IWF erwägt Klage gegen Ex-Präsident Aján

IWF-Präsident Tamás Aján

Wegen 356.000-Dollar-Überweisung:

IWF erwägt Klage gegen Ex-Präsident Aján

Von Nick Butler und Jörg Mebus

Der langjährige Verbandspatron Tamas Aján hat sich kurz vor seinem erzwungenen Rücktritt offenbar noch einmal aus der Kasse des Gewichtheber-Weltverbandes bedient. Die IWF prüft eine Klage. 

Der Gewichtheber-Weltverband IWF will auch die letzten Verbindungen zu seinem langjährigen Präsidenten Tamas Aján lösen - doch die Trennung droht nach neuen Vorwürfen gegen den ehemaligen Verbandspatron zur Schlammschlacht zu werden. Informationen der ARD-Dopingredaktion zufolge hat sich Aján nach Überzeugung der IWF-Exekutive kurz vor seinem erzwungenen Rücktritt aus dem Präsidentenamt noch einmal aus der Kasse des Weltverbandes bedient.  

Es geht um insgesamt 356.000 Dollar, die der 81 Jahre alte Ungar in mehreren Tranchen im Februar und März an sich selbst transferiert haben soll. Zu diesem Zeitpunkt war Aján zu keinerlei eigenmächtiger Finanztransaktion mehr befugt. Die US-Amerikanerin Ursula Papandrea führte aufgrund der laufenden Untersuchung des kanadischen Sonderermittlers Richard McLaren gegen die IWF und Aján bereits als Interimspräsidentin die IWF.  

Über die Tatsache, dass Aján sich trotz der schwerwiegenden Vorwürfe gegen ihn (u.a. Amtsmissbrauch, Korruption, Vertuschung positiver Dopingproben, Wahlbetrug) noch einmal sein Jahressalär von 350.000 Euro plus weiteren 6000 Euro überwies, war Papandrea nach eigener Angabe nicht informiert. Das betonte Papandrea in einem Online-Meeting der IWF-Exekutive in dieser Woche. Mehrere verbandsnahe Quellen bestätigten dies der ARD. 

„Die Verhältnisse entwickeln sich“ 

Die IWF erwägt nun eine Klage gegen Aján, auch wegen der 10,4 Millionen Dollar an Verbandsgeldern, die während Ajáns Amtszeit transferiert worden waren und deren Verbleib dem McLaren-Report zufolge ungeklärt ist. In einem ersten Schritt entzog die amtierende IWF-Regierung, zu der noch immer ebenfalls schwer belastete ehemalige Aján-Vertraute wie der thailändische Vizepräsident Intarat Yodbangtoey gehören, dem langjährigen Patron den Titel des Ehrenbotschafters. Diesen Titel hatten Papandrea und IWF-Generalsekretär Mohammed Jalood an Aján nach dessen Rücktritt verliehen. 

Geheimsache Doping - der Herr der Heber Sportschau 18.04.2020 45:00 Min. Verfügbar bis 18.04.2021 Das Erste

Papandrea wollte die Ergebnisse der Online-Sitzung auf ARD-Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Sie gab lediglich an, dass sich die „Verhältnisse entwickeln“. In Ajáns Heimat Ungarn und in der Schweiz laufen strafrechtliche Ermittlungen. Die IWF hatte erst vor kurzem nach Ajáns Rücktritt Mitte April ihr Hauptquartier von Budapest nach Lausanne verlegt, wo der Weltverband bereits offiziell gemeldet war. 

Der kanadische Sonderermittler Richard McLaren hatte in seiner vom IWF in Auftrag gegebenen Untersuchung die wesentlichen Verdachtsmomente, die in der im Januar ausgestrahlten ARD-Doku „Der Herr der Heber“ nachgezeichnet wurden, gegen Ajan bestätigt und weitere hinzugefügt. Neu war der Vorwurf der Wahlfälschung. Bei den beiden jüngsten Wahlkongressen 2013 und 2017 sei es zu massiven Stimmenkäufen für den Präsidenten und dessen Verbündete in der Exekutive gekommen, hieß es in dem Report. Für den Stimmenkauf habe Aján IWF-Gelder verwendet.  

Darüber hinaus hatte die Untersuchung 40 positive Doping-Befunde festgestellt, die "in den Aufzeichnungen der IWF versteckt" worden seien. Entsprechende Proben von "Gold- und Silbermedaillengewinnern" bei Weltmeisterschaften seien "nicht behandelt" worden - das heißt: Die Doper durften einfach weiter starten. Zudem warf die McLaren-Kommission Ajàn vor, aus der IWF eine Autokratie gemacht zu haben. Der Ungar habe mit "eiserner Hand" regiert. IWF-Offizielle, die den Präsidenten "herausgefordert" hätten, seien "bestraft oder schikaniert" worden. 

Stand: 21.08.2020, 13:51

Darstellung: