicht. Darin ging es um den Einsatz von Schmerzmitteln im deutschen Fußball. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) ist daraufhin tätig geworden. Die Dopingkontrolleure aus Bonn sitzen auf einem Berg von Daten. Nun nahmen sie sich die Dopingkontrollformulare von Fußballerinnen und Fußballern aus den deutschen Profiligen vor.

Die NADA analysierte insgesamt 8.344 Formulare aus den Spielzeiten 2015/16 bis 2019/20. Sie schaute, welche Angaben zu Schmerzmitteln die getesteten Athleten darin gemacht haben, genauer: wer alles in den zurückliegenden sieben Tagen Ibuprofen oder andere Wirkstoffe genommen hatte. Die Ergebnisse der Studie erscheinen heute in dem Fachblatt "Zeitschrift für Sportmedizin".

33 Prozent nehmen Schmerzmittel

Durchschnittlich 33 Prozent der in den fünf Jahren getesteten Spielerinnen und Spieler gaben an, in der Woche vor der Kontrolle Schmerzmittel genutzt zu haben. Die Intensität der oftmals verschreibungspflichtigen Medikamente wurde nicht abgefragt, die Anzahl der Einnahmen ebenfalls nicht.

Geheimsache Doping - "Hau rein die Pille!" Sportschau 09.06.2020 44:14 Min. Verfügbar bis 09.06.2022 Das Erste

Schmerzmittel vor allem im DFB-Pokal

Unterschiede traten weniger in den verschiedenen Profiligen der Männer auf – in der dritten Liga nimmt man ähnlich viele Pillen wie bei den erstklassigen Klubs. Vor Partien im DFB-Pokal hingegen hat die NADA eine weitaus höhere Schmerzmittelquote festgestellt. Über die fünf Jahre hinweg sind es bei den K.o.-Spielen des Pokals 40 Prozent. In einer Saison, 2016/2017, gaben sogar 56 Prozent aller beim Spiel getesteten Akteurinnen und Akteure an, Schmerzmittel konsumiert zu haben.

In der Frauen-Bundesliga liegen die Werte höher

Frauen nehmen grundsätzlich mehr Schmerzmittel als Männer, das zeigt die Studie ebenfalls. In Liga- und Pokalspielen sind es durchschnittlich 40 Prozent. Grund dafür dürften Beschwerden während der Menstruation sein. In der Junioren-Bundesliga ergaben die Angaben auf den Dopingkontrollformularen nur einen Schmerzmittelkonsum von 14 Prozent. Offenbar wirkt die regelmäßige Aufklärung in den Nachwuchsleistungszentren der Vereine.

NADA fordert mehr Aufklärung

Die könnten Profis allerdings auch gebrauchen, sagt die NADA-Geschäftsführerin Andrea Gotzmann, die zum Autorenteam der Studie zählt. Sie plädiert für "Präventionsmaßnahmen". Aus Datenschutzgründen könne sie den einzelnen Vereinen nicht sagen, wie viele Schmerzmittel von deren Spielern konsumiert würden. Laut Gotzmann ist das aber auch gar nicht nötig. "Ich glaube, die Vereine wissen schon sehr gut, wie der Schmerzmitteleinsatz ist."

Zusammenarbeit mit DFB stärken

Schmerzmittel im Sport Sportschau 08.03.2021 02:14 Min. Verfügbar bis 08.03.2022 Das Erste

Die NADA-Chefin will Aufklärung und Vorbeugung jedenfalls noch vertiefen, "in einem gemeinsamen Ansatz auch zusammen mit dem DFB, wo ja auch schon erste Schritte in die Richtung eingeleitet wurden". Der DFB hat nach Veröffentlichung der Pillenkick-Recherche bereits eine eigene Studie im Amateurfußball gestartet.

Stand: 08.03.2021, 09:23

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