Proteste in Belarus: Röttgen fordert Suspendierung des NOK

Norbert Röttgen: "Das IOC muss sich um seine Reputation sorgen" Sportschau 04.12.2020 00:43 Min. Verfügbar bis 04.12.2021 Das Erste

IOC soll handeln

Proteste in Belarus: Röttgen fordert Suspendierung des NOK

Von Robert Kempe

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag, Norbert Röttgen, fordert angesichts der Wahlfälschung in Belarus und anhaltender Proteste eine sofortige Suspendierung des belarusischen NOK durch das IOC. Der CDU-Politiker sprach sich im Sportschau-Interview auch gegen die Austragung der Eishockey-WM in Belarus aus.

Der Vorsitzendes des Auswärtigen Ausschusses im Deutschen Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), hat vom Internationalen Olympischen Komitee, IOC,  klare Sanktionen gegen das Nationale Olympische Komitee, NOK, von Belarus und Alexander Lukaschenko gefordert. "Das IOC muss sich jetzt langsam selber um seine Reputation sorgen, wenn es nicht zu schnellen, klaren Schnitten kommt. Die sofortige Suspendierung von Lukaschenko und dem Nationalen Olympischen Komitee, solange Lukaschenko es führt. Darum müssen Sportler nicht ausgeschlossen werden, aber Lukaschenko sofort", sagte Röttgen in einem Interview mit der Sportschau.

IOC leitet formelles Verfahren ein

Das bisher zögerliche Vorgehen des IOC nannte Röttgen "skandalös". Das IOC habe "eine Verantwortung für den Sport, für die Werte des Sports, für Fairness, und dass Sportler wegen ihrer politischen Auffassung nicht diskriminiert werden dürfen. Das IOC muss sich selber ernst nehmen und seine Charta vollziehen". Der Fall müsse "nicht mehr geprüft werden", so Röttgen weiter. "Da muss man fünf Minuten Tagesschau gucken oder vielleicht mal sich eine Stunde in das Land bewegen. Dann sieht man, was dort los ist."

Der langjährige Staatspräsident Alexander Lukaschenko ist seit 1997 auch Präsident des NOK von Belarus und somit höchster Sportfunktionär des Landes. Das IOC verkündete Ende November, ein formelles Verfahren gegen das NOK von Belarus einzuleiten, um geeignete Maßnahmen oder Sanktionen gegen das NOK in Erwägung zu ziehen. Am kommenden Montag kommt das Exekutivkomitee des IOC zu einer Sitzung zusammen, bei der auch das Thema Belarus zur Sprache kommen dürfte.

Röttgen: "Eishockey-WM wäre direkte Unterstützung für Lukaschenko"

CDU-Politiker Röttgen forderte außerdem, die für März geplante Eishockey-WM in Belarus nicht dort auszutragen. "Wenn es zur Eishockey-WM käme, wäre das eine direkte Unterstützung von Lukaschenko, seiner diktatorischen Macht und wäre gegen das Volk gerichtet. Ich habe für das Verhalten schon jetzt überhaupt kein Verständnis", so Röttgen. Der Sport dürfe nicht "zum Helfershelfer von Diktatoren und von Diktator Lukaschenko werden". Und darum müsse klar gesagt werden: "Wegen Lukaschenko findet das nicht statt."

Belarus - Diktatur auch im Sport Sportschau 30.08.2020 32:46 Min. Verfügbar bis 30.08.2021 Das Erste

Auch Athleten beteiligen sich an Protesten

Seit Monaten halten die Proteste in Belarus gegen Lukaschenko und die Präsidentschaftswahlen vom August dieses Jahres an. Auch Sportler sind Teil der Proteste und stellen sich offen gegen den Machthaber. Über 1.200 Vertreter des Sports, darunter Trainer, Funktionäre und Athleten, haben eine Erklärung gegen Präsident Lukaschenko und für Neuwahlen unterschrieben.

Lukaschenko, der mit größter Brutalität gegen die Proteste vorgeht, übt auch Druck auf die Sportler aus. So wurden Athleten verhaftet und berichten von massiven physischen und psychischen Misshandlungen. Viele wurden von ihren Nationalmannschaften ausgeschlossen oder verloren ihre Arbeit. Der Sport, so Röttgen "ist Teil von Lukaschenkos Machtsystem, seines Unterdrückungssystems. Und darum haben die internationalen Sportorganisationen eine Verantwortung, diese Säule der diktatorischen Macht Lukaschenkos zu beseitigen".

Stand: 04.12.2020, 17:27

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