Der Präsident beklagt sich, den Hebern droht Olympia-Bann

Nach ARD-Doku: IWF-Präsident fürchtet Olympia-Bann für Gewichtheben Sportschau 19.01.2020 05:10 Min. Verfügbar bis 19.01.2021 Das Erste

Skandale im Gewichtheben

Der Präsident beklagt sich, den Hebern droht Olympia-Bann

Von Hajo Seppelt, Nick Butler, Jörg Mebus und Wigbert Löer

Teil 2/2 - Forderung nach Rücktritt

Maxim Agapitow, Russlands Verbandschef im Gewichtheben, fordert den Rücktritt des IWF-Präsidenten Aján.

Maxim Agapitow, Russlands Verbandschef im Gewichtheben, fordert den Rücktritt des IWF-Präsidenten Aján.

Der Druck aus Tamás Ajáns eigenen Reihen steigt. Maxim Agapitow, Präsident des russischen Gewichtheberverbandes und Mitglied der IWF-Exekutive, begehrt öffentlich gegen Aján auf. "Vom ethischen Standpunkt aus muss er zurücktreten und die Verantwortung für das alles übernehmen", sagte Agapitow der ARD: "Für Veränderung im Gewichtheben müssen wir mit der Führung anfangen.

Und Ajáns Gegner erhalten weitere Munition.

Neue Papiere, neue Länder

Der Dopingredaktion liegen Papiere von Ajáns Weltverband vor, aus denen hervorgeht, dass in weiteren Ländern Medaillengewinner vom Weltverband im Training wenig oder nie auf Doping getestet wurden. Armenier, Ägypter und Chinesen, sie alle konnten sich stets relativ sicher sein, im Alltag von Kontrolleuren des Weltverbands unbehelligt zu trainieren. Die hocherfolgreichen russischen Gewichtheber, die zwischen 2008 und 2017 mehr als 60 Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gewannen, blieben von Dopingkontrolleuren des Weltverbandes im Training, wenn Doping am effektivsten ist, ebenfalls weitgehend unbehelligt. Warum?

„Es scheint, als könnten Länder, die womöglich Ajans Machtbasis sind, strengen Dopingkontrollen entgehen. Und das bedeutet, das gesamte Dopingkontrollregime wird zum politischen Instrument“, sagte Jens Sejer-Andersen, der sportpolitische Experte der Organisation "Play the Game", als Reporter der ARD ihm die Dokumente vorlegten.

Tamás Aján lehnte eine weitere Interview-Anfrage der ARD ab. Was etwa aus den IOC-Millionen geworden ist, die sein Verband kassierte, die danach auf zwei Schweizer Konten lagen, inzwischen aber als vermisst gelten – noch immer unklar. Es handelt sich um mindestens 5,5 Millionen Dollar. "Ein grober Verstoß, sogar ein krimineller Verstoß", sagt der US-Amerikaner Michael Cayton, ein Finanzexperte und langjähriger Gewichtheberfunktionär. Aján schweigt dazu.

In Deutschland ärgert sich auch der Präsident eines anderen Weltsportverbands, öffentlich. Thomas Weikert, Chef der Tischtennisspieler, sagte der ARD: "Wenn bei uns im Verband 50 Euro verschwinden, dann gucken wir intern mit unserem Gremium schon nach, was ist da passiert - kann mal passieren. 5,5 Millionen dann auch noch bei einem sagen wir mal relativ kleinen Verband – kann nicht passieren. Darf nicht passieren. Es muss nachgeforscht werden."

Er denke, sagte Weikert weiter, "dass das IOC eben auch handeln muss". Dem IOC hatte Tamás Aján zehn Jahre lang angehört, gemeinsam mit Thomas Bach. Heute ist Ajan Ehrenmitglied des Ringe-Konzerns. Bachs Leute müssten also gegen einen Mann vorgehen, der noch immer einer der ihren ist.

Stand: 19.01.2020, 11:55

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