Nach "Pillenkick"-Recherche: DFB lässt Schmerzmittel-Problem erforschen

Hintergrundbild - Hau rein die Pille

Fussball

Nach "Pillenkick"-Recherche: DFB lässt Schmerzmittel-Problem erforschen

Von Wigbert Löer, Jonathan Sachse und Shea Westhoff

Der hemmungslose Gebrauch von "Ibus" und Voltaren ist am Mittwoch (27.01.2021) Thema im Sportausschuss des Bundestags. Doch nicht nur die Politik reagiert - auch der DFB.

Im vergangenen Sommer haben die ARD-Dopingredaktion und das Recherchezentrum "Correctiv" ihre gemeinsame „Pillenkick“-Recherche veröffentlicht. Ein Resultat: Nicht nur in den Profiligen werden Schmerzmittel zuweilen "wie Smarties" (Neven Subotic) eingeworfen. Auch viele Amateurspieler nehmen regelmäßig Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Diclofenac. An diesem Mittwoch befasst sich der Sportausschuss des Deutschen Bundestags in einer Experten-Anhörung mit der Problematik.

Nach Informationen von ARD und Correctiv hat aber auch der Deutsche Fußball-Bund selbst Konsequenzen gezogen. Der DFB finanziert eine Studie und nimmt dabei sowohl die Profis als auch die Amateurspieler ins Visier.

Welche Rolle spielen die Ärzte?

Mithilfe der Schmerzmittelstudie will der DFB herausfinden, auf welche Weise und in welchem Maß die Spieler Schmerztabletten einnehmen. Die Studie soll sich auch intensiv mit der Rolle der Mediziner befassen. Zudem soll die Untersuchung eine wesentliche Frage beantworten: Inwieweit wissen die Spieler um die Gefahr, die regelmäßiger Konsum von Schmerztabletten mit sich bringen kann? Einen Hinweis auf der Packungsbeilage, das hatten auch Spieler bei einer Online-Umfrage von ARD und Correctiv ergeben, nehmen Spieler mitunter überhaupt nicht wahr.

Spieler, Trainer, Ärzte, aber auch Vereinsfunktionäre sollen für die Studie befragt werden. Der DFB hat demnach Größeres vor. DFB-Präsident Fritz Keller hatte sich vergangenen Sommer "betroffen" gezeigt, als er mit den "Pillenkick"-Recherchen konfrontiert wurde - und umgehend eine Reaktion angekündigt.

Auch der Handball handelt

Ebenfalls auf die Schmerzmittel-Recherche von ARD und Correctiv hat der Deutsche Handballbund reagiert. "Auch wir haben das Problem weiterhin, da ist der Handball sicherlich keine Ausnahme", sagte Sport-Vorstand Axel Kromer der ARD. Der DHB hat deshalb beim Bundesinstitut für Sportwissenschaften die Finanzierung einer dreijährigen Studie beantragt - und bewilligt bekommen. Die Studie habe "oberste Priorität", sagte Kromer. Sie werde helfen, "den Schmerzmittelmissbrauch im Handball besser kennenzulernen und auch die richtigen Sanktionen daraufhin zu beschließen". Der Sportwissenschaftler Ansgar Thiel von der Universität Tübingen führt die Handball-Untersuchung durch.

Professoren werden an diesem Mittwoch auch beim Sportausschuss des Bundestages auftreten, etwa Tim Meyer, Chefmediziner des Deutschen Fußball-Bunds, Bernd Wolfahrth, der Olympiaarzt des Deutschen Olympischen Sportbundes, und Dieter Leyk, der an der Deutschen Sporthochschule in Köln die Forschungsgruppe Leistungsepidemiologie leitet.

Zwei Vertreter der Nationalen Anti-Doping-Agentur sind ebenso geladen, bei ihnen dürfte es um die Frage gehen, inwieweit Schmerzmittel die Leistung von Sportlern steigern oder überhaupt erst ermöglichen.

Stand: 26.01.2021, 12:00

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