FBI ermittelt gegen langjährigen Heber-Präsidenten Aján

IWF-Präsident Tamas Ajan steht im Zentrum zahlreicher Korruptionsvorwürfe

Druck auf Gewichtheber steigt

FBI ermittelt gegen langjährigen Heber-Präsidenten Aján

Von Grit Hartmann und Nick Butler

Kein Ende der Turbulenzen im Gewichtheber-Weltverband (IWF) - und das nicht nur, weil langjährige Getreue von Ex-Präsident Tamás Aján dort Reformen bremsen. Auch der einstige Alleinherrscher selbst gerät noch einmal in den Fokus: Neu entdeckte Briefe zeigen, wie er Doper schützte. Überdies ist der Ungar nun auch ein Fall für US-Behörden.

Es war keine gute Nachricht für die Exekutive der IWF, die zuletzt aus Montreal per Pressemitteilung verbreitet wurde. Absender: die Welt-Antidoping-Agentur (WADA). "Neue Vorwürfe zum Fehlverhalten" des einstigen IWF-Patrons Tamás Aján seien "empörend", lässt sich WADA-Präsident Witold Banka zitieren. Dann attestiert er den Gewichtheber-Funktionären "eine Kultur des Dopings, die lange Zeit toleriert, unterstützt und versteckt wurde". Und schließlich wird auch noch mitgeteilt: Man habe bei der IWF im August und dann erneut vor zwei Wochen schriftlich angefragt, "welche Aktionen" diese denn nun "gegen Aján ergreifen" wolle.

Offensichtlich ohne befriedigende Antwort. Öffentlicher Druck der WADA auf einen Internationalen Sportverband – das ist noch immer ein seltener Vorgang. Er zeigt, wie tief die aktuelle IWF-Führung in der Bredouille steckt. In ihr sitzen mehrheitlich langjährige Getreue von Aján, von denen man nicht weiß, ob sie die Dopingkultur nur "toleriert" oder doch eher "unterstützt" und "versteckt" haben.

Den Furor lösten neue Dokumente aus, die der WADA von den Funktionären vorenthalten worden waren – zwei Briefe von Aján, unlängst entdeckt im IWF-Hauptquartier in Budapest. Sie bestätigen die Substanz in einem Fall, dem die ARD-Dopingredaktion schon für den Film "Geheimsache Doping - Der Herr der Heber" auf der Spur" war.

Geheimsache Doping - der Herr der Heber Sportschau 18.04.2020 45:00 Min. Verfügbar bis 18.04.2021 Das Erste

Spur nach Aserbaidschan

Er führt nach Aserbaidschan, in die ölreiche Autokratie von Ilham Alijew, Präsident des Landes und auch seines Nationalen Olympischen Komitees - in der olympischen Welt ein geschätzter Partner als spendabler Ausrichter von Sportevents.

Dem dortigen Gewichtheber-Verband steht einer der wichtigsten Oligarchen des Landes vor: Jahangir Askerow, im Hauptjob Präsident der staatlichen Airline AZAL. 2013 fielen seine Heber mit gleich 23 positiven Proben auf. Aber gesperrt wurden die Doper zunächst nicht.

Warum nicht? Die jetzt aufgetauchte Post aus dem Jahr 2013 liefert die Antwort: IWF-Präsident Aján höchstpersönlich sorgte dafür, dass die positiven Proben der Aserbaidschaner erst einmal diskret zu den Akten gelegt wurden.

Ajan informiert vertraulich über positive Tests.

Ajan informiert Aserbaidschans Heberpräsidenten über die Zurückhaltung positiver Tests.

Im Oktober 2013 forderte Aján seinen Partner Askerow zwar auf, dafür zu sorgen, "dass keiner dieser Athleten an der Weltmeisterschaft teilnimmt". Aber es kam anders: Längst des Dopings überführte Aserbaidschaner standen noch im selben Monat bei der WM in Breslau auf der Bühne – ein Vorgang, der jedes Fairplay karikierte. Und beim IWF-Grand-Prix Anfang Dezember 2013 in Baku posierte Aján dann sogar mit einigen der Doper vor der Kamera.

"Die Schlinge um meinen Hals zieht sich zu"

Was war passiert? Das müssen Ermittler klären, aber ein zweiter Brief, den Aján zwei Tage nach Ende des Grand Prix nach Baku schickte, lässt bezüglich seiner eigenen Rolle keine Frage offen: "Was wir für Ihre Athleten und Ihren Verband getan haben, ist etwas, das die IWF noch nie zuvor getan hat ... Die Schlinge um meinen Hals zieht sich zu, und 45 Jahre meiner Arbeit könnten in einem Wimpernschlag untergehen. ... Im Moment ist meine größte Sorge, wann und was die IWF der WADA im Zusammenhang mit den 23 Fällen berichten wird ...". Erst im Februar 2014 zog die IWF die Aserbaidschaner aus dem Verkehr, einige fast ein Jahr nach ihren positiven Proben.

Stand: 14.11.2020, 13:00

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